(openPR) Jeder, der das Foul gesehen hat, das zu Eduardos Beinbruch geführt und seine Teilnahme an der EM 2008 zunichte gemacht hat, müsste erstaunt darüber sein, dass sowohl sein Verein, Arsenal, als auch sein Land, Kroatien, verlauten lassen, der Stürmer müsse vielleicht nur ein Jahr pausieren.
Kroatiens Trainer Slaven Bilic versucht, gefasst mit der Situation umzugehen: „Unsere Sorge gilt nicht so sehr der EM, sondern Eduardo.“ Bilic weiter: „Ich denke nicht darüber nach, wer ihn als Stürmer ersetzen soll. Aber ich muss auch erwähnen, dass Dudu [wie der Spieler von seinem Nationalcoach und seinen kroatischen Mannschaftskollegen genannt wird] unersetzlich ist.“
Unersetzlich – und das ist keine Übertreibung. Eduardo war Kroatiens bester Torschütze bei der Qualifikation und schoss zehn Tore in 12 Spielen, sammelte 3558 Punkte im Castrol Performance Index und war damit nach Luca Toni Europas effektivster Stürmer.
Nachfolger gesucht
Ohne Eduardo liegt noch mehr Verantwortung auf den Schultern von Mladen Petric (1328 CPI-Punkte) und Ivica Olic (958 Punkte). Der 27-jährige Petric hat bei seinem Verein Borussia Dortmund eine gute erste Saison in der Bundesliga gespielt und erzielte 11 Treffer in 18 Spielen. Und da er in der Schweiz aufgewachsen ist, wird er sich fast wie auf heimischem Boden fühlen.
Petric schoss in der Qualifikationsrunde sieben Tore – alleine vier davon im 7:0-Sieg über Andorra – doch sein bestes Tor war der Schuss aus gut 25 Metern, der England im eigenen Wembley-Stadion aus der EM-Qualifikation schmiss. Nach zwei Weltmeisterschaften und einer Europameisterschaft, bei denen er zwar als Option in Betracht gezogen jedoch nicht nominiert wurde, wird es Petric sicherlich nicht an Motivation fehlen.
Olic traf bei der Qualifikation nur einmal – er schoss das zweite Tor im 3:2-Sieg gegen England – doch der 28-jährige Stürmer, der auch linksfüßig spielen kann, hat im Verein bei ZSKA Moskau und, seit Januar 2007, bei Hamburg SV eine respektable Saison gespielt. Seine Trefferquote in der kroatischen Nationalmannschaft – neun Tore in 51 Länderspielen – ist nicht unbedingt berauschend, doch er ist ein unermüdlicher Spieler, der bei seinen Sprints oft zwei oder mehr Verteidiger auf sich zieht.
Olic und sein Stürmerkollege Bosko Balaban wurden im September 2006 von Bilic aus der Mannschaft geschmissen, nachdem sie in einer Disko in Zagreb gesichtet wurden. Inzwischen sind beide wieder in der Mannschaft, doch Balabans beste Leistung in der Qualifikationsrunde der Kroaten beschränkte sich auf ein Tor, das er innerhalb von 20 Sekunden nach seiner Einwechslung als Ersatzspieler gegen Andorra schoss.
Der 29-Jährige war beim FC Brügge, für den er 40 Tore in 83 Spielen schoss und sich damit den Spitznamen Super-Bosko verdiente, ein gefeierter Spieler, doch in der kroatischen Mannschaft, für die er in 35 Spielen zehn Mal traf, war seine Form bisher nicht so konstant wie im Verein. Bei der EM 2004 wurde er nicht für den Kader nominiert und saß bei den beiden WMs 2002 und 2006 nur auf der Bank. Nur Bilic alleine weiß, ob er es in diesem Sommer schafft, mehr zu reißen.
Die Drei von der Ersatzbank
Durch das Fehlen Eduardos könnten drei Ersatzspieler den Satz in die erste Mannschaft schaffen: Igor Budan, Nikola Kalinic und Marijo Mandžukic. Der 27-jährige Budan hat in der vergangenen Saison bei Parma endlich zu seiner Form gefunden und erzielte 16 Treffer in 37 Spielen. Der ehemalige Jugendnationalspieler Budan schaffte es erst im Februar 2007 in die Nationalmannschaft der Herren, als er im Freundschaftsspiel gegen Norwegen sein Debüt gab. Bilic dürften die Erfolge von Kalinic und Mandžukic, den beiden U-21-Stars, schon eher beeindrucken. Kalinic, der bei Hajduk Split spielt, hat die Nachfolge von Eduardo als bester Stürmer in der kroatischen Liga angetreten, und Mandžukic ist ein so vielversprechendes Talent, dass Dinamo Zagreb €1,3Mio. für ihn gezahlt hat, um Eduardo im Sturm zu ersetzen.
Statistisch könnte man anführen, dass die Gruppenspiele bei großen Wettbewerben häufig durch Glücks- und Zufallstreffer entschieden werden und dass Eduardos Trefferquote in der Nationalmannschaft von 3,5 Toren in sechs Spielen (laut CPI-Statistik) darüber entscheiden könnte, ob Kroatien im Juni über die Gruppenphase hinaus kommt oder nicht.
Der Verlust des wichtigsten Torjägers so kurz vor einem wichtigen Wettbewerb ist wohl das schlimmste, was einem Nationaltrainer passieren kann. Doch Bilic weiß, dass seine Mannschaft imstande ist, Tore aus jeder Position zu erzielen – Mittelfeldspieler Darijo Srna, ein weiterer Spieler, der nach der „Disko-Affäre“ aus der Mannschaft flog, schoss bei der Qualifikation drei entscheidende Tore. Und bis zur EM er hat noch genug Zeit und Testspiele, um einen Plan B auszuarbeiten. Doch der Verlust von Eduardo ist trotzdem ein schrecklicher Schlag für eine Mannschaft, die als das Außenseiterteam galt, das die größten Chancen hatte, die Favoriten aufzumischen.
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