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Deutsche Dienstleistungsbilanz negativ

(openPR) Wissen und Information als wertschöpfende Produktionsfaktoren werden vernachlässigt

Berlin/Bonn - Exportüberschüsse werden in der Regel als positiver Indikator für die Leistungsfähigkeit und internationale Konkurrenzfähigkeit einer Wirtschaft begriffen. Zugleich wird gerade Entwicklungsländern, aber ebenso manchen Industriestaaten, eine exportfundierte Wachstumsstrategie bescheinigt. Besonders in Deutschland hängt die gesamtwirtschaftliche Entwicklung von der Exporttätigkeit aus. Wichtigste deutsche Exportbranchen sind die Automobilindustrie, die chemische Industrie und der Maschinenbau.



Bei detaillierter Betrachtung zeigt sich, dass nahezu alle größeren Sektoren des verarbeitenden Gewerbes seit Jahren Exportüberschüsse ausweisen. Dagegen ist die deutsche Dienstleistungsbilanz traditionell negativ; der Anteil des Servicesektors an der Exporttätigkeit bleibt deutlich hinter den Vergleichswerten anderer Industriestaaten zurück. „Die Analyse der Wettbewerbspositionen einzelner Branchen zeigt, dass die deutsche Automobilindustrie und der Maschinenbau über große komparative Vorteile verfügen und diese in den letzten Jahren auch weitgehend bewahren konnten. Bei einigen wissensintensiven, stark wachsenden Branchen wie der Elektronikindustrie ist die Position Deutschlands dagegen auf dem Weltmarkt nach wie vor relativ schwach. Wichtig für die Zukunft der deutschen Exportwirtschaft ist ihre Innovationsfähigkeit, und diese wiederum lässt sich nur durch hohe Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie in Humankapital sichern“, so die Analyse des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) http://www.diw.de. Die nüchternen DIW-Zahlen sind für Michael Müller, Geschäftsführer des IT-Dienstleisters a&o http://www.ao-services.de, ein Warnsignal.

„Die einseitige Fixierung auf Exportüberschüsse mit Industrieprodukten verfälscht die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft. Hier stehen Leistungen in den Exportbüchern, die schon lange nicht mehr in Deutschland erbracht werden, sondern in Schwellen- und Billiglohnländern. Das sollten Wirtschaftsverbände wie der BDI, Gewerkschaften und auch Politiker endlich kapieren. Die wirtschaftlichen Prioritäten müssen wir auf die Erhöhung der Produktivität in den Wissens- und Dienstleistungsberufen ausrichten, sonst haben wir gegen Länder wie Indien keine Chance, die den Welthandel in den nächsten Jahren mit Dienstleistungen erobern wollen und sich nicht nur als kostengünstige Produktionsstandorte positionieren“, warnt Müller.

Man müsse sich auch nach Auffassung von Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW) http://www.bvmwonline.de, von den industriekapitalistischen Denkstrukturen lösen: „Erfolgreiche deutsche Sportartikelhersteller wie Adidas und Puma produzieren schon lange nicht mehr in Deutschland. Ausschlaggebend für ihren Erfolg ist nicht die Produktion, sondern das gesamte Konzept von Marketing, Werbung, Produktentwicklung und Vertrieb. Und diese Arbeit wird in Deutschland geleistet.“ Die eigentliche Wertschöpfung sei häufig nicht mehr in der Produktion, sondern im Produkt- und Markenimage, in der Zielgruppendurchdringung und in den Vertriebskanälen zu finden. Mit der reinen industriellen Fertigung könne man keine positiven Arbeitsplatzeffekte auslösen. „Weltweit wandert die reine Herstellung von Produkten dorthin, wo sie einschließlich der Transport- und Logistikkosten am wirtschaftlichsten ist. Für den Markterfolg sind aber Fähigkeiten und Leistungen erforderlich, die kreativer, logistischer und kaufmännischer Art sind. Wir werden zwangsläufig dorthin kommen, dass wir zwar global produzieren lassen, aber die Kontrolle über die Produkte und Dienste von Deutschland aus tätigen. Erfolgreiche Vermarktung, natürlich auch im globalen Rahmen, sichert und schafft damit Arbeitsplätze in Deutschland“, so die These von Ohoven.

Fakt sei, dass sich im produzierenden Sektor in den vergangenen Jahren die Wertschöpfungsmuster zum Teil radikal verändert hätten. Aufgrund einer zunehmenden Komplexität von Produkten und einer wachsenden globalen Arbeits- und Wissensteilung steigt die Anzahl der in Form von Dienstleistungen in Anspruch genommenen Vorleistungen. Zum Teil würden dabei selbst Leistungen nahe am Kerngeschäft der Unternehmung ausgelagert und durch externe Dienstleister erbracht. „In manchen Ländern – wie beispielsweise den USA – sind solche Outsourcing-Prozesse weiter fortgeschritten als in Deutschland“, erläutert Thomas Pridham, Executive Director der SRI Initiative http://www.thesrii.org. „Dies liegt nicht zuletzt daran, dass es amerikanischen Unternehmen aufgrund einer geringeren Arbeitsmarktregulierung und geringerer Kündigungsschutzrechte leichter fällt, Geschäftsbereiche auszugliedern. Deutsche Industrieunternehmen wählen hingegen eher den Weg der Automatisierung, um die Produktivität zu erhöhen. Statistisch werden die Aktivitäten dann nicht im Dienstleistungssektor erfasst.

„Die Programmatik der SRI Initiative sollte von allen wirtschaftlichen Akteuren in Deutschland aufgenommen werden. Sie beschränkt sich nicht auf die Erforschung eines konkreten Produktes oder einer technischen Lösung, sondern fordert Veränderungen in den akademischen Bildungsstrukturen“, so After Sales-Spezialist Müller. Dahinter stehe die Erkenntnis, dass hochqualifizierte Unternehmensdienstleistungen besondere Qualifikationen voraussetzen, die betriebswirtschaftliches, ingenieurwissenschaftliches und sozialwissenschaftliches Know-how beinhalten. „IBM hat deshalb in Kooperation mit der Universität Berkeley eine ‚Services Science’ Initiative gestartet. In einem neu konzipierten Studiengang sollen unterschiedliche Kompetenzen und Qualifikationen im Sinne einer ‚Dienstleistungswissenschaft’ vermittelt werden“, so Pridham.

Die Dienstleistungsforschung habe inzwischen herausgearbeitet, dass Dienstleistungsinnovationen im Gegensatz zu Produktinnovationen sehr viel stärker von Fragen der Marktregulation abhängig seien. „Deutschland ist nicht weniger kreativ als die USA. Tatsache ist allerdings, dass die volkswirtschaftliche Bedeutung solcher Tätigkeiten in allen entwickelten Volkswirtschaften zunimmt“, so Pridham. Der gesamte Bereich von Bildung, Ausbildung und Innovation stelle ein wichtiges Wachstumsfeld der Zukunft dar. Um diese Potenziale zu erschließen, werden erhebliche Veränderungen in den Strukturen dieser Systeme notwendig sein, lautet die Überzeugung der SRI Initative: „Dazu zählt vor allem die in Deutschland noch nicht akzeptierte Erkenntnis, dass Wissen und Information wertschöpfende Produktionsfaktoren sind, die – wie Güter – mit Preisen versehen werden und gehandelt werden können“, resümiert Pridham.

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