openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Lebertumor: Über Gut & Böse entscheiden zwei Signalwege

30.07.200712:52 UhrGesundheit & Medizin
Bild: Lebertumor: Über Gut & Böse entscheiden zwei Signalwege
Metastastische Leberkrebszellen in einer 3-dimensionalen Gelmatrix.
Metastastische Leberkrebszellen in einer 3-dimensionalen Gelmatrix.

(openPR) Die Verknüpfung zweier Signalwege in Zellen des Lebertumors hat deutlichen Einfluss auf dessen Bösartigkeit. Entscheidend für diese Verknüpfung ist dabei die Aktivierung des Botenmoleküls "Platelet-Derived Growth Factor" (PDGF). Diese Erkenntnis über die Entwicklung des Leberkrebses wurde im Rahmen eines aktuellen Projekts des Wissenschaftsfonds FWF gewonnen und nun im Journal Oncogene veröffentlicht. Tatsächlich nehmen Lebertumorzellen, bei denen die Signalwege verbunden wurden, Eigenschaften von Krebsstammzellen an, die sich grundsätzlich einer Chemotherapie widersetzen. Das neue Verständnis der beteiligten Signalübertragungswege bietet zukünftige Ansätze für modifizierte Therapien.



Wenn aus Epithelzellen Zellen des Mesenchyms werden, kann das gut sein – oder schlecht. Gut ist dies während der Embryonalentwicklung, bei Entzündungen oder bei Gewebeerneuerung. Sehr schlecht ist es, wenn diese als "Epithelial to Mesenchymal Transition" (EMT) bezeichnete Umwandlung in Krebszellen auftritt. Denn Krebszellen erhalten so die Fähigkeit, in andere Gewebe auszuwandern – also die Fähigkeit, Metastasen zu bilden.

SUPPRESSOR ODER AGGRESSOR?
Die Beteiligung eines Signalwegs des "Transforming Growth Factor" (TGF)-Beta an der EMT war bereits bekannt. Da dieser Botenstoff aber die Zellvermehrung eher verhindert und sogar Zellen für einen körpereigenen Schutzmechanismus empfindlich macht, war er bisher eher als Tumor-Suppressor betrachtet worden. Seit kurzem weiß man nun aber auch, dass TGF-Beta in Zellen, die bereits entartet sind, zu deren Aggressivität beiträgt. Wie genau dies passiert, war aber bislang nicht bekannt.

Jetzt gelang es dem Team um Prof. Wolfgang Mikulits vom Institut für Krebsforschung der Medizinischen Universität Wien, einen großen Schritt zum besseren Verständnis dieser Vorgänge zu machen. Sie fanden heraus, dass der Signalweg des TGF-Beta über die Aktivierung des Platelet-Derived Growth Factor (PGDF) die Anreicherung eines weiteren Botenstoffes bewirkt, der bisher nicht in Zusammenhang mit dem Signalweg des TGF-Beta gebracht wurde: Beta-Catenin.

Dazu Prof. Mikulits: "PGDF ist also quasi eine Brücke, die zwei bisher als unabhängig betrachtete Signalwege miteinander verbindet. Diese Entdeckung war in sich selbst schon spannend. Als wir aber dann die Wirkung des Beta-Catenin weiter untersuchten, wurden wir völlig überrascht."

LANGSAM & UNEMPFINDLICH
Bisher war Beta-Catenin eher mit einer erhöhten Zellteilungsrate – also schnellerem Tumorwachstum – in Zusammenhang gebracht worden. Das Team um Prof. Mikulits konnte aber in Zellkulturen ein ganz anders Zellverhalten in Reaktion auf Beta-Catenin feststellen: "Wir beobachteten, dass es tatsächlich Beta-Catenin war, das die Verminderung der Zellteilungsrate verursachte. An sich ist das ja keine schlechte Sache für einen Tumor, doch macht dies die Zellen als Ziel für eine Chemotherapie ungeeignet. Zusätzlich wiesen die Zellen, in denen Beta-Catenin vorkam, noch eine andere Eigenschaft auf. Sie waren weniger anfällig für einen natürlichen Schutzmechanismus des Körpers, der Zellen eliminiert, die aus Organen abwandern." Diese beiden Merkmale – geringe Teilungsrate und Entkommen der Schutzmechanismen – sind bei Tumorzellen aber als typische Eigenschaften von Krebsstammzellen bekannt – also von Zellen, die durch den Blutstrom verbreitet und an anderen Stellen neue Tumore erzeugen können: Metastasen.

Die Verbindung der Signalwege von TGF-Beta und Beta-Catenin durch PGDF trägt also zur Aggressivität des Lebertumors entscheidend bei – und bietet so einen neuen Angriffspunkt für zukünftige Therapien von Leberkrebs. Aber bereits jetzt zeigen die Ergebnisse dieses FWF-Projekts Möglichkeiten auf, die Therapie des Leberkrebses zu optimieren. Die Anhäufung von Beta-Catenin in Krebszellen lässt sich nämlich bereits vor Therapiebeginn diagnostizieren. In weiterer Folge könnte dann die Behandlung auf die Aggressivität des Tumors abgestimmt werden.


