(openPR) Studierende der EUFH zu Gast bei Rhein Papier in Hürth
Rhein Papier in Hürth produziert in einem hochmodernen Werk pro Jahr 280.000 Tonnen Zeitungspapier aus 100 Prozent Altpapier. Davon überzeugten sich in dieser Woche die angehenden Logistikmanager der Europäischen Fachhochschule (EUFH) in Brühl. Prof. Dr. Johannes Wolf, Dekan des Fachbereichs, hatte nämlich mit einer spannenden Exkursion nach Hürth eine willkommene Abwechslung für die Studierenden „auf Lager“. Eckhard Rohrdantz, Logistikleiter bei Rhein Papier, führte die Gäste aus Brühl durch das erst am 4. Juli 2002 in Betrieb genommene Werk, das zum global agierenden finnischen Myllykoski-Konzern gehört.
Fast 24 Millionen Zeitungen lesen die Deutschen Tag für Tag. Nach so großen und bevölkerungsreichen Ländern wie China, Japan, den USA und Indien liegen wir damit auf Platz fünf weltweit. Glücklicherweise ist es nicht erforderlich, für die Herstellung der Riesenmengen an benötigtem Zeitungspapier jedes Mal aufs Neue Bäume abzuholzen. Denn aus 1.000 Tonnen des Rohstoffs Altpapier, der weder produziert noch gewonnen werden muss, sondern einfach anfällt, macht Rheinpapier täglich 800 Tonnen „frisches“ Zeitungspapier.
Was hier in großen Mengen angeliefert wird und auf Weiterverarbeitung wartet, ist aber nicht ohne weiteres verwendbar, sondern es muss zuerst eine aufwändige Reinigungsprozedur durchlaufen. Zunächst muss Pappe, deren dicke braune Fasern nicht ausreichend gebleicht werden können, und Plastik, das zum Beispiel bei Remissionen von Kiosken in größeren Mengen anfällt, aussortiert werden. „Vor dem Sommerfest für die Mitarbeiter und deren Familien sammeln unsere Leute in einer Woche locker vier Müllsäcke voll Plastikspielzeug. Das ist beim Fest jedes Mal der Hit für die Kinder“, lacht Rohrdantz.
Nachdem auch die Hochglanzbeläge der Zeitschriften und alle Heftklammern entfernt worden sind, bleibt ein Brei übrig, der jetzt nur noch aus bedrucktem Papier besteht. Was noch verschwinden muss, sind die Druckfarben, denn die brandaktuellen Nachrichten aus aller Welt sollen ja auf dem fertigen Papier gut lesbar sein. Dazu wird der Brei auf etwa 70 Grad erhitzt und eine Art Seife dazu gegeben. Während in die Behälter Luft geblasen wird, entsteht ein Schaum, der die Farbe bindet. Nach 24maliger Wiederholung des Vorgangs ist die Masse weiß genug zur Verwendung.
Erst jetzt kommt PM1, der Champion unter den Papiermaschinen, zum Einsatz. Sie ist die „Hauptverantwortliche“ für den Jahresumsatz von etwa 150 Millionen Euro und hat schon so einige Weltrekorde in der Papierproduktion aufgestellt. PM1 ist eindrucksvolle hundert Meter lang und produziert über acht Meter breite Papierrollen, und das im schwindelerregenden Tempo von 110 Stundenkilometern. In mehreren Schichten steuern jeweils zwölf Papiermacher, jeweils ein Papiermachermeister und tagsüber mehrere Papieringenieure den Riesen von einem Kontrollraum aus.
Bevor PM1 aus Brei Papier machen kann, wird die Masse zu einem Anteil von 99 Prozent in Wasser aufgelöst und dann mit hohem Tempo zunächst in die so genannte Nasspartie der Maschine zwischen zwei Siebe eingespritzt. Auf den Sieben verteilt sich die Fasermischung gleichmäßig, und ein Teil des Wassers läuft ab. Nun kann man allmählich schon von einer Papierbahn sprechen. Nach der Siebpartie folgt die Pressenpartie. Mit hohem Druck läuft das Papier zwischen zwei Filzen hindurch. Danach enthält es „nur noch“ 60 Prozent Wasser. Den Rest erledigt die Trockenpartie, die man vielleicht als so eine Art Backofen bezeichnen kann. Am Ende hat das Papier die gewünschte Restfeuchte von sieben Prozent, die gewährleistet, dass es nicht staubt oder bricht. Schließlich läuft das Papier auf gigantische Rollen, die naturgemäß hin und wieder gewechselt werden müssen. Dass dies möglich ist, ohne die Maschine anzuhalten, grenzt schon fast an ein Wunder.
Der größte Kunde des „Zeitungspapier-Champions“ ist der Springerverlag. 30 Prozent des gesamten Papiers landen bei Bild und Co. an mehreren Druckstandorten. Aber auch zum Beispiel die Süddeutsche Zeitung, der Kölner Stadtanzeiger oder die Rheinische Post beziehen den Stoff, aus dem die Nachrichten sind, aus Hürth.
Bevor eine Zeitung zu Staub zerfällt, kann PM1 sie theoretisch fünfmal zu „jungfräulichem“ Zeitungspapier wiederherstellen. Das tut die rekordverdächtige Maschine zu 85 Prozent für inländische Kunden. Die „Kirchturmpolitik“ des Unternehmens, das auf langfristige Beziehungen zu möglichst nahen Kunden setzt, hält die Transportkosten mit rund acht Prozent bei sinkender Tendenz erträglich. Das kommt letztlich uns allen zugute, denn schließlich möchten wir auch morgen wieder beim Kaffee eine Zeitung aufblättern, deren Preis uns nicht schon vor dem Frühstück aus den Pantoffeln haut.
Renate Kraft
(Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit)
Europäische Fachhochschule
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