(openPR) Staatliche Förderung insbesondere in West- und Zentralchina
Am 2. August erklärte der Vizevorsitzende der chinesischen Versicherungsaufsichtbehörde CIRC, Zhou Yanli, dass speziell gebärfähige Säue und allgemein alle lebenden Schweine noch vor dem 15. August 2007 versichert werden können. Die Aufsichtsbehörde habe bereits Versuchsprojekte von fünf chinesischen Versicherungsgesellschaften genehmigt.
Eine gebährfähige Sau hat demnach einen Versicherungswert von RMB 1.000 (ca. 100 EUR), die Versicherungsgebühr betrage RMB 60, wovon RMB 48 in West- und Zentralchina als Subvention von den lokalen Regierungen beigesteuert werden. In den entwickelten Ostregionen sollen in enger Zusammenarbeit mit der Bankenaufsichtsbehörde Modelle für kombinierte Versicherungs- und Darlehenskonzepte erarbeitet werden.
Ebenfalls erarbeitet werden müssen Verfahren zur Verifizierung der Gebärfahigkeit von Säuen sowie der Zahl der tatsächlich vorhandenen Tiere.
Eine skurrile Meldung wird plausibel
China ist anders. Vieles erscheint dem Ausländer merkwürdig. Ein Blick hinter die Fassade für ein tieferes Verständnis ist dabei oft nicht möglich, weil die chinesische Sprache ein unüberwindbares Hindernis darstellt. Deutsche Unternehmen in China sind täglich mit solchen Problemen konfrontiert. Unsere Auswahl an skurrilen Meldungen soll nur als Beispiel dienen; wir möchten dazu beitragen, die Dinge in China für Sie so verständlich wie möglich zu machen.
Dass der Vizevorsitzende der mächtigen Versicherungsaufsichtsbehörde der VR China zu einer neu geschaffenen Möglichkeit zur - staatlich subventionierten - Versicherung von lebenden Schweinen Stellung nimmt, ist durchaus verständlich, schliesslich stellt der Staat 1,15 Milliarden RMB (115 Millionen EUR) an Subventionen zur Verfügung. Ohne diese Subventionen war eine Versicherung für die Schweinezüchter bisher nicht attraktiv genug.
Tatsächlich gibt es auf regionaler Ebene bereits seit mehreren Jahren Bemühungen, Schweinezüchter versicherungstechnisch abzusichern. In der Provinz Jiangsu etwa wurden Versicherungsbeiträge nicht bei den Züchtern, sondern bei den Schlachtbetrieben eingezogen, nur bei den Zuchttieren erfolgte die Einziehung der Gebühren bei den Zuchtbetrieben selbst.
Die Auszahlung von Entschädigungen ist aber an Bedingungen geknüpft - und genau hier liegt der Sinn dieses Instruments. Denn das Ziel ist insbesondere eine wirksamere Seuchenbekämpfung. Ganz offen geben etwa die Behörden der Provinz Jiangsu zu, dass die Abwehrkräfte der Zuchtschweine gering und ihre Sterbequote hoch sei, was überwiegend auf die mangelnden Zuchtbedingungen zurückzuführen sei. Wenn aber die Schadensregulierung im Rahmen einer Versicherung an bestimmte Bedingungen geknüpft ist, kann die Anreizstruktur für die Zuchtbetriebe im Sinne des Seuchenschutzes gestärkt werden.
Mit den neuen Verwaltungsvorschriften verlagert die chinesische Regierung die Versicherung von Schweinen in den Bereich der kommerziellen Versicherungsgesellschaften. Wenn auch mit staatlicher Beihilfe, so wird auf diese Weise dennoch der marktwirtschaftliche - und möglicherweise korruptionsresistentere - Grundstein für eine Verbesserung der Hygienebedingungen in der chinesischen Schweinezucht gelegt. Wenn das Projekt gelingt, profitieren der Verbraucherschutz, die Züchter und der chinesische Finanzsektor gleichermaßen. Die ersten fünf mit entsprechenden Lizenzen ausgestatteten chinesischen Versicherungsgesellschaften zumindest geben sich angesichts der neuen Möglichkeiten begeistert. Ob die ausländisch investierten Versicherungsgesellschaften in China überhaupt von diesen Entwicklungen wussten? Wahrscheinlich hätten sie über "Schweineversicherung" zunächst die Stirn gerunzelt. Angesichts der rund 500 Millionen in China lebenden Schweine erscheint die Materie dann aber wieder in einem wohligeren Licht.