Bild und Text ab Montag, 30. Juli 2007, 09.00 Uhr MEZ verfügbar unter:
http://www.fwf.ac.at/de/public_relations/press/pv200707-3de.html


Originalpublikation:
Alexandra N. Fischer, Eva Fuchs, Mario Mikula, Heidemarie Huber, Hartmut Beug and Wolfgang Mikulits. 2007. PDGF essentially links TGF-beta signaling to nuclear beta-catenin accumulation in hepatocellular carcinoma progression. Oncogene 26:3395.

Wissenschaftlicher Kontakt:
Prof. Wolfgang Mikulits
Medizinische Universität Wien
Institut für Krebsforschung
1090 Wien
T +43 / 1 / 4277 - 65250
F +43 / 1 / 4277 - 65239
E E-Mail

Der Wissenschaftsfonds FWF:
Mag. Stefan Bernhardt
Haus der Forschung
Sensengasse 1
1090 Wien
T +43 / 1 / 505 67 40 - 8111
E E-Mail

Redaktion & Aussendung:
PR&D - Public Relations for Research & Development
Campus Vienna Biocenter 2
1030 Wien
T +43 / 1 / 505 70 44
E E-Mail

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 149091
 145

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Lebertumor: Über Gut & Böse entscheiden zwei Signalwege“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von Wissenschaftsfonds FWF

Überwachung auf Facebook und Co – NutzerInnen wissen wenig
Überwachung auf Facebook und Co – NutzerInnen wissen wenig
Ein Projekt des Wissenschaftsfonds FWF hat untersucht, welche Rolle Überwachung und Privatsphäre bei den Nutzerinnen und Nutzern sozialer Medien spielen. 90 Prozent der Befragten sind besorgt um ihre Privatsphäre, haben aber wenig Wissen über Datenüberwachung. Die Zahlen sprechen für sich: Knapp 3,5 Millionen Österreicherinnen und Österreicher sind auf Facebook registriert, bei Personen bis zu 26 Jahren sind es über eine Million. Auf Platz zwei und drei der beliebtesten Online-Netzwerke folgen, laut einer Umfrage der Online-Agentur Liechten…
Filmreife Forschung im Indischen Ozean
Filmreife Forschung im Indischen Ozean
Studie über negative Konsequenzen von Katastrophenhilfe verfilmt Die Katastrophenhilfe nach dem Tsunami 2004 war gut gemeint – bewirkte aber nicht nur gute Ergebnisse. Das zeigte ein vom Wissenschaftsfonds FWF unterstütztes Projekt, in dem der Wiederaufbau auf der Inselgruppe der Nikobaren im Indischen Ozean untersucht wurde. Dabei wurden dramatische Konsequenzen der Hilfsleistung auf die traditionelle Lebensweise der indigenen Bevölkerung dokumentiert. Diese "Katastrophe nach der Katastrophe" und die Ergebnisse des Forschungsprojekts wurden…

Das könnte Sie auch interessieren:

