(openPR) Die Umsatzsteigerung im Möbelmarkt in 2006 brachte für 2007 eine erhebliche Hypothek mit sich. Nicht nur die Mehrwertsteuererhöhung Anfang des Jahres bedeutete einen erneuten Rückschlag, sondern auch die wirtschaftliche Situation der Hersteller konnte sich kaum verbessern lassen. Eine Bewertung der weiteren Effekte für den Inlandsmarkt bedarf einer differenzierten Betrachtung. Positiv ist sicher der Aufschwung am Arbeitsmarkt. Negativ sind dagegen die deutlichen Rückgänge im privaten Wohnungsbau zu sehen. Und wie sich die Einzelhandels-Konjunktur weiterhin entwickeln wird, ist nach den Preiserhöhungen der letzten Wochen wieder mit einem Fragezeichen zu versehen.
Diese Aussagen gelten auch für den Polstermöbel-Markt, dem zweitgrößten Marktsegment hinter Küchen. Auch beim Verkauf von Polstermöbeln ist der Markt in Bewegung geraten. Nicht nur dass der Durchschnittspreis für Polstermöbel dramatisch sinkt, immer weniger Polstermöbel werden in Deutschland gefertigt. Allerdings hat sich dieser Prozess seit 2005 deutlich verlangsamt.
Wurden noch im Jahre 2000 Polstermöbel mit einem Umsatz in Höhe von 2.964 Mio. € gefertigt, so lag dieser Wert 2006 nur noch bei 2.087 Mio. €. Parallel dazu sank die Inlandsmarktversorgung zu Herstellerabgabepreisen im gleichen Zeitraum von 3.446 Mio. € auf 2.607 Mio. €. Nach den vorläufigen Hochrechnungen hat sich das Volumen in 2007 gegenüber dem Vorjahr um 7% verringert.
Für die deutsche Herstellung kam erschwerend hinzu, dass inzwischen immer mehr Polstermöbel importiert werden, und dies zu äußerst günstigen Preisen. Als Lieferländer haben sich zuletzt Polen und neuerdings auch China besonders hervorgetan. Aber nicht nur die Importe von Polstermöbeln, sondern auch die Exporte sind nach 2001 bis 2006 stetig gestiegen. Besonders beliebt sind die deutschen Möbel und Polstermöbel in den Niederlanden, der Schweiz, in Österreich und in Frankreich.
Insgesamt gesehen war der Markt für Polstermöbel auch aus der Sicht des Einzelhandels seit 2000 stets rückläufig. So sank das Marktvolumen für Polstermöbel zu Endverbraucherpreisen von 5,1 Mrd. € in 2000 bis auf 3,8 Mrd. € in 2006 ab. Im Vergleich zu anderen Staaten Europas haben wir in Deutschland jedoch immer noch den höchsten Pro-Kopf-Verbrauch von Möbeln. Einzige Ausnahme ist Österreich, wo der Pro-Kopf-Verbrauch von Möbeln den deutschen Wert inzwischen übersteigt.
Die Polstermöbel werden ihre Stellung zukünftig im Gesamtmarkt zumindest halten. Dafür werden schon die aktuellen Verbrauchertrends sorgen. Hinzu kommt der im Vergleich zu anderen Wohnraummöbeln deutlich kürzere Wiederbeschaffungszyklus. So werden die neuen „alten“ Werte von der Möbelbranche schon als „Heilsbringer“ gepriesen. Die Botschaft lautet: Mehr Qualität, mehr Natürlichkeit, mehr Luxus, mehr Individualität.
Qualität gepaart mit Individualität ist ein Thema, das die Branche noch länger beschäftigen wird. Die so genannte „Next Generation“ beginnt sich bei Polstermöbeln bereits durchzusetzen. Verschiebbare Rückenlehnen sind ebenso gefragt wie Polstersitze, die sich von oben nach unten und umgekehrt bewegen lassen. Der Möbelkonsument der Zukunft setzt auf Lösungen, die seine Lebensqualität erhöhen können. Der moderne Mensch möchte eben nicht nur Möbel, sondern Polstermöbel mit Funktionen für seine spezifischen Bedürfnisse.
„Not macht bekanntlich erfinderisch“ und somit hat sich das Handelsrad im Möbelhandel mit einer extremen Betriebsformendynamik besonders schnell gedreht. Seit den 90er Jahren ist eine Tendenz hin zu eigenständigen Vertriebswegen zu konstatieren. Die Palette reicht von Märkten für das „Junge Wohnen“, über Mitnahmemöbelmärkte, besonderen Themenfachmärkten (Küche, Polster, Schlafen) bis hin zu Kooperationen verschiedener Spezialsortimenter. Als weitere Vertriebsformen kommen die multmedialen Formen Internet und TV-Shopping hinzu, wenn auch das Internet beim Möbelkauf hauptsächlich als Informationsplattform genutzt wird.
Vor dem Eindruck der jüngsten Umsatzzahlen prognostizieren die Handelsexperten dem Fachhandel im Vergleich zum Vorjahr schwächere Umsätze, was allerdings weniger für den erfolgreichen Polsterfachhandel gilt. Waren in der Vergangenheit vor allem die großen Einrichtungshäuser mit Verkaufsflächen über 20.000 qm erfolgreich, so haben inzwischen einige der „kleineren“ Fachgeschäfte des Möbelhandels eine Renaissance erfahren, was auch mit dem gestiegenen Bedürfnis der Konsumenten nach Beratung und Service einhergeht. Auch hinsichtlich der weiteren Entwicklung sehen die Handelsexperten im Herbst 2007 durchaus positive Zeichen.
Innerhalb des Polsterfachhandels gibt es durchaus größere Unternehmen, die mit zahlreichen Filialen überregional tätig sind. Dennoch sind auch die größten Polstermöbelfachhändler flächenmäßig nicht so groß, dass sie die heute so beliebten „Wohnwelten“ komplett darstellen können. Dies bleibt weitgehend dem Möbelfacheinzelhandel vorbehalten, so dass sich die Attraktivität der Polsterspezialisten auch über den Preis definieren muss.
Traditionell werden Polstermöbel gerne auch per Katalog bestellt. Im Produktkatalog der Versandhandelsunternehmen nehmen die Polstermöbel seit eh und je einen breiteren Raum ein. Insbesondere in den ländlichen Regionen ist die Zahl der Käufer, die bequem per Katalog bestellen, sehr hoch. In den letzten Jahren ist dem Versandhandel mit dem Internet jedoch eine große Konkurrenz erwachsen. Erstmals überstiegen laut GFK-Universalpanel im 1. Halbjahr 2007 im Non-Food-Bereich die Umsätze, die online direkt von den Endverbrauchern getätigt wurden das Umsatzvolumen der anderen Bestellwege im Distanzhandel.








