(openPR) Die Energieerzeugung aus Biomasse ist ein wichtiger Baustein für den Klimaschutz. Allerdings konkurrieren Biogas & Co. mit der Nahrungsmittelproduktion um die landwirtschaftlichen Flächen. Bei einem weiteren Ausbau müssen die Förderinstrumente, die Anbaumethoden, die Umwandlungstechnologien und die internationale Effekte genau bewertet und gesteuert werden, damit diese Form der grünen Energie auch wirklich nachhaltig ist.
In der Klimadebatte wird die Nutzung von Biomasse, speziell zur Erzeugung von Biogas, als Hoffnungsträger gehandelt, hat sie doch im Vergleich zu anderen erneuerbaren Energien einige Vorteile auf ihrer Seite. So können aus Biomasse alle Energieformen gewonnen werden: Wärme, Strom und Kraftstoffe. Außerdem ist sie gut speicherbar und erlaubt damit eine zeitlich und räumlich flexible Bereitstellung der Energie. Besonders Biogas kann hier punkten: Es kann zum einen zur Wärme- und Stromerzeugung vor Ort sowie durch Einspeisung in das Erdgasnetz auch andernorts zu einem beliebigen Zeitpunkt zur Strom- und Wärmeproduktion sowie als Kraftstoff zur Verfügung gestellt werden.
In ihrer Begeisterung haben die Befürworter dieser eleganten Technologie die Energiequelle Biomasse in der Vergangenheit gerne als „unerschöpflich“ charakterisiert und als hervorragende Möglichkeit eingestuft, den Treibhauseffekt nachhaltig einzudämmen. In den vergangenen Monaten haben sich allerdings sich auch kritische Stimmen gegen einen massiven, von der Förderpolitik gestützten Ausbau der energetischen Biomassenutzung erhoben.
Zu den Hauptkritikpunkten zählen die verstärkte Flächennutzungskonkurrenz und ihre Folgen. Die gesamte Ackerfläche Deutschlands beträgt derzeit etwa zwölf Millionen Hektar. Etwa zwei Millionen Hektar davon werden nach Schätzungen der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe, Gülzow, für nachwachsende Rohstoffe genutzt – fünf mal so viel wie vor zehn Jahren. Von diesen zwei Millionen Hektar entfallen etwa 400.000 Hektar auf die Pflanzenproduktion für die Biogaserzeugung, hauptsächlich auf den Anbau von Mais.
„Für Veredlungsbetriebe, die Fleisch, Milch oder Eier produzieren, führt die Flächenausdehnung bei Energiepflanzen zu einer Verknappung der für sie verfügbaren Flächen“, sagt Dr. Hans-Heinrich Kowalewsky von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Das hat höhere Pacht- und Futterpreise zur Folge. Kowalewsky: „Da es sich hierbei um einen weltweit zu beobachtende Entwicklung handelt, ist davon auszugehen, dass auch die Preise für die Veredelungsprodukte ansteigen.“
Um die zur Verfügung stehenden landwirtschaftlichen Flächen und ihre Erzeugnisse konkurriert die Bioenergie-Lobby nicht nur mit der Nahrungsmittelsproduktion, auch andere Branchen melden Ansprüche an, zum Beispiel die Papierherstellung, die Chemische Industrie oder die Textil- und Möbelfertigung.
Bis zum Jahr 2030 ist laut einer aktuellen Studie des Sachverständigenrats für Umweltfragen (SRU, Berlin) eine „konfliktfreie Ausweitung“ der landwirtschaftlichen Flächen zum Anbau von nachwachsenden Rohstoffen auf drei bis vier Millionen Hektar möglich. Die anspruchsvollen Energie- und Klimaschutzziele der Bundesregierung sind laut Sachverständigenrat mit der auf dieser Fläche erzeugten Biomasse allerdings nicht zu erreichen: Allein die Erzeugung der im Bundes-Immissionsschutzgesetz für das Jahr 2010 geforderten Beimischung von 6,75 % Biokraftstoff in Otto- und Dieselkraftstoffen würde das gesamte verfügbare Flächenpotenzial beanspruchen.
Die ambitionierten politischen Vorgaben forcieren demnach den Import von Biomasse und biogenen Energieträgern. Hier besteht die Gefahr, dass es, gerade bei einer Produktion in Südamerika, Afrika und Südostasien, zu einer dortigen Verknappung von Nahrungsmitteln, zu Umweltbelastungen und zur Vernichtung von schützenswerten Tropenwäldern kommen kann. Beim Biogassektor ist zudem aufgrund der geringen Energiedichte vieler Biogassubstrate ein Transport über größere Strecken weder ökologisch noch ökonomisch sinnvoll.
Ein Lösungsansatz für die Flächennutzungskonkurrenz ist die Steigerung der Flächenerträge sowohl für die Nahrungs- und Futtermittelproduktion als auch bei den Energiepflanzen. „Die Identifizierung und Züchtung alternativer Pflanzenarten und -sorten, wie zum Beispiel Sudangras und Zuckerhirse sowie die Entwicklung standortangepasster Fruchtfolgen und Anbausysteme werden von elementarer Bedeutung für die weitere Entwicklung des Biomasseanbaus sein“, ist sich Dr. Petra Schüsseler von der Fachagentur nachwachsende Rohstoffe sicher.
Der SRU verweist darauf, dass in Deutschland durch den Ausbau der nachwachsenden Rohstoffe mit einem vermehrten Düngemittel- und Pestizideinsatz vor allem in den großflächigen Raps- und Maisanbaumonokulturen zu rechnen ist. Um Umweltschäden zu vermeiden, müssten die bestehenden Umweltauflagen für die Landwirtschaft konsequent umgesetzt und in Einzelpunkten weiterentwickelt werden, so der Sachverständigenrat.
Um zu verhindern, dass der Biomasseanbau in anderen Ländern zu ökologischen Schäden und sozialen Problemen führt, schlagen die SRU-Experten eine Beseitigung der Importschranken für diejenigen Länder vor, die sich zu effektiven ökologischen Sicherungen verpflichten. Eine schwierige Aufgabe für die Zukunft wird hier der Aufbau eines entsprechenden, internationalen Zertifizierungssystems sein.
Für den Klimaschutz von zentraler Bedeutung ist, in welche Energieform das erzeugte organische Material umgewandelt wird. Ein Vergleichsmaßstab hierfür ist der Energieertrag je Flächeneinheit. Hier schneidet laut SRU-Studie Biogas in stationären und mobilen Anwendungen wesentlich besser ab als Bioethanol und Biodiesel. Gleiches gilt für das Klimaschutzpotenzial dieser Energieträger. „Die derzeitigen Förderinstrumente berücksichtigen zu wenig die unterschiedlichen Effizienzgrade und Beiträge zum Klimaschutz, so dass insgesamt kein optimale Nutzung der Biomasse erfolgt“, kritisiert Prof. Martin Faulstich vom Lehrstuhl für Rohstoff- und Energietechnologie der TU München. Als Mitglied des Sachverständigenrates empfiehlt er mittelfristig, durchaus möglichst viele Erfolg versprechende Umwandlungstechnologien in Entwicklung und Markteinführung zu fördern. Langfristig sei jedoch der Emissionshandel das geeignete Steuerungsinstrument, um zu gewährleisten, dass die Technologien bevorzugt gefördert werden, die ökonomisch und ökologisch den größten Nutzen versprechen.
Technik und Dienstleistungen rund um das Thema Biogas bilden einen neuen Schwerpunkt der IFAT 2008. Die traditionsreiche Münchner Umweltmesse wird an fünf Messetagen einen Querschnitt aus Anlagenbauern, Komplettanbietern, Herstellern und Händlern von Einzelkomponenten sowie Service-Spezialisten an einem Ort versammeln.
Über die IFAT
Die IFAT ist die wichtigste Messeveranstaltung der Welt für Umwelt und Entsorgung: Wasser, Abwasser, Abfall und Recycling. Mit 2.223 Ausstellern aus 36 Ländern sowie 109.000 Fachbesuchern aus 166 Ländern präsentierte sich die Veranstaltung im Jahr 2005 mit neuen Rekordzahlen. Die IFAT 2008, die vom 5. bis 9. Mai 2008 in München stattfindet, bietet ein attraktives Ausstellungsprogramm: Innovative Branchenlösungen und den neuesten Stand der Technik zur Umsetzung praxisorientierter, wirtschaftlicher Lösungen sowie ein breites Angebot an qualifizierten Dienstleistungen im Bereich der Wasser-, Abwasser- und Abfallwirtschaft mit zahlreichen attraktiven Informationsveranstaltungen.
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