(openPR) Zur Bewältigung des Kostendrucks und der Variantenvielfalt bei neuen Fahrzeugmodellen spielt die modulare Bauweise in der Automobilindustrie eine immer größere Rolle. In der Tür müssen dabei die hohen mechanischen Anforderungen mit der wachsenden Funktionalität und der notwendigen Gewichtsreduzierung in Einklang gebracht werden.
Brose gilt als Erfinder des modularen Türsystems, das sich heute als technischer Standard etabliert hat: Es integriert alle wesentlichen Türfunktionen in einer lieferfertigen Einheit, die vorgeprüft und sequenzgenau an der Montagelinie des OEM eintrifft. Komponenten wie Fensterheber, Lautsprecher, Schloss, Kabelbaum, Airbag und die gesamte Steuerelektronik sind auf einem Modulträger montiert. Dieser teilt zugleich die Tür in einen Nass-und einen Trockenbereich: Die „trockene“ Türhälfte nimmt die Elektronik auf, während in der „nassen“ die mechanischen Komponenten integriert sind. Als Werkstoff für den Träger werden Stahl, Aluminium und Kunststoff eingesetzt.
Dabei bietet Kunststoff als Trägermaterial im Vergleich zu Stahl deutliche Gewichtsvorteile, eine bessere Geräuschdämmung und die Möglichkeit der Bauteile-Integration. Die ersten Brose Türsysteme mit glasfaserverstärktem Kunststoffträger sind 2006 in den USA im Ford Edge und im Lincoln MKX in Serie gegangen. Bis 2008 folgen weitere Modelle für den europäischen Markt.
Die neueste Generation von Kunststoff-Türsystemen präsentiert Brose auf der Internationalen Automobilausstellung 2007 in Frankfurt. Im Vordergrund der Entwicklungsaktivitäten stand die Funktionsintegration: Einer der am häufigsten eingesetzten Tür-Komponenten zur Scheibenbewegung in der Tür ist der doppelt geführte Seilfensterheber. Den Brose Ingenieuren ist es gelungen, neben anderen Komponenten die beiden Führungsschienen im Kunststoffträger zu integrieren und somit den OEM weitere Gewichts- und Kostenvorteile zu ermöglichen. In das Türsystem für Hintertüren konnte Brose zudem ein elektrisches Sonnenrollo und eine verstellbare Armauflage integrieren.
Kunststoffträger in Eigenfertigung
Vor dem Hintergrund der zunehmenden Bedeutung der Funktionsintegration setzt Brose seinen Kompetenzausbau in der Tür weiter fort und startet im Rahmen eines Kundenprojekts mit der Eigenfertigung von Kunststoff-Funktionsträgern: Zu diesem Zweck hat das Unternehmen im Werk Hallstadt eine Spritzgießanlage mit in line compounding process in Betrieb genommen. Um die großflächigen Kunststoffteile herstellen zu können, verfügt die Anlage über eine Schließkraft von 16 500 Kilonewton. Die ersten Türsysteme aus dieser Anlage werden 2008 in Serie gehen.
Produkt-und Prozessentwicklung, Werkzeugplanung und Fertigung sind räumlich zusammengeführt. So können die Ingenieure ihre Produktideen beziehungsweise Prototypen an der Anlage testen, die Ergebnisse vor Ort auswerten und die Entwicklungszeiten deutlich verkürzen. Gleichzeitig ist Brose in der Lage, die Materialzusammensetzung zu optimieren und auf die jeweils unterschiedlichen Kundenanforderungen abzustimmen. Die Auslastung der Spritzgießanlage ist zu etwa 80 Prozent für die Serienproduktion vorgesehen, die restliche Kapazität wird für die Entwicklung neuer Produkte und Materialien genutzt.
Für die Herstellung der Träger hat sich das Spritzgießen als vorteilhaft erwiesen, da es im Vergleich zum thermoplastischen Schaumguss eine weitaus größere Integration von Bauteilen zulässt. Zudem ist die Wandstärke von etwa 1,8 Millimetern deutlich dünner und leichter als beim Schaumguss-Verfahren. Trotz der Leichtbauweise erfüllt das Kunststoff-Türsystem die Sicherheitsanforderungen im Seitentüren-Crashtest. Brose unterhält in Roth am Forst ein eigenes Forschungszentrum, um an neuen Türkonzepten die Auswirkungen eines Aufpralls zu analysieren. Auf diese Weise kann die Fahrzeugtür bereits in einer sehr frühen Entwicklungsphase getestet werden – schon ehe ein Prototyp zur Verfügung steht.
Brose hat sich vom Fensterheber-Hersteller zum Systemintegrator entwickelt und ist in der Lage, sowohl Komponenten als auch komplette Fahrzeugtüren zu entwickeln und zu liefern. Die Entscheidung, Kunststoffträger für Türsysteme in Eigenfertigung herzustellen, war für Brose ein logischer Schritt in dieser Systemintegration. Mit diesem Know-how kann das Unternehmen seinen Kunden Lösungen anbieten, die genau auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind. Auch die Liefererpartner, von denen Brose auch in Zukunft den Großteil der Bedarfe beziehen wird, werden von diesem Know-how Aufbau profitieren.
Für welches Konzept sich der OEM letztendlich entscheidet, hängt vom jeweiligen Einsatzfall ab: Brose hält deshalb die notwendigen Ressourcen und Prozesse zur Entwicklung, Herstellung und Lieferung unterschiedlicher Türsystem-Konzepte bereit. Neben Kunststoff spielt Stahl als Trägermaterial nach wie vor eine große Rolle. Eine der Produktinnovationen, die das Unternehmen 2007 in Frankfurt erstmals vorstellt, ist das neu entwickelte Stahl-Türsystem: Durch die Verringerung der Trägerblech-Stärke wird eine Gewichtsreduzierung um ca. 15 Prozent erreicht.
Ob Stahl, Aluminium oder Kunststoff – Brose ist in der Lage, das gesamte Materialspektrum für Funktionsträger abzudecken und somit dem Kunden die jeweils beste Lösung anzubieten.
Quelle: OEM&Lieferant, Messeausgabe 2007
DER AUTOR
Kurt Sauernheimer
ist Mitglied der Geschäftsführung der Brose Unternehmensgruppe und verantwortet seit 1999 den Geschäftsbereich Türsysteme.










