(openPR) Zwei junge Deutsche werden im kolumbianischen Dschungel als Geiseln verschleppt. Nach Monaten setzt man sie frei. Der Weg zur nächsten Siedlung wird ihnen beschrieben, aber sie finden ihn nicht. Die Entscheidung fällt schwer, zumal sie sich in der Beurteilung ihrer Situation nicht einig sind. Um sein Leben nicht zu riskieren, entschließt sich einer der Beiden für die Rückkehr zu den Entführern.
UMKEHR, Roman von Angela Bauer
BoD, 2006, 248 S., Pb, € 14,90
ISBN: 978-3-8334-6541-3
Rhein-Main-Presse, Wormser Kultur, 5. Mai 2007: "... In "Umkehr" geht es, wie der Titel schon nahe legt, um die gedankliche Umkehr, um das Innehalten, die Reflexion und letztlich die Neudefinition der eigenen Persönlichkeit. Selbstfindungsprozesse in Reinform also ... Was als Abenteuerroman beginnt, entwickelt sich also langsam zu einem Psychdrama. Virtuos beschreibt Bauer die Konflikte, die sich in Thaddes Persönlichkeit abspielen. Ebenso gelungen ... sind ihre Darstellungen der tropischen Natur. "Umkehr" ist jedoch auch ein politisches Buch. In erschreckend beklemmenden Schilderungen erfährt der Leser, unter welch grausamen Bedingungen die entrechteten Campesinos leben und mit welchen Mitteln die USA in Kolumbien interveniert."
Textstellen aus dem Roman UMKEHR von Angela Bauer:
- "Es gibt zu Viele", sagte Barth, "die sich Freund eines Landes nennen, aber die Augen verschließen vor seinem Volk"...
- Wie oft hatte er mit ihnen gelacht, überlegte Thadde. Ihr Glück aber, hatte ihn das interessiert?...
- Wann hatte das alles begonnen? Wann hatte er sich so aus dem Leben genommen? Mit dem Examen? Jedenfalls hatte er sich irgendwann nicht mehr so sehr um Menschen bemüht ...
- Hatte er sich in die Rolle des Forschers verkrochen, damit er als Mensch nicht mehr in Frage kam?...
- "Ich habe einmal einen süßen Jungen geboren", ihr [Mutters] Blick ließ ihn schauern, "jetzt, müsst ihr wissen, ist er ein Fachidiot"...
- "Die Meisten, denke ich, hakten den Krieg einfach als eine Tragödie ab", sagte Jakob. "Enttäuschung, Thadde, die nichts versteht. Stunden, Tage, ja wochenlang haben sie sich gequält. - Wer seine Niederlage nicht eingesteht, hat am Ende nicht nur den Krieg verloren, sondern die Orientierung für jeden weiteren Schritt"...
- Wie oft war er zu Boden gesunken? Er hatte keine Erinnerung mehr. Sie hetzten ihn vor sich her. War er nicht schnell genug, trieben sie ihn mit den Gewehrkolben an. Sein Bart wuchs, und er stank, und die Kleidung verkam. Noch trug er den toten Affen. Tief schnürten ihm die Fasern seine Finger ein. Und den Rucksack, den hatte er auch. Nichts hatten sie ihm genommen bis auf die Uhr. Schweissnass war er und nun für Millionen Insekten ein Fraß. Er sah nichts mehr. Kein Gedanke war mehr in seinem Gehirn. Nur Schreck, Lähmung und Angst - und Durst, dieser wahnsinnige Durst! Kraftlos, sinnlos würde er hier verenden. Er fühlte sein Sterben und hatte keine Träne dafür ...
- Sie standen und schauten, wie das Flugzeug in sauberen Bahnen die Felder benetzte, ihre Ernte verätzte. Sie sahen 's mit an: machtlos, sprachlos und starr ...
- "Jeder will blühen", sagte Barth, "aber nur Wenige kennen das Ziel: Frucht tragen ... Ja, die Frucht ist das Ziel. Das, was du hinterlässt, wenn du gehst. Etwas, das nur du machen konntest. Ach, was ich rede ... Nicht Etwas; dein Bestes! Dein Bestes muss dein Wichtigstes sein ... Das Beste, das werden konnte in deiner Zeit, das in dir blühte, wenn dich nur Einer gefördert hat, das jedes Hindernis nutzte, das jeden Totschlag noch überstand und sich aus der Zerstörung - erhob. Ja. - Es stirbt sich nicht leicht, wenn man nichts hinterlassen kann ... Wir wollen nicht sterben? Unsinn. Wir können nicht sterben, bevor nicht das Beste in uns entstand, damit es in anderen - lebt."









