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Kein Kohlekraftwerk in Krefeld Uerdingen

01.08.200723:27 UhrEnergie & Umwelt

(openPR) In den letzten Monaten entstand der Eindruck, deutsche Politiker wären nur noch damit beschäftigt, unser Klima zu retten. Doch der Schein trügt, denn fast 30 neue Kohlekraftwerke sollen in den nächsten Jahren in Deutschland gebaut werden. Dabei sollen alte Kraftwerke nicht im gleichen Umfang stillgelegt werden. Die Stromkonzerne wollen die Kohlekraftwerke bauen, weil die Politik die falschen Anreize setzt. Über den Emissionshandel können sie mit neuen Kohlekraftwerken wesentlich mehr verdienen, als durch den Bau von klimafreundlicheren Gaskraftwerken. Jedes neue Kohlekraftwerk ist ein großer Rückschritt im Klimaschutz. Kohlekraftwerke sind mehr als doppelt so klimaschädlich wie moderne Gaskraftwerke. Mehr als die Hälfte der eingesetzten Energie geht als ungenutzte Wärme verloren. Darüber hinaus blasen sie jahrzehntelang Unmengen an Kohlendioxid in die Luft und behindern auf lange Zeit den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien.



Es regt sich Widerstand
Beim Klimaschutz dürfen wir keine Zeit mehr verlieren. Wenn wir das Schlimmste verhindern wollen, muss jetzt gehandelt werden. An vielen Orten regt sich Widerstand. So auch in Krefeld.
Die Bayer AG hat in den letzten Jahren zahlreiche Auszeichnungen für eine vorbildliche Reduktion klimaschädigender Treibhausgase erhalten. So wurde das Unternehmen unter anderem in den Climate Leadership des Carbon Disclosure Project aufgenommen und mit „Best-In-Class“ als bestes Unternehmen der Chemie-Branche ausgezeichnet. Dies ist eine konsequente Umsetzung der 2002 auf dem Weltgipfel in Johannesburg freiwillig festgesetzten Ziele, weltweit bis zum Jahr 2010 die emittierten Treibhausgase gegenüber dem Jahr 1990 um 50 Prozent zu reduzieren. Durch Anwendung modernster Technologien, der Schließung alter Anlagen, dem Bau neuer Kraftwerke, aber auch durch die Ausgliederung der Energieversorgung wurden die Klimaschutzziele bereits deutlich übertroffen. Weltweit sind Treibhausgasemissionen gegenüber dem Anfang der neunziger Jahre in den Bayer-Statistiken bereits jetzt um circa 70 Prozent reduziert.

Etwa um das Jahr 2015 herum ist es beabsichtigt, im Werk Uerdingen zwei relativ kleine Kohlekessel, die je 150 Tonnen Dampf pro Stunde produzieren, stillzulegen, während ein größerer Kohlekessel mit 400 Tonnen Dampf pro Stunde und vier weitere gasbefeuerte Kessel weiter betrieben werden können. Durch eine Ausgliederung der Dampfproduktion auf ein Kraftwerk der Firma Trianel (auf zu pachtendem Bayer-Gelände im Chemiepark Uerdingen) könnte dann auch der jahreszeitlich schwankende Bedarf an elektrischer Energie, der die Eigenproduktion übersteigt, gedeckt werden. Ein Kraftwerk mit 200 MW elektrischer Leistung wäre hierbei ausreichend. Berücksichtigt man dann noch den Wunsch der Stadtwerke Krefeld nach elektrischer Leistung in der Größenordnung von 100-150 MW, wäre ein umweltfreundliches Gas- und Dampfturbinenkraftwerk mit passender Kraft-Wärme-Kopplung von 350- 400 MW elektrischer Leistung voll ausreichend. Zur Zeit wird in Hamburg-Tiefstack vom Energiekonzern Vattenfall ein GuD-Heizkraftwerk mit gut abgestimmter Kraft-Wärmekopplung gebaut, das einen Gesamtwirkungsgrad von 90 Prozent erreichen soll.

Dennoch plant der Energiekonzern TRIANEL mit massiver Unterstützung durch Bayer ein großes, mit Importkohle befeuertes Kraftwerk mit ca. 750 MW elektrischer Leistung. Der elektrische Wirkungsgrad von nur 46 Prozent wird aufgrund der relativ geringen Dampfauskoppelung für den Chemiepark auf einen Gesamtwirkungsgrad von dann circa 51 Prozent nur relativ geringfügig erhöht. Da das Kraftwerk über Flusswasser gekühlt werden soll, wird somit etwa die Hälfte der Energie, die unter hohen Umweltbelastungen aus Südafrika, Australien oder Kolumbien über die Weltmeere transportiert worden ist dazu verwendet, den Rhein aufzuheizen. Es ist außerdem absehbar, dass zukünftig immer häufiger in den Sommermonaten das Großkraftwerk heruntergefahren oder abgeschaltet werden müsste, da der Rhein wegen des Rückgangs der Gletscher und zunehmender Dürrephasen eine zu geringe Wasserführung aufweist. Eine Bereitstellung von Dampf für den Chemiepark wäre somit gefährdet. Aus Kostengründen verzichtet man auf den Bau eines Kühlturms und beabsichtigt die Kühlwasserentnahme von 25000 Liter pro Sekunde aus dem Rhein. Dieses Wasser wird um bis zu zehn Grad (zehn Kelvin) erwärmt und gelangt dann wieder zurück in den Rhein.

