(openPR) Interview mit Friedrich Wilhelm von Werneke, Literaturagentur von Werneke, Berlin
MS: Herr von Werneke, wieso gab es das nicht schon früher, dass sich Autoren durch Verkaufsprofis vertreten ließen?
von Werneke: Gute Frage! Eigentlich schwappt hier mit sehr viel Verspätung die Welle aus Amerika zu uns herüber. Bislang fand die Rechteverwertung immer hinter verschlossenen Türen statt, was natürlich besonders für neue Autoren schwierig war. Entweder nahm man sich zu solchen Verhandlungen einen teuren Anwalt mit oder ging blauäugig Verträge ein - und war ein halbes Jahr später entsetzt, warum der Erfolg des eigenen Buches für einen selbst nicht auch ein finanzieller Erfolg war.
MS: Sie führen Verhandlungen mit Verlagen über die Verwertung von Rechten, Sie verkaufen Manuskripte an Verlage - wie reagieren denn die Verlage auf Ihre Tätigkeit?
von Werneke: Nun, denen ist das natürlich nicht so fremd, die kennen das schon aus den internationalen Geschäften. In den USA kann man als Autor nicht einfach so an einen Verlag herantreten. Das, was wir und unsere Kollegen aus den anderen Agenturen heute leisten, ist eine Professionalisierung des Gewerbes - im Interesse von Autoren und Verlagen - wie man so schön sagt, eine klassiche WIN-WIN-Situation…
MS: …an der Sie aber auch verdienen!
von Werneke: Natürlich! Wir sind gut und verdienen dann auch entsprechend. Aber Sie finden ja auch kaum woanders entsprechend faire Abrechnungssysteme: Nur, wenn wir erfolgreich vermitteln, bekommen wir unseren Anteil. Das ist bei nationalen Kontrakten 14%, bei internationalen 19% vom Autorenhonorar. Für den Autor geht die Rechnung auch auf. Natürlich muß er etwas von seinem Kuchen abgeben, aber erst durch uns bekommt er ja auch einen Kuchen und durch geschickte Verhandlungen ist der auch größer, als dies der Verlag vielleicht zunächst zugestehen wollte…
Uns Sie müssen ja auch sehen: wir stecken eine Menge Arbeit in die Vermittlung. Wir pflegen Kontakte, wir reisen viel, beschäftigen Anwälte, die Verträge prüfen, schreiben Exposés, investieren eine Menge Zeit in die Autoren, die wir vertreten - all das kostet den Autor überhaupt nichts…
MS: Wir hoch sind denn die Chancen einer Vermittlung?
von Werneke: Na ja, das hängt natürlich davon ab… zunächst einmal müssen wir ja überzeugt sein, dass ein Manuskript das Potential hat, das heisst, der Autor muß erst einmal durch unseren "Filter". Die Qualität der Manuskripte ist sehr unterschiedlich und viele müssen wir ablehnen. Für die, die wir annehmen, legen wir uns dann aber auch ins Zeug, da darf man ruhig etwas erwarten. Im übrigen kümmern wir uns ja nicht nur um den einen großen Verlag in Deutschland - wir prüfen ja auch sehr genau, wie man die Nebenrechte geschickt vermarkten kann. Das kann manchmal ein noch interessanteres Geschäft werden, beispielsweise wenn man die Manuskripte an Verlage im Ausland verkauft oder wenn man sich vorstellen kann, dass das Manuskript auch als Hörbuch erscheinen könnte…
MS: Abschließend die Frage: Was kann ich als Autor machen, damit Sie mich vertreten?
von Werneke: Das ist ganz einfach - geben Sie mir Ihr Manuskript gleich mit! Im Ernst: es ist viel einfacher, als man denkt, bei uns brauchen Autoren keine expliziten Exposés schreiben oder den Text speziell formatieren. Das Schreiben eines Exposé ist nämlich schon wieder eine Kunst für sich - und wird von uns dann später ohnehin selbst gemacht, wenn wir bei den Verlagen mit dem Buch vorstellig werden. Nein, Autoren, können uns ihr Manuskript einfach per Mail schicken, das kostet nichts und ist schnell - und wir schauen es uns dann an. Wir haben einen unbändigen Hunger auf neue Manuskripte…
MS: Vielen Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Markus Siepenbrock








