(openPR) "Eine muß es ja machen." Diesen Satz der jungen, idealistischen Verlegerin Daniela Seel haben sich die Initiatoren der Literaturnacht, Bettina Thierig und Reinhard Göber zu eigen gemacht. Gegen den im Kulturbereich zunehmenden Trend zu Profitmaximierung und Monokultur setzen sie erfolgreich Eigeninitiative und Risikobereitschaft. Die 3. Große Kiesau Literaturnacht hat vorgeführt, daß eine Mischung aus Kompetenz und Leidenschaft auch ohne ausreichende finanzielle Mittel ein hochklassiges Kultur-Ereignis hervorbringen kann.
Es ist kurz nach Sieben, die Große Kiesau hat sich mit Leben gefüllt. Das Licht von Fackeln und Musik von Brian Eno erzeugen eine stimmungsvolle Atmosphäre. Die Besucher müssen sich entscheiden, welche Vorführung sie erleben wollen, denn um Acht geht es in den zehn Privathäusern gleichzeitig los. Neben traditionellen Lesungen werden Theatermonologe, Musik und verschiedene Mischformen aus Lesung, Performance und Musik geboten.
Ich sehe "Maria Stuart in Münster", ein Theatermonolog vom Autor und Regisseur Reinhard Göber (ehemals Oberspielleiter des Lübecker Schauspiels). Das Privathaus Nr. 26 gehört Ulrike und Sven, sie haben das Haus erst kürzlich gekauft und stellen die 1. Etage zur Verfügung. Der Raum ist nicht möbliert, weiße Wände, das Stück spielt im Küchenbereich. Circa 25 Personen finden in dem recht kleinen Raum Platz. Das Stück beginnt mit einer Szene aus Schillers "Maria Stuart" recht klassisch. Irene Christ spielt eine Schauspielerin, die am Theater vorspricht und im Laufe des Abends vorführt, was eine Schauspielerin in den Zeiten der Globalisierung zu tun bereit ist, um am Theater engagiert zu werden. Diese Bereitschaft ist fast grenzenlos und so entwickelt sich der Monolog zu einem furiosen, virtuosen "Schauspiel-Tanz", der schließlich an Wahnsinn grenzt. Dabei überschreitet Irene Christ die Grenze zwischen ihrer Rolle und ihrer Person und die Grenze zwischen Bühne und Publikum. Dieser Theatermonolog ist so vielseitig, daß sie sehr viele Facetten ihres Talents zeigen kann. Ihre schauspielerischen Fähigkeiten, ihre überaus ansprechende grazile Erscheinung und das schöne Kostüm verbinden sich mit dem starken Text des Autors zu einem faszinierenden Gesamteindruck. Ich fühle mich plötzlich wie ein König, der mit seinem Hofstaat im Schloss zu Versailles in seinen Gemächern eine Privataufführung genießt: Natürlich mit dem besten Autor und der besten Schauspielerin des Königreiches. Grosser Applaus!
Ich habe zum Glück noch die Gelegenheit, eine kurze Weile den Chansons von Jana Nitsch zu lauschen. Sie spielt zusammen mit der Cellistin Maria Marr und erzählt, daß sie lange Zeit durch die Welt gebummelt ist und als Straßenmusikantin gelebt hat. Ihre Chansons und ihr Akkordeonspiel zeugen von diesem gelebtem Leben. Da ist nichts künstlich oder gewollt. Jana will einfach nur spielen. Der Raum mit seinen erhaltenen Wandmalereien in dem Haus 6 von Maria und Erik Marr verbinden sich stimmungsvoll mit dem musikalischen Vortrag. Wunderbar!
Zum Schluß erhasche ich noch einen minimalen Eindruck von der"performten" Lyrik von Bettina Thierig im Haus 1. Leider zu wenig, um davon zu berichten oder zu kommentieren. Wie ich sehe, ist Björn Engholm Gast des Hauses an diesem Abend. Aber allein das Haus 1 in dem Bettina Thierig und Reinhard Goeber leben ist schon Erlebnis. Die überall herumstehenden Skulpturen und die Bücherwände, die keine Dekoration sind, zeugen von dem hier lebenden und atmenden "Geist der Kultur".
Zum Glück war ich nicht allein unterwegs, um für "Unser Lübeck" über dieses grossartige Kultur-Ereignis zu berichten, denn das meiste habe ich ja versäumt. Mich begleitete ein Team von "LübeckArt.tv". Viele der besonderen Momente sind vom Kameramann eingefangen worden. Zudem führte die Moderatorin Jana Levine Interviews mit Daniela Seel, Bettina Thierig, Reinhard Göber und Jana Nitsch. Und das Beste ist, daß die Lübecker, die die 3. Große Kiesau Literaturnacht verpasst haben, am 6. März einen Bericht von "LübeckArt.tv" sehen und hören können:
LübeckArt.tv geht auf Sendung!
Am 6. März sendet LübeckArt.tv von 17:05 Uhr bis 18 Uhr auf UKW 98,8 mit einem Radiobericht und ab 17:30 auch im Internet mit einem Film-Bericht unter verschiedenen Adressen auf verschiedenen Portalen, die noch rechtzeitig bekannt gemacht werden. "Unser Lübeck" wird regelmäßig über das Programm berichten.
Fazit
Es war ein wunderschöner Abend in Lübeck! Lübecker Bürger haben es zum dritten Male möglich gemacht, daß Lübeck ohne Hilfe von Politik und Wirtschaft zum Schauplatz von erstrangiger Kultur wurde. "In einem Land, das bekannt dafür ist, daß die Nachbarn untereinander unentwegt gegeneinander prozessieren" (Zitat Irene Christ), ziehen die Bürger an einem Strang und schaffen einen fruchtbaren Boden auf dem Kultur wachsen und gedeihen kann. Einmalig, nicht nur für Lübeck, sonder über die Grenzen dieser Stadt hinaus! Darauf können die Lübecker stolz sein! Und noch schöner wäre es, wenn Politik und Wirtschaft dieses Bürgerengagement in Zukunft nicht alleine lassen, und ich meine finanziell alleine lassen und den einen oder anderen Weg finden, der Gemeinschaft in der Großen Kiesau zur Hilfe zueilen. Wie ich erfahren habe, wird jedes Jahr von den Initiatoren aufs neue entschieden, ob die Kraft und die Ressourcen für eine weitere Literaturnacht reichen. Dieses zarte Pflänzchen darf nicht weiter am seidenen Faden hängen...













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