(openPR) In lockerer Folge stellen wir deutsche Fußballer, die in europäischen Topligen aktiv sind, vor. Den Anfang macht Moritz Volz vom FC Fulham. Seit mittlerweile acht Jahren kickt er in der Premier League und stellte vor einem Jahr einen besonderen Rekord auf. sportal.de sprach mit ihm über Komik, Kuchen, Klappräder und Karriereplanung.
sportal.de: Herr Volz, in den letzten Wochen hatten Sie mit Schulter und Leistenproblemen zu kämpfen, fielen lange aus und mussten sich in Deutschland behandeln lassen. Jetzt gaben Sie ihr Comeback in der Reserve des FC Fulham. Wie lief Ihr erstes Spiel?
Moritz Volz: Ich habe diese Woche mein Comeback gefeiert in der Reservemannschaft, sechzig Minuten gespielt und bin besser als erwartet durchgekommen. Ich bin sehr zufrieden mit dem Verlauf der letzten anderthalb bis zwei Wochen. Trotzdem muss ich noch weiter vorsichtig sein, da gerade das Leistenproblem und die Schambeinentzündung durchaus zurück kommen können. Da werde ich auch weiter Rehaübungen machen. Unsere Physiotherapeuten und Fitnesstrainer sprechen sich ab und dosieren die Belastung. Ich hoffe, in der nächsten Woche wieder in der Reserve zu spielen, dann hoffentlich über eine längere Zeit, vielleicht diesmal 75 Minuten, und mich dann auch wieder für den Profikader zu empfehlen.
sportal.de: Mit 16 sind Sie in die Premier League zu Arsenal gewechselt. Wie wurden Sie entdeckt?
Volz: Wir hatten mit der Jugendnationalmannschaft zu Beginn der Saison zwei Länderspiele in Frankreich gehabt. Dort waren internationale Scouts dabei und auch einer von Arsenal. Der Club hat dann um die Winterzeit angefragt, ob ich mir vorstellen könnte, nach England zu wechseln. Nachdem ich mir dann den Club angeschaut hatte, erbat ich mir Bedenkzeit und habe letzten Endes die Entscheidung getroffen, nach England zu wechseln.
sportal.de: Es muss für einen jungen Spieler eine tolle Erfahrung gewesen sein, bei einem Topclub wie Arsenal mit absoluten Weltstars wie Henry zusammen spielen zu dürfen. Wie beurteilen Sie rückwirkend ihre Zeit bei den Gunners?
Volz: Ich habe diese Zeit sehr genossen und auch sehr davon profitiert. Ich bin etwas wehmütig, dass ich nicht mehr gespielt habe und meine Erfahrung vor allem aus dem Training gezogen habe, und dass ich eigentlich nie für diesen Verein spielen durfte. Da ist schon ein bisschen Wehmut, aber ich habe die vier Jahre durchweg in positiver Erinnerung und empfinde immer noch sehr viel für den Verein.
sportal.de: In so jungen Jahren in ein neues Land zu ziehen, bringt sicherlich einige Schwierigkeiten mit sich. Wo lagen bei Ihnen die größten Probleme zu Beginn?
Volz: Es gab in der Anfangsphase natürlich Sprachprobleme. Die ersten fünf, sechs Monate hatte ich mit der Verständigung Probleme. Ich habe sonst eigentlich schnell Anbindung gefunden. Gerade nach dem ersten halben Jahr lief es dann durchweg positiv. Nebenbei habe ich dann auch noch die Schule gemacht, allerdings nur anderthalb Tage die Woche. In England ist in solchen Fällen so üblich. Da wird mehr Wert auf das Fußballspielen gelegt, die Schule gerät da etwas in den Hintergrund.
sportal.de: An einer Privatschule büffeln Sie seitdem für das englische Abitur. Lässt sich das überhaupt mit dem vollen Terminkalender eines Fußballprofis vereinbaren?
Volz: Das ist sehr schwierig das zu vereinbaren. Und deshalb dauert das auch so lange. Dadurch, dass ich diese Saison länger verletzt war und meine Zeit beim Verein dadurch noch größer ist als sonst, habe ich diese Saison dafür noch gar nichts getan. Das ist dann natürlich zeitabhängig, wie viel man dafür macht, aber zu verbinden ist es sehr schwer.
sportal.de: Die beste Schule ist ja auch oft das Leben. Humor gilt als Ihre große Stärke. Der Guardian lobte sie sogar als "einzigen deutschen Fußballer mit Humor", den spricht man da drüben den Deutschen ja eigentlich gemeinhin ab. Hat sich ihr Humor als Reaktion auf die Späße der Briten entwickelt?
