(openPR) Datenqualitätsmanagement in Unternehmen ist ein wenig wie der Hochwasserschutzbau. Erst wenn Deiche brechen, werden Kosten sichtbar. Bis dahin gilt: Verantwortliche, die nicht direkt betroffen sind; Kosten, für die es kein Budget gibt und nur bedingt bezifferbare Einsparungserträge.
Dass mangelnde Datenqualität nicht nur ein gewaltiger Kostentreiber ist, sondern auch weit reichende rechtliche und strategische Konsequenzen hat, gilt als erwiesen. Eine von der Computer Service Cooperation (CSC) zusammen mit dem Committee of Finance and Information Technology (CFIT) und der Financial Executives Research Foundation (FERF) in diesem Sommer veröffentlichte Studie ergab: Die Verbesserung der Datenqualität bzw. das Vertrauen in die eigenen Informationen wird von 58% der 653 befragten US-Finanzvorstände als kritische technologische Herausforderung angesehen und erlangt damit als gerade erst neu in die Umfrage eingeführtes Thema die größte Durchdringung unter den wichtigen Technologiethemen der Branche. Etwa 62% der Befragten bestätigten negative Einflüsse mangelnder Informationsintegrität auf die Geschäftsergebnisse. Mangelnde Datenqualität ist inzwischen zu einem normalen Kostenfaktor der Unternehmen geworden. Etwa 70% der befragten Unternehmen planen im kommenden Jahr entsprechende Projekte.
Unternehmen sind für ihre Entscheidungen auf verlässliche Daten angewiesen und das nicht erst seit Basel II oder dem Sarbanes-Oxley Act. Unterschiedliche Studien attestieren einem weit reichenden Datenqualitätsmanagement (DQM) ein Einsparpotential von 8 bis 15 Prozent des Umsatzes. Das erkannten auch die Anbieter von Business Intelligence Lösungen. In den letzten Wochen erweiterten diese ihr Portfolio durch Akquisitionen oder erweiterte Kooperationen: Cognos und Informatica, Business Objects mit FUZZY! Informatik (bald alles SAP!) sowie Sybase und DataFlux.
Softwarelösungen nicht ausreichend
Aber ob den rein softwaregetriebenen Anstrengungen zur Verbesserung der Datenqualität Erfolg beschieden wird? Schon die CSC-Studie wird da sehr vorsichtig: Während seit Jahren Millionen in IT-Lösungen investiert werden, hält sich die Befriedigung in Grenzen: Nur jeder Fünfte sieht die Ergebnisse als sehr zufrieden stellend. CSC liefert auch mögliche Erklärungen: die meisten Unternehmen besitzen keine schriftlich festgelegte IT-Planung, durch den Vorstand geht nur jedes dritte Projekt und über 70 Prozent der Befragten geben an, dass abgeschlossene größere IT-Projekte keinen Audits unterzogen werden.
Auch die Branchenstudie der Agens Consulting für den deutschen Bankensektor ergab, dass trotz bekannt hoher Einflüsse auf Kosten, strategische Entscheidungen und rechtliche Rah-menbedingungen der Datenqualität zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird: Kreditentscheidungen beruhen auf ungenauen Daten, Berichte liefern nur Scheingenauigkeit, BaFin droht mit Geldstrafen oder Zulassungsentzug und die Projektkosten für Datenextraktion, -integration und -bereinigung sind zu hoch.
DQM-Initiativen: Nur wenn es wirklich weh tut
Die Institute sehen die Hauptursache dieser Defizite in der fehlenden abteilungsübergreifenden Abstimmung des Datenqualitätsmanagements und führen dies auf die fehlende Sensibilisierung der Mitarbeiter – einschließlich der leitenden Angestellten – für die Thematik zurück. Die Agens-Studie stellt weiterhin fest, dass „Datenqualitätsmanagement zumeist reaktiv an den externen Anforderungen“ ausgerichtet wird. „Ein proaktives Datenqualitätsmanagement wird nur in Ausnahmefällen betrieben und die betriebswirtschaftliche Relevanz eines qualitativ hochwertigen Datenbestandes spiegelt sich bisher noch nicht in der Struktur des Datenqualitätsmanagements der Institute wider. In den meisten Fällen gibt es keine oder nur sehr rudimentäre Instrumentarien zur Messung der Datenqualität, so dass eine wichtige Grundlage zur korrekten Einschätzung fehlt.“ Die Herausforderungen der Institute bestehen danach vor allem in der Transparenz der tatsächlichen Datenqualität selbst sowie der Kosten der Datenhaltung, um die Zuverlässigkeit von entsprechenden Maßnahmen und die Akzeptanz der Ergebnisse zu erhöhen.
DQM in Managementkonzepte integrieren
Eine weitere Herausforderung wird die Einführungsstrategie selbst sein. Glaubt man den Vertriebsabteilungen der DQ-Softwareanbieter, so scheint mit dem Erwerb einer solchen Soft-warelösung der wichtigste Schritt getan. Leider sind solche technikzentrierten Ansätze aus methodischer Sicht eher bedenklich und können nicht den Kern eines nachhaltig-effizienten DQM-Ansatzes ausmachen. Allerdings sollten die Firmen auch Meinungen unabhängiger Experten dann mit Vorsicht genießen, wenn diese ihren Erfahrungsschatz als eine Art Quasistandard suggerieren, ohne die vielen Gestaltungsspielräume für eine unternehmensspezifische DQ-Positionierung in Abhängigkeit von externen Branchen- und Marktbedingungen sowie der internen Unternehmenssituation aufzeigen zu können. Letzteres würde im Rahmen eines Integrierten DQM auch stärker auf die strategische und normative Ebene abstellen müssen, was in der derzeitigen Diskussion zum Thema in der Regel keine Berücksichtigung findet. Ein solcher integraler Bezugsrahmen würde nicht nur die bereits existierenden Managementkonzepte sowie die gelebte Unternehmenskultur stärker in das Zentrum der Aufmerksamkeit rücken, sondern auch einen systematischeren Bezug zum vorhandenen QM-System, um dadurch ein besseres Verständnis sowie eine höhere Akzeptanz auf Führungs- und Mitarbeiterebene zu erreichen. Dies könnte einen Acceleratoreffekt insofern auslösen, als dadurch geringere Einführungskosten und Verwaltungsaufwände entstehen dürften, die wiederum noch einmal die Akzeptanz der Maßnahmen im Management erhöhen würden. Darüber hinaus sollte ein stärker integrativer Ansatz auch den Erwartungen aller Stakeholder wie Öffentlichkeit und Staat (Risikofaktor DQ) und Shareholder (Kosten- und Wettbewerbsfaktor DQ) gerecht werden und nicht nur die Bedürfnisse der Informationskonsumenten selbst in Betracht ziehen.
Die 5. German Information Quality Management Conference & Workshop vom 21. bis 23. November 2007 in Bad Soden/Taunus wird in diesem Sinne die neuesten Trends und Erfahrungen aus Anbieter- und Anwendersicht darstellen. Nähere Informationen zu dieser Jubiläumskonferenz mit internationaler Beteiligung sind unter www.dgiq.de zu finden.
- Jan Hüfner
Jan Hüfner ist Geschäftsführer der TIQ Solutions GmbH und Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Informations- und Datenqualität (DGIQ e.V.)
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