(openPR) Das „Digital Sculpture Project“ von Hans de Roos.
Richtig angefangen hat alles im November 2001. Auf dem Rodin-Symposium „What is the Original?“ in Toronto präsentierte Hans de Roos, Herausgeber von www.rodin-web.org, eine der umfangreichsten Internetauftritte zum Thema Rodin, einen visuellen Vergleich von Skulpturen in verschiedenen Sammlungen.
Bei der Vorbereitung seines Beitrags hatte De Roos bemerkt, dass es auch in den wissenschaftlichen Katalogen nur wenige Photos gibt, die sich für einen direkten Abgleich eignen, weil in den meisten Fällen Perspektive und Beleuchtung zu unterschiedlich sind. Dazu kommt, dass die im Katalog angegebenen Maße oft nicht stimmen. Außerdem kann für eine unregelmäßig geformte Skulptur nur die Höhe objektiv definiert werden; was als Länge oder Breite des Objektes angegeben wird, hängt davon ab, welche Bezugspunkte gewählt werden. De Roos erinnert sich: „Meine Mitarbeiter und ich haben uns gewundert, dass bei der Analyse und dem Vergleich von Kunstwerken keine modernen Technologien zum Einsatz kommen. Also stellten wir uns die Frage: Wie könnte man die morphologischen Eigenschaften vor Ort einfach und doch objektiv erfassen?“ Ein mobiles Studio muss her…..
Mit Hilfe von hochauflösender Farbphotographie, Stereophotographie, berührungsloser 3D-Vermessung und digitalen Videoaufnahmen stellt De Roos eine visuelle und räumliche Dokumentationsmethode zusammen. Das ist der Beginn des „Digital Sculpture Project“. Dabei ist es ganz wichtig, dass das ganze Equipment flexibel einsetzbar und transportfähig ist und schnell aufgebaut werden kann. „Unterschiedliche Statuen zu vermessen und zu dokumentieren, um hinterher zweifelsfrei feststellen zu können, ob es Unterschiede gibt und ob es sich dabei um Originale oder Reproduktionen handelt, das ist eine der wichtigsten Anwendungen unserer Methodik“ beschreibt De Roos sein Projekt.
Hans de Roos, Jahrgang 1956, Unternehmer im Finanzdienstleistungsbereich, Politologe und Photodesigner, beschäftigt sich schon seit 1992 intensiv mit Rodin. Zunächst standen Aktphotostudien im Vordergrund, 1998 wird der Grundstein für das Rodin-Web gelegt.
Nach ersten Kontakten mit verschiedenen Scannerherstellern treffen sich Hans de Roos und Sigmund Scriba, Geschäftsführer der DESCAM 3D Technologies GmbH, zum ersten Mal in Oberhaching. „Nach einem sehr interessanten Gespräch haben wir einen Testscan an einem kleinen Torso durchgeführt. Zuvor waren diesem Torso kleine Kratzer zugefügt worden und nun ging es darum: Wie detailliert und genau kann unser Laserscanner ModelMaker in Kombination mit einem FARO GoldArm solche feinen Strukturen erfassen und ist die Handhabung für den Einsatz vor Ort auch unter schwierigen Bedingungen geeignet?“, beschreibt Herr Scriba das Treffen im Juli 2002.
ModelMaker überzeugt in allen Punkten, doch eine Anschaffung des kompletten Systems ist privat nicht finanzierbar. So kommt es zur einer interessanten und fruchtbaren Zusammenarbeit zwischen Hans de Roos und DESCAM.
