(openPR) Mit der symbolischen Übergabe der Amtskette wurde Prof. Johann Gerhardt, M.Div., D.Min. am Montag (29.10.2007) feierlich in das Amt des Rektors der Theologischen Hochschule Friedensau eingeführt. Gerhardt tritt die Nachfolge von Prof. Dr. Udo Worschech an, der seit 1996 als Rektor wirkte. Vertreter aus Wissenschaft, Kirche und Politik nahmen an dem Festakt teil.
In einem Resümee über seine Amtszeit umriss Altrektor Prof. Worschech die Aufgabe der Theologischen Hochschule Friedensau. „Neben wissenschaftlichen Diskussionen muss die Hochschule auch eine Theologie des Alltags formulieren. Pastoren dürfen nicht nur schlichte Diener der Kirche sein, sondern sind angehalten, eine zeitgemäße und relevante Theologie für Theorie und Praxis zu formulieren. Der Fachbereich Christliches Sozialwesen hat eine ähnliche Aufgabe, nämlich Alternativen für die Gesellschaft zu formulieren und nicht schlichte Diener sozialer Anstalten hervorzubringen.“ Bereits am Vortag der feierlichen Amtsübergabe wurden Worschechs Forschungsbeiträge mit einem archäologischen Symposium gewürdigt. Als Professor für Altes Testament und biblische Archäologie forschte Worschech schwerpunktmäßig zur historischen Landeskunde der Region Palästinas. Seit 1983 führte Worschech Oberflächenerforschungen und Grabungen östlich des Toten Meer durch, die maßgeblich zur Erschließung der Geschichte und Kultur dieser Region beitrugen.
In seiner Antrittsrede umriss Rektor Prof. Johann Gerhardt seine Zielsetzung für eine geisteswissenschaftliche Hochschule. „Eine Hochschule muss mehr sein als ein Ort der Ausbildung, nämlich ein Ort der Entfaltung“, erläuterte Gerhardt. Aufgabe des akademischen Diskurses sei es, dass Studierende durch ihre Fragestellungen hindurch zu eigenen Beantwortungsfähigkeiten gelangen und darin ihre spezifische Identität und Orientierung erfahren. Nur eine selbstständig gewonnene Überzeugung könne die Grundlage für eine wahre Toleranz sein. In diesem Sinn möchte Gerhardt in seinem Amt nicht Verändern sondern Fördern, nicht Abschneiden sondern Pflegen. Gerhardt, Professor für Pastoraltheologie, ist seit 1992 an der Theologischen Hochschule Friedensau tätig und fungierte bereits mehrere Jahre als Dekan des Fachbereichs Theologie und als Prorektor der Hochschule. In seiner Forschungstätigkeit befasste sich Gerhardt schwerpunktmäßig mit dem „Drop-out“, dem plötzlichen Ausstieg von Pfarrern aus dem geistlichen Amt, sowie mit Ursachen und Formen religiöser Angstvorstellungen. „Ich glaube“, so formulierte Gerhardt sein Credo, „an das Recht auf Bildung und an das Gute im Menschen. Ich glaube, dass die bedingungslose Annahme die Grundlage für Wachstum und Würde des Menschen ist.“ Sein Glaube, in dem er die unbedingte Zuwendung Gottes zum Menschen erfahre, befähige ihn, das Amt des Rektors anzutreten.
Der Staatssekretär im Kultusministerium des Landes Sachsen-Anhalt, Dr. Valentin Gramlich, würdigte die elfjährige Amtszeit von Prof. Worschech als wertvolle Kontinuität in der Entwicklung der Hochschule. Mit der theologischen Forschung und Lehre werde ein Standpunkt im Bezug zum Leben erarbeitet. Aufgabe der Theologie sei es, mit ihrem Gedächtnis die Kultur zu prägen und der Gesellschaft eine Zukunft zu eröffnen. Prof. Gerhardt vereine in seinem Rektorat Tradition und Zukunftsfähigkeit, so Gramlich. Gleichzeitig mahnte der Staatssekretär an, den Weg des Bologna-Prozesses zur Akkreditierung von Bachelor- und Masterstudiengängen konsequent bis zum Ende zu beschreiten.
Als Vertreter des Studentenrats wies René Zywietz darauf hin, dass nur mit Studierenden eine Hochschule Gestalt gewinnen könne. „Der beste Weg, die Zukunft vorherzusagen, ist, sie selbst zu gestalten“, erklärte Zywietz und bot im Namen der Studierenden eine enge Zusammenarbeit in „kritischer Loyaliltät“ bei der weiteren Entwicklung der Hochschule an.