Bild: Gut oder Böse - wie überleben wir am besten? - Nachdenklich stimmendes Buch über Wille und SelbstbewusstseinBild: Gut oder Böse - wie überleben wir am besten? - Nachdenklich stimmendes Buch über Wille und Selbstbewusstsein
Gut oder Böse - wie überleben wir am besten? - Nachdenklich stimmendes Buch über Wille und Selbstbewusstsein
Martina Kleinlein reflektiert in "Gut oder Böse - wie überleben wir am besten?" über den menschlichen Willen und die Wahl zwischen Gut und Böse. Drogenkonsum zu Prüfungen, Sekten, kriminelle Vereinigungen - Jugendliche und junge Erwachsene sehen sich heutzutage immer mehr mit Entscheidungen zwischen gutem und "bösem" Verhalten konfrontiert. Oft wollen …
Bild: Altern im Zeitraffer – durch DNA-SchädenBild: Altern im Zeitraffer – durch DNA-Schäden
Altern im Zeitraffer – durch DNA-Schäden
… Stunden schon erstaunliche Ähnlichkeiten zu Tieren in fortgeschrittenem Alter zeigten. Sie verglichen dabei in umfassender Weise Proteine, den Fetthaushalt, den Stoffwechsel und Signalwege. Als den besonderen „Aha-Moment“ beschreibt Schumacher den Augenblick, als sie feststellten, dass sämtliche Veränderungen, die sie aus den alten Tieren kannten, nach …
Bild: Der ultimative Kampf zwischen Gut und BöseBild: Der ultimative Kampf zwischen Gut und Böse
Der ultimative Kampf zwischen Gut und Böse
… Zeit das pure Böse verkörpern. Ab und zu will man ein Eis essen, mit den Kindern spielen, kacken. Selbst die Bösesten sind Menschen wie wir.“ Lach- und Sachgeschichten über das allgegenwärtige Grauen, die Ambivalenz von Gut und Böse und das Absolute im Wahnsinn und der kollektiven Dummheit. Über den Autor: Kristjan Knall kommt vom Kampfstern Ironika …
Bild: Das Böse -  ein philosophisches Buch setzt sich mit der Zerstörung der Ethik auseinanderBild: Das Böse -  ein philosophisches Buch setzt sich mit der Zerstörung der Ethik auseinander
Das Böse - ein philosophisches Buch setzt sich mit der Zerstörung der Ethik auseinander
… hervorriefen. Dazu kamen Krankheiten, Behinderungen oder "böse" Naturereignisse. Die Philosophie hat daraus aber einen Streit um abstrakte Begriffe gemacht, der bis heute nicht überwunden ist. Dabei wird aber der betroffene Mensch weitgehend vergessen. Es geht in "Das Böse" von Peter Schlabach um Themen wie Rücksichtslosigkeit, amoralisches Verhalten, …
Bild: Anton Bergers Fantasyroman „Mondprinzessin-Mondgöttin“, veröffentlicht in der Weimarer Schiller-PresseBild: Anton Bergers Fantasyroman „Mondprinzessin-Mondgöttin“, veröffentlicht in der Weimarer Schiller-Presse
Anton Bergers Fantasyroman „Mondprinzessin-Mondgöttin“, veröffentlicht in der Weimarer Schiller-Presse
… angereist, um seine Liebste kämpfen zu sehen. Doch es kommt anders. Während auf dem Mond die ersten Wettkämpfe in vollem Gange sind, nähert sich eine eisige Bedrohung. Die Herrscherin über einen Eiskometen zieht durch das All und verleibt ihrer Sammlung von „Eiskugeln“ einen Planeten nach dem anderen ein. Sie hat es auch auf die Erde abgesehen. Wird …
Bluthochdruckforscherin kommt ans BIH und Charité: Ute Scholl tritt BIH Johanna Quandt Professur
Bluthochdruckforscherin kommt ans BIH und Charité: Ute Scholl tritt BIH Johanna Quandt Professur
… hormonbildenden Nebennierentumoren zu dieser Form des Bluthochdrucks beitragen. Infolge der mutierten Ionenkanäle strömt zu viel Kalzium in die Zellen ein. Dadurch werden Signalwege angeschaltet, die zu einer verstärkten Aldosteronproduktion sowie zu einer verstärkten Zellteilung führen. Selten werden solche Mutationen auch in Familien vererbt und lösen …
Pflanzlicher Wirkstoff gegen Prostatakarzinom
Pflanzlicher Wirkstoff gegen Prostatakarzinom
… Gegenspieler des Testosterons und kann so auch das Wachstum von Tumorzellen bremsen. Bei der Entstehung eines bösartigen Tumors der Prostata sind diese hormonabhängigen Signalwege aber in vielen Fällen gestört. Infolge der genetischen Veränderungen (Mutationen) geht dann vom Östrogen der gleiche wachstumsfördernde Stimulus aus wie vom Testosteron. Die …
Bild: IZPP ist neue Online-Zeitschrift für Philosophie und PsychosomatikBild: IZPP ist neue Online-Zeitschrift für Philosophie und Psychosomatik
IZPP ist neue Online-Zeitschrift für Philosophie und Psychosomatik
… philosophische Strömungen darzustellen. Die erste Ausgabe widmet sich unter anderem dem Schwerpunktthema „Gut und Böse“. Nach einer philosophischen Ausführung von Joachim Heil „Wie reden wir über das Böse?“, widmet sich der Psychotherapeut Udo Röser unter dem Titel „Die Banalität des Guten“ eigenen Eindrücken zum Spannungsfeld zwischen Gut und Böse aus …
Bild: Die Hölle liegt im Himmel - Bewusstseinserweiterung von der Dualität in die EinheitBild: Die Hölle liegt im Himmel - Bewusstseinserweiterung von der Dualität in die Einheit
Die Hölle liegt im Himmel - Bewusstseinserweiterung von der Dualität in die Einheit
… den Himmel zu kommen. Doch in der Dualität gibt es nichts Gutes ohne das Böse. Ein Mensch, der sich für gut hält, erfüllt die ihm überlieferten Wertmaßstäbe und verdrängt, was nicht dazu passt. Dieser Verdrängungsprozess beginnt schon unbemerkt in der Kindheit. Durch die unterschiedlichen Wertmaßstäbe der Menschen und Menschengruppen entstehen dann …
Bild: Die Hölle liegt im Himmel (Spiritualität)Bild: Die Hölle liegt im Himmel (Spiritualität)
Die Hölle liegt im Himmel (Spiritualität)
… den Himmel zu kommen. Doch in der Dualität gibt es nichts Gutes ohne das Böse. Ein Mensch, der sich für gut hält, erfüllt die ihm überlieferten Wertmaßstäbe und verdrängt, was nicht dazu passt. Dieser Verdrängungsprozess beginnt schon unbemerkt in der Kindheit. Durch die unterschiedlichen Wertmaßstäbe der Menschen und Menschengruppen entstehen dann …
Sie lesen gerade: Lebertumor: Über Gut & Böse entscheiden zwei Signalwege