Volz: Ich glaube das ist dadurch gekommen, dass ich den britischen Humor dann ein bisschen angenommen habe und bereit war, mich über Dinge zu mokieren. Aber ich war auch bereit über mich selbst zu lachen. Selbst würde ich aber nicht behaupten, dass ich Humor habe. Ich kann kaum Witze erzählen, mir die nicht merken und auch die Punchline nie auf den Punkt bekommen. Das ist hauptsächlich Außenbetrachtung.
sportal.de: Der britische Humor ist für Deutsche ja eher ungewohnt. Können Sie sich noch daran erinnern, was mit Ihnen in der Anfangszeit für Scherze getrieben wurden?
Volz: Ach, das ist mittlerweile schon acht Jahre her. Da kann ich mich gar nicht mehr so dran erinnern. Aber ich musste mich schon erst an den Humor gewöhnen. Oftmals habe ich das zuerst das alles auch gar nicht verstanden. So richtig konnte ich dann den britischen Humor erst nach dem dritten oder vierten Jahr schätzen.
sportal.de: Sie spielen mit den typischen Vorurteilen, die Engländer von uns Deutschen haben. Sie ziehen diese Klischees auch auf ihrer Homepage bewusst ins Lächerliche. Der englischen Presse gaukeln sie z.B. seit langem vor, David Hasselhoff zu verehren, ihn sogar als Vorbild zu sehen. Wann kamen Sie darauf, die Medien so an der Nase herum zu führen?
Volz: Das ist einfach so gekommen. Ich habe mir überlegt den Scherz mitzumachen und ins Lächerliche zu treiben. Zu meiner Verwunderung ist das dann wirklich für ernst gehalten worden. Ich hatte eher damit gerechnet, dass man das in Deutschland ernst nehmen würde und hier wüsste, wie man das zu nehmen hat. Ich habe da heute noch mit zu kämpfen.
sportal.de: Hat man Sie schon auf die letzten Hasselhoff-Entgleisungen, die Videoaufnahmen vom betrunkenen Hoff, angesprochen?
Volz: Ich habe natürlich jetzt diese Reputation und werde da oft drauf angesprochen und angeschrieben. Für mich selbst ist das Thema aber eigentlich durch. Ich habe da lange mit abgeschlossen. Als ich dann immer wieder drauf angesprochen wurde, habe ich gemerkt, dass ich mich da in eine Zwickmühle begeben habe.
sportal.de: In Fulham sind sie inzwischen schon fast zu einer Kultfigur geworden. Sie haben eine besondere Art und Weise mit Stress umzugehen - Sie backen. Wie entdeckten Sie diesen Ausgleichssport?
Volz: Ich hatte nicht gedacht, dass ich unbedingt etwas finden müsste, um Stress abzubauen. Das kommt dadurch, dass ich gerne esse und dann auch gemerkt habe, dass Kochen auch sehr befriedigend sein kann und entspannend sein kann. Man liest ein Rezept, ist für eine Stunde abgelenkt und nur damit beschäftigt, Mehl und Zucker zusammen zu tun. Dabei habe ich dann gemerkt, dass das eine wirklich entspannende Wirkung hat. Aber es läuft jetzt nicht so ab, dass ich merke: "Oh, ich bin gestresst, jetzt backe ich einen Kuchen", sondern dass sich die Entspannung eher bei der Tätigkeit einstellt.
sportal.de: Auch sonst entsprechen Sie nicht unbedingt dem Prototyp eines typischen Fußballers: Sie fahren mit dem Klapprad zum Spiel und besitzen einen älteren VW Golf. Leben Sie auch sonst eher bescheiden?
Volz: Das weiß ich nicht, das hat eher etwas damit zu tun, dass ich ein praktischer Typ bin. Mit dem Fahrrad gelange ich einfach schneller an meine Ziele und bleibe nicht im Verkehr stecken. Da bin ich sehr ungeduldig und dann nehme ich, sofern das Ziel damit erreichbar ist, gerne das Rad. Das hat nichts damit zu tun, dass ich mir nichts gönne.
sportal.de: Einen Eintrag in die Geschichtsbücher des englischen Fußballs haben Sie sich ja im letzten Jahr sichern können. Sie erzielten das 15.000 Tor seit Einführung der Premier League. Was bedeutet Ihnen so ein Rekord?
Volz: Das bedeutet mir nicht viel. Natürlich ist das ein Riesending, man bekommt jede Menge Aufmerksamkeit, aber irgendwie war das wie mit dem blinden Huhn, das auch einmal ein Korn findet. Ich war sicherlich nicht der typische Anwärter auf diese Trophäe und letzten Endes sind vorher fast 14.999 andere Tore erzielt worden und von daher ist es eigentlich nicht mehr als ein Statistikspiel. Außerdem ist es jetzt schon fast ein Jahr her, deshalb denke ich da heute nicht mehr dran.
sportal.de: Stichwort Nationalmannschaft: Einmal waren Sie dabei, aber mehr als ein Einsatz in einer Pressekonferenz sprang dabei bisher nicht heraus. Wie sehen Sie Ihre Chancen für eine Rückkehr, haben Sie Kontakt mit dem Trainerstab, mit Jogi Löw?
