(openPR) „Gewöhnliche Dinge ungewöhnlich gut machen“ – das war die Lebensphilosophie von Henry John Heinz. Mit Meerrettich nach Mutters Rezept legte er vor über 150 Jahren den Grundstein zu einer der größten Lebensmitteldynastien der USA: der H.J. Heinz Company.
Es war nicht der eingelegte Meerrettich, der den Kultstatus der Firma Heinz begründete. Im Jahr 1876 entstand, inspiriert durch die asiatische Fischsauce "Ketsiap", "Heinz Ketchup". Die Sauce aus frischen Tomaten und Gewürzen ist seit über 130 Jahren aus den Haushalten rund um den Globus nicht mehr wegzudenken. Anlässe, Ketchup zu benutzen, gibt es viele und ebenso viele Variationen.
Die Erfolgsgeschichte beginnt um 1850 in Anna Heinz Gemüsegarten. Anna Margaretha Heinz, geborene Schmidt, gehört zu der ersten Einwandererwelle aus Deutschland. Als 21-jährige verlässt sie 1843 den Bauernhof ihrer Eltern im hessischen Kruspis und schifft sich in die USA ein. Dort begegnet sie in Birmingham dem elf Jahre älteren Winzersohn John Henry Heinz, der drei Jahre zuvor aus Kallstadt in die USA gekommen ist. Beide heiraten noch im selben Jahr. Im Oktober darauf wird Henry (Harry) John Heinz in Pittsburgh als ältestes von neun Kindern geboren.
Von beiden Eltern hat Harry die Liebe zum Ackerboden geerbt. Bereits als kleiner Junge hilft er seiner Mutter im Gemüsegarten und beweist Geschäftssinn. Überschüssiges Gemüse verkauft er an Nachbarn und Händler in der Umgebung. Mit zwölf Jahren hat Henry John seinen eigenen Garten, einen Pferdewagen und eine große Kundenkartei. Er verkauft nicht nur selbst gezogenes Gemüse, sondern auch die Spezialität seiner Mutter: „Qualitäts-Meerrettich von Heinz“, fertig gewürzt und in Gläsern eingemacht. Diese Gläser waren nicht, wie damals üblich, dunkelgrün oder braun, sondern glasklar und gaben den Blick frei auf das Qualitätsprodukt.
1869 gründet Harry mit seinem Freund Clarence Noble die Firma Heinz & Noble Company. 1875 geht das Unternehmen während einer Wirtschaftskrise bankrott. Henry John startet noch einmal mit geliehenem Geld: 1876 gründet er mit seinem Bruder und seinem Cousin die F. & J. Heinz Company. Im gleichen Jahr noch präsentiert er das neu entwickelte Tomaten Ketchup, gegen Ende des Jahrhunderts eines von 60 Heinz-Produkten. Henry John sammelt die Rezepte in Notizbüchern. Es ging ihm hierbei nicht nur um das Einkochen von Gemüse und Früchten,also um die Konservierung, sondern bereits um das Anbieten von Fertigprodukten. Damit war er seiner Zeit weit voraus.
Immer wieder zieht es H. J. Heinz nach Europa, sowohl aus privaten als auch aus beruflichen Gründen. Am 25. Mai 1886 besteigen Henry John, seine Frau Sally und die vier Kinder zum ersten Mal ein Schiff, das sie in die Heimat der Großeltern bringen soll. Während die beiden älteren Söhne eine Privatschule in Heidelberg besuchen, reist Henry aufmerksam durch Deutschland.
Er macht sich Notizen zu den verschiedensten Fragen: Wie werden Bauernhöfe geführt? Wie baut man Straßen, welche Löhne werden gezahlt, wie funktioniert das Schulsystem?
In Köln beeindruckt ihn die Stollwerck Fabrik, die damals den Vertrieb seiner Produkte in Deutschland übernimmt. Viele seiner Erkenntnisse setzte er in den USA um. Bis zu seinem Tod 1919 folgen weitere Reisen nach Deutschland.
Heute hat die H. J. Heinz Company weltweit über 150 Niederlassungen mit über 40.000 Mitarbeitern. Geführt wird das Unternehmen von Nicht-Familienmitgliedern, die Familie selbst engagiert sich vornehmlich in milliardenschweren Stiftungen.
Text: Corinna Meiß
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