Im geplanten Kohlekraftwerk würden jährlich mindestens 4,4 Millionen Tonnen CO2 produziert. Zum Vergleich: Würden alle Bewohner Australiens ihre Glühlampen durch Energiesparlampen ersetzen, würden jährlich drei Millionen Tonnen an CO2 eingespart! Bezüglich der CO2-Freisetzung unterscheiden sich die verschiedenen Brennstoffe ebenfalls erheblich. Im Vergleich zur Steinkohle erzeugt Erdgas etwa die Hälfte des Treibhausgases (56 Prozent). In Zukunft wird Biogas, das ins Erdgasnetz eingespeist werden kann, zunehmend die Abhängigkeit von fossilem Erdgas vermindern, das zur Zeit in Deutschland zu etwa 62 Prozent aus Norwegen, Dänemark, den Niederlanden und England importiert wird. Das Ergebnis einer Studie, die unter anderem von den Stadtwerken Aachen in Auftrag gegeben wurde, zeigt auf, dass bis zum Jahr 2020 der gesamte Erdgasbedarf Europas durch eigenes Biogas ersetzt werden könnte und dabei 2,7 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen würden. 200.000 Tonnen Steinkohleverbrennung monatlich bewirken neben der gewaltigen Emission an CO2 auch eine hohe Emission anderer Schadstoffe. Aus dem Schornstein entweichen bei Normalbetrieb trotz Filteranlagen jährlich über: 500 kg Cadmium, 500 kg Thallium, 600 kg Quecksilber, 1000 kg Arsen, 2000 kg Nickel, 6000 kg Blei, 400 t Staub, 4000 t Schwefeloxide und 4000 t Stickoxide. Hinzu kommen dann noch die verkehrsbedingten Zusatzbelastungen (u.a. Feinstaub durch Lkws) für den Transport der Betriebsstoffe und die Entsorgung der Abfälle.
So sollen auf dem Gelände des Chemieparks gelagert werden: 2,5 Millionen l Heizöl, 280 000 t Kohle in einem offenen, mit Abwehungen verbundenen Kohlelager, bis zu 4900 t Gips, bis zu 4800 t Flugasche, bis zu 600 t Kesselasche und bis zu 720 t Kalksteinmehl.

Die Umweltverbände NABU, BUND, NUV und das Umweltforum Duisburg lehnen das Steinkohlekraftwerk in Krefeld zusammen mit dem “Werbering Krefeld-Uerdingen” und der “Ärzteinitiative gegen das Kohlekraftwerk Uerdingen” entschieden ab. Auch der Krefelder Stadtrat hat am 08.03.2007 dieses Steinkohlekraftwerk abgelehnt und damit ein bundesweit beachtetes Klimaschutzsignal gegen Kohlekraftwerke ausgesendet. Diese Entscheidung scheint gerade zu kippen. Die Krefelder CDU wie auch mehrheitlich die anderen im Krefelder Stadtrat vertretenen Fraktionen wollen zwar das geplante Kraftwerk weiter ablehnen. Allerdings unterstütze die Krefelder CDU-Fraktion auch das “Anliegen des Bayer-Chemieparks, durch eine umweltfreundliche und kostengünstige Energieversorgung dauerhaft zu sichern und wirtschaftlich zu stärken”. Allerdings heißt das auch zu prüfen unter welchen Bedingungen “das vorgesehene Kraftwerk noch zu vertreten ist”.

Die FDP scheint das Thema von vorne herein abzuwiegeln:
“Bevor man Menschen mobilisiert, sollte man sich zunächst immer erst mit den Fakten und tatsächlichen Möglichkeiten beschäftigen, dann kommt man mitunter zu anderen Ergebnissen als zu spontanen Aktionen aus dem Bauch heraus”, so Herr Wolters von der FDP in einem Interview mit der Rheinischen Post vom 05.07.2007. “Man sollte hier nicht so oft mit den Ängsten der Menschen Politik machen. Oft stellen diese sich später als unbegründet heraus.” Die Krefelder Grünen hingegen unterstützen die lokalen Umweltverbände und kritisieren die Alternative eines Gaskraftwerks werde von Bayer und Trianel nicht ernsthaft geprüft.

Trotz dieser breiten Ablehnung macht die Bayer-Werksleitung gebetsmühlenartig den Versuch, die Mitarbeiter des Chemieparks und deren Angehörige mit Arbeitsplatzverlustängsten zu verunsichern. Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie wird dabei instrumentalisiert. Ein Gesprächsangebot der Umweltverbände an die Gewerkschaft wurde bis heute ignoriert. Noch schlimmer: Der Wunsch eines Umweltschützers, an einer Informationsveranstaltung der Gewerkschaft (18.04.2007) auf dem Bayer-Gelände als Zuhörer teilnehmen zu dürfen wurde explizit abgelehnt! Insgesamt stellt die Planung eines Steinkohlekraftwerks und die Ignoranz gegenüber umweltverträglicheren Alternativen einen Großangriff auf das Klima, Flora, Fauna und Mensch dar. Die Bürger in Krefeld und Umgebung wollen sich dies aus Klimaschutzgründen einerseits und wegen der bereits sehr hohen Gesundheitsbelastung der Einwohner andererseits nicht gefallen lassen. Deshalb rufen die Krefelder Naturschutzverbände zum offenen Dialog auf.

Weitere Informationen unter: www.nuv-online.de

Quellen:
http://nuv-online.de
http://vorort.bund.net/klimaschutz/publikationen/publikationen_80/publikationen_364.htm
http://vorort.bund.net/klimaschutz/publikationen/publikationen_80/publikationen_349.htm

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