Volz: Nein, und solange ich verletzt bin und nicht bei Fulham spiele, sehen meine Chancen natürlich auch sehr schlecht aus. Deswegen brauche ich da momentan nicht dran zu denken. Erstmal habe ich noch viele kleinere Schritte zu machen bis es wieder zu diesem Thema kommt. Dann hoffe ich aber, dass das mal wieder ein Thema wird.
sportal.de: Haben Sie Kontakt zu anderen deutschen Spielern auf der Insel? Stefan Wessels, Michael Ballack, Jens Lehmann, Robert Huth, Didi Hamann?
Volz: Wir sind als Profispieler alle hier sehr beschäftigt, wir treffen uns da nicht für gemeinsame Skatabende oder so.
sportal.de: Welche Erfahrungen haben Sie in England bisher sammeln können? Was würden Sie sagen, hat Ihnen Ihre Zeit auf der Insel bisher gebracht?
Volz: Mir hat die Zeit hier sehr viel gebracht. Ich habe viele schöne Erfahrungen sammeln dürfen. Als Mensch und als Fußballer fühle ich mich hier sehr wohl und bin froh diesen Schritt damals getan zu haben. Aber würde es mir hier nicht gefallen, hätte ich sicher keine acht bzw. achteinhalb Jahre hier ausgehalten.
sportal.de: Aber als Brite fühlen Sie sich noch nicht oder haben Sie sich auch typische deutsche Eigenschaften bewahren können?
Volz: Ich bin nicht mehr so deutsch wie vor achteinhalb Jahren, aber ich bin auch noch nicht ganz britisch. Ich würde mich da eher als ein Mischmasch bezeichnen.
sportal.de: Wo sehen Sie Ihre Zukunft? Wollen Sie langfristig in England bleiben oder zieht es Sie zurück nach Deutschland/in die Bundesliga?
Volz: Ich bin sehr offen für alles. Ich würde auch sehr gerne noch neue Erfahrungen sammeln. Ob das jetzt ein anderes Land ist, ob das in Deutschland ist, da bin ich selbst mal gespannt, wie meine Karriere in den nächsten sieben oder acht Jahren verlaufen wird.
sportal.de: Informieren Sie sich denn regelmäßig über die Bundesliga?
Volz: Nicht viel. Die ersten vier Jahre wurde die Bundesliga hier gar nicht übertragen und in meiner Gastfamilie hatten wir auch kein deutsches Fernsehen. Ich habe das aber auch nicht wirklich vermisst und der Bezug hat da etwas abgenommen. Wenn ich dran denke, schaue ich mir mal die Sportschau an. Aber das ist dann so Bröckchenweise und nicht so, dass ich mir jeden Tag alle Informationen über Internet oder TV besorge. Das ist aber auch mit der Premier League nicht so. Nach den Spielen oder den Trainingseinheiten kann ich ganz gut abschalten und muss dann nicht den ganzen Tag Fußball schauen.
sportal.de: Und wie sieht es mit politischen Ereignissen in Deutschland aus? Halten Sie sich da auf dem Laufenden?
Volz: Es kann schon sein, dass ich einige wichtige Dinge verpasse, weil ich mal eine Woche nicht ins Internet geschaut habe. Aber so grob informiere ich mich schon, was so in Deutschland passiert.
sportal.de: Auch wenn das noch etwas hin ist, was planen Sie für die Zeit nach der Karriere? Ihnen werden Ambitionen für den Lehrerberuf nachgesagt? Gibt es schon konkrete Pläne?
Volz: Mir wird oft nachgesagt, dass ich mich wie ein Lehrer anziehe, da ich oft eine Tasche mit Heftchen und Unterlagen herumtrage. Da sind viele Spieler auf die Idee gekommen. Ich glaube aber, dass das sehr hochgegriffen wäre. Ich erwähnte ja vorhin schon, dass ich sehr ungeduldig bin. Für den Lehrerberuf braucht man, glaube ich, schon eine ziemlich dicke Haut. Ich zolle da allen Lehrern meinen Respekt. Konkrete Gedanken mache ich mir da natürlich noch nicht. Ich hoffe natürlich erstmal das bestmögliche aus meiner Karriere zu schöpfen und dann etwas zu tun, was ich aus Interesse bzw. einem persönlichen Bezug mache. Ich möchte nicht darauf angewiesen sein, etwas zu machen, weil ich unbedingt Geld verdienen muss, um meinen Lebensstandard aufrecht zu erhalten.
sportal.de: Herr Volz, für die Zukunft wünschen wir Ihnen alles Gute und danken Ihnen für dieses Gespräch.
Das Interview führten Tom Broocks und Malte Asmus
www.sportal.de
Originaltext: www.sportal.de
Pressekontakt:
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Büro Hamburg
Christian Fichter
Business Development
Telefon: 040/41400465












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