(openPR) Häufig nehmen Schizophrene ihre Medikation in einer falschen Dosierung oder überhaupt nicht ein. Wiederholte Komplikationen und Hospitaleinweisungen sind u.U die Folge. Hat der Arzt den Therapieplan jedoch mit dem Patienten gemeinsam erarbeitet, ist eine korrekte Medikamenteneinnahme wahrscheinlicher, stellte Dr. Johannes Hamann (TU München) in einer Studie fest.
"Shared decision making" lautet die Empfehlung: Arzt und Patient entscheiden gemeinsam. Professor Dr. Dr. Martin Härter und Kollegen (Freiburg/Breisgau) haben auf der Basis eines gleichnamigen Kongresses etwa 160 Studien zum Thema zusammengestellt. In der Gesamtschau lassen die Untersuchungen erkennen, dass bestimmte Patientengruppen von gemeinsamen Entscheidungen profitieren - andere wiederum nicht. Daraus folgt das Postulat: Zu den Überlegungen des Diagnostikers wird zunehmend die Frage gehören, ob und wieweit ein "Shared decision making" dem jeweiligen Patienten guttut.
Dr. Sascha Köpke (Universität Hamburg) verglich zwei Gruppen von MS-Kranken miteinander: Ein Teil erhielt lediglich die üblichen Standardinformationen. Die anderen Patienten wurden in einem vierstündigen Edukationsprogramm mit einem reichlichen Detailwissen versorgt und auf diese Weise entscheidungsfähiger; dennoch erlitten sie kaum weniger Rückfälle und waren auch in der objektiv messbaren Lebensqualität kaum bevorzugt; dabei wurde erkennbar, dass die reichlich Informierten in kritischen Situationen unabhängiger entschieden und von den (nebenwirkungsstