(openPR) Österreichs Nationaltrainer Josef Hickersberger weiß, dass die EM 2008 für seine Mannschaft der härteste Test sein wird, sich seine Jungs zum letzten Mal bei der WM 1998 für eine wichtige Wettbewerbsendrunde qualifiziert haben. Doch die jüngsten Freundschaftsspiele lassen erahnen, dass seine Mannschaft um einiges besser ist, als so manche denken.
Man muss nicht lange forschen, um zu erkennen, wieso manche Lager so niedrige Erwartungen in den EM-Gastgeber setzen. Österreich hat es noch nie über Qualifikationsspiele in die Endrunde einer Europameisterschaft geschafft und selbst Andreas Herzog, Rekordnationalspieler des Landes und Assistent von Hickersberger, meint, die jungen österreichischen Spieler wären wohl besser beraten, erst mal im Ausland ihr Handwerk zu lernen. Die Nationalmannschaft des Landes befindet sich noch in der Entwicklungsphase und versucht immer noch krampfhaft einen Ersatz für Rekordtorjäger Toni Polster (44 Tore in 95 Spielen) und den unermüdlichen Mittelfeldmann Herzog (26 Tore in 103 Spielen) zu finden.
Kultheld
Wie bei allen Mannschaften in der Übergangsphase neigen die Berufs-Jeremias leicht dazu, die neuen aufstrebenden Stars unvorteilhaft mit den großen Spielern der Vergangenheit zu vergleichen. Hickersberger aber glaubt, dass sich seine Mannschaft stabilisiert hat. 2007 verlor Österreich durch jeweils nur einen einzigen Gegentreffer gegen England, Frankreich und Schottland, spielte unentschieden gegen die Tschechische Republik, Japan und Paraguay und besiegte die Elfenbeinküste mit 3:2. In den beiden Freundschaftsspielen gegen die Mitgastgeber aus der Schweiz hat Österreich je ein Spiel gewonnen und eines verloren. Ein Team am Rande der Verzweiflung sieht anders aus.
Hickersberger sagt, er wolle eine „junge, kämpferische Mannschaft“ wie Jürgen Klinsmanns deutsches Nationalteam bei der WM 2006 aufbauen. Die vielversprechendsten jungen Talente in seinem Kader sind wahrscheinlich Mittelfeldspieler Veli Kavlak und Verteidiger Sebastian Prödl, beides österreichische Stars, die mit der U-20 das Halbfinale der WM 2007 erreichten. Die Gazzetta dello Sport stellte Prödl in ihrer Top-Mannschaft des Turniers auf.
Dem Trainer stehen mit Jürgen Macho und Alex Manninger außerdem zwei beachtliche Torhüter zur Verfügung und in der Defensive kann er auf den eleganten Martin Stranzl und den stets 100% gebenden Emanuel Pogatetz zurückgreifen. Pogatetz, Kultheld des FC Middlesbrough, ist nach seinem Ausschluss, als er dem Trainer in der Presse „taktische Inkompetenz“ vorgeworfen hatte, wieder zurück im Team.
Zur soliden österreichischen Hintermannschaft kommt noch Joachim Standfest, höchstplatzierter Spieler der Österreicher im CPI und derzeit auf Platz 8 der besten Verteidiger der qualifizierten EM-Mannschaften. Der 27-jährige Abwehrspieler des FK Austria Wien fühlt sich im Mittelfeld genauso wohl wie rechts außen und steht im CPI weit über unbezwingbaren Defensivbollwerken wie Lilian Thuram, Christian Chivu und Sergio Ramos.
Andreas Ivanschitz, der 24-jährige Mannschaftskapitän der Nationalelf, ist seinem Ruf als der „Beckham Österreichs“ zwar noch nicht gerecht geworden, wurde allerdings unter die besten Mittelfeldspieler der griechischen Liga gewählt, kann den Ball an seinen Gegenspielern vorbeidribbeln und hat einen starken linken Fuß. René Aufhauser, der sich vom Kämpfer im defensiven Mittelfeld zu einem hervorragenden Spielmacher gewandelt hat, hat nun, mit 31 Jahren, endlich seinen Platz gefunden und ist der höchstplatzierte Österreicher in der CPI-Rangliste der besten Mittelfeldspieler – nach ihm der zweitbeste österreichische Mittelfeldmann ist Ivanschitz.
Die größte Herausforderung
Die größte Herausforderung für die Österreicher ist das Toreschießen. Aufhauser und Ivanschitz können den Ball zwar versenken, doch Stammstürmer Roland Linz konnte bisher in 26 Länderspielern nur fünf Tore verzeichnen, war allerdings in der portugiesischen Liga für Boavista und seinen derzeitigen Klub SC Braga wesentlich erfolgreicher.
Mario Haas, der 33-Jährige, der sich in einem 4-4-2-System zu Linz in den Sturm gesellen könnte, ist nach einem kurzen Gastspiel in der japanischen J-League zum SK Sturm Graz zurückgekehrt, während Sanel Kuljic, ebenfalls in seinen 30ern, bewiesen hat, dass er sich als einzige Sturmspitze in einer 4-5-1-Aufstellung behaupten kann. Und wenn alle Stricke reißen, wäre es keine Überraschung, wenn der vielseitige Yüksel Sariyar nach vorne in den Sturm rückt. Sariyar, ebenfalls bei Austria Wien, steht im CPI-Ranking auf Platz 14 der besten Torjäger.
Als große Hoffnung gilt bei vielen Martin Harnik, der 20-Jährige, der sich bei Werder Bremen in die Stammaufstellung gekämpft hat. Manche Stars kündigen gleich zu Beginn ihre spätere Größe und Genialität durch Tore in ihren Debüts an: Harnik hat dies sowohl bei seinem Einstand für Werder (in der Bundesliga) als auch bei seinem ersten Nationalspiel für Österreich (gegen die Tschechische Republik) getan.
Brauchbare Methoden
Um in die Runde der letzten Acht einzuziehen, brauchen die EM-Mitgastgeber auf jeden Fall mindestens einen Punkt im ersten Spiel der Gruppe B gegen Kroatien. Hickersberger wird wohl eher nicht versuchen, Klinsmanns Offensivfußball nachzuahmen. Schon eher könnte er vorhaben, in den Spielen gegen Kroatien und Deutschland den Spielfluss der Gegner zu bremsen und auf Konter zu lauern und gegen Polen das Spiel zu öffnen. Ein Überraschungserfolg gegen Kroatien könnte seine Mannschaft beflügeln und dafür sorgen, dass die Österreicher gegen Deutschland befreit aufspielen.
Deutschland und Kroatien mögen zwar die Favoriten der Gruppe B sein, doch die Wahrscheinlichkeit, dass Österreich mit null Punkten das Schlusslicht der Gruppe bilden wirde, ist bei weitem nicht mehr so hoch wie noch vor einem Jahr.
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