Im April 2003 geht es zum ersten mal nach Straßburg, ins Musée d’ art moderne et comtemporain. Dort steht einer der „Denker“ von Auguste Rodin. Mit dem ModelMaker-Sensor X 140 gelingt es, den kompletten „Denker“ – der sitzend immerhin noch eine Höhe von 1,83 Metern erreicht – zu scannen. Dabei werden die Vorteile von ModelMaker sichtbar: „Mit ModelMaker konnten wir auch die Hinterschnitte und Taschen der Skulptur erfassen. Wie bekannt sitztRodins „Denker“ auf einem Sockel und hat sein Kinn auf die rechte Hand gestützt. Dank der Mobilität und Beweglichkeit von ModelMaker konnten wir sogar die verdeckten Handinnenflächen – ein durchaus schwieriger und für die meisten Scannersysteme nicht zu erfassender Bereich - einscannen. Das Ergebnis des Scans war ein geschlossenes 3D-Modell der kompletten Skulptur – so etwas hatten wir bisher nicht erhalten.“
Der nächste DESCAM-Einsatz folgte im Oktober 2003 im Kunstmuseum in Basel. ModelMaker, diesmal in Kombination mit einem nagelneuen FARO PlatinArm, wird eingesetzt, um Rodins „Der Schreitende“ berührungslos zu erfassen. Das ist wichtig, denn die Skulpturen sind äußert wertvoll und dürfen auf gar keinen Fall angefasst oder beschädigt werden. ModelMaker wird mit der Hand am Objekt vorbeigeführt – ohne das Objekt zu berühren! - und erfasst dabei die gewünschten Daten. Die Scandaten liegen zunächst als Punktewolke vor. Nach der Optimierung und Triangulation erhält man Dreiecksmaschen, die im STL-Format (Standard Transformation Language oder auch Stereolithography Language) ausgegeben werden können. „Der Schreitende“ ist 2,14 Meter hoch. Für den Scan der kompletten Figur unter erschwerten Bedingungen benötigte DESCAM 21 Stunden incl. aller Rüstzeiten.
Bereits einen Monat später erfolgte der nächste Scan einer weiteren „Denker“-Skulptur, diesmal im Kaiser-Friedrich-Museum in Poznan in Polen. Einsätze in Aix-les-bains, Straßburg, Belfort, dem Skulpturen-Museum in Heilbronn, der Neuen Pinakothek in München, in Südfrankreich, Prag und Venedig folgten. Weitere Scans in Dänemark und Frankreich sind geplant.
„Wir sind froh, dass die Zusammenarbeit mit der Firma DESCAM jedes Mal so gut geklappt hat. ModelMaker ist ein hervorragendes Laserscannersystem, man merkt, dass es schon mehr als 12 Jahre am Markt eingesetzt wird. Ein besonderes Entscheidungskriterium war für uns auch die unproblematische Transportfähigkeit des Systems. ModelMaker, FARO-Messarm und Zubehör lassen sich - stabil und sicher in ihren Transportkisten verpackt - einfach in einem PKW verstauen und zu jedem x-beliebigen Ort transportieren. Das System ist schnell einsetzbar und vor Ort flexibel zu handhaben“, so De Roos.
Was bleibt nach den zahlreichen Scans im In- und Ausland zu sagen? Hans de Roos ist es mit dem Laserscannersystem ModelMaker, anderen Scansystemen und seinem eigenen Equipment gelungen, was er sich 2001 in Toronto vorgenommen hatte: Mit einem kleinen, privaten Budget konnten er und sein Team vor Ort in den Museen saubere, hochwertige Daten erfassen. Diese Daten können nun zeitlos in einer morphologischen Datenbank gespeichert werden.
Insgesamt wurden 37 Skulpturen eingescannt. Hier ein paar Beispiele: Auguste Rodin. („Der Denker“, „Der Schreitende“, „Verzweiflung“, „Die Drei Sirenen“, „Verdammte Frauen“, „Die Badende“, „Polyphemus“), Rembrandt Bugatti („Stehender Löwe“), Pablo Picasso („Sitzen-de Frau“), Hans-Jean Arp („Kleine Demeter“, „Pradamitischer Torso“), Émile-Antoine Bourdelle („Büste von Beethoven“), Aristide Maillol („Büste von Renoir“) und Camille Claudel („Büste von Rodin“). Der Schwerpunkt lag ganz klar auf Rodin, von dem 25 Skulpturen digitalisiert wurden.
Und was hat der Vergleich der Daten letztendlich gebracht? „Anhand der Scandaten haben wir bemerkt, dass es zum Beispiel einige Unterschiede bei Rodins „Denkern“ gibt, die einem mit dem bloßen Auge oder einem Konturlinienabgleich nie auffallen würden: Einer der „Denker“ neigt sich leicht nach links, einmal ist die Skulptur 2 Millimeter größer als die andere, ein anderes mal ist der Winkel der beiden Beine etwas größer. Auch nicht absolut professionell durchgeführte Restaurationen konnten wir feststellen“, beschreibt De Roos die Ergebnisse seiner Arbeit.
Eine internationale Wanderausstellung und ein Katalog sollen demnächst dem breiten Publikum einen Einblick in die Arbeit von Hans de Roos geben. Außerdem ist ein ausführlicher Report mit dem Titel „Digital Sculpture Project“ bei Linkoeping University Electronic Press in Schweden erschienen. Weitere Informationen unter www.rodin-web.org und www.descam.de.
DESCAM 3D Technologies GmbH
Frau Bettina Scriba
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