(openPR) Bei Arbeitsplatz-Angst bitten PatientInnen häufig um "Krankschreibung". Für den Arzt ist der "gelbe Schein" oft die einfachste Reaktion. Spontan sinken die Angstgefühle, doch langfristig steigen sie meist wieder an. Daher ist die "Krankschreibung" in derartigen Fällen oft ein ärztlicher Kunstfehler, testiert Professor Dr. Michael Linden (Charite Berlin).
"Kommt es gar zu längerfristiger Krankschreibung, wird es für den Patienten zunehmend schwieriger, sich wieder an den Arbeitsplatz zurück zu trauen. Die subjektiven Phantasien über Belastungen und Bedrohungen am Arbeitsplatz nehmen mit zunehmendem Abstand eher zu, und die Angst bei dem Gedanken an die Wiederaufnahme der Arbeit wird immer größer", diagnostiziert der Psychiater.
Er erwartet vom Arzt, die zugrundeliegenden medizinischen Ursachen abzuklären. Denkbar sind z.B. Posttraumatische Stresserkrankung, Posttraumatische Verbitterungsstörung, Soziale Phobie, Persönlichkeitsstörung, Depression, Schizophrenie u.a. Die jeweils individuelle Behandlung der Grundstörungen sollte im Vordergrund stehen.
Selbst wenn eine unerträgliche Belastungssituation am Arbeitsplatz evident ist, "darf eine Krankschreibung solange nicht als therapeutische Lösung angeboten werden, bis sichergestellt ist, dass dadurch keine negative Entwicklung angestoßen wird. Stattdessen ist der Patient zunächst in jedem Fall darin zu unterstützen, wie er die aktuelle Belastungs-, Konflikt- und Problemsituation am Arbeitsplatz ohne Vermeidung bestehen kann. Hierzu dient eine genaue Schilderung der am heutigen Tag oder in den nächsten Tagen anstehenden Aufgaben und Erwartungen. Die Erfahrung ist, dass sich bei genauerem Hinsehen stets Optionen finden lassen, um eine akute Entlastung zu erreichen."
M. Linden: Arbeitsplatzängste und -phobien
in: W. Müller-Fahrnow, T. Hansmeier, M. Karoff (Hrsg.): Wissenschaftliche Grundlagen der medizinisch-beruflich orientierten Rehabilitation
Pabst, 620 Seiten, ISBN 3-89967-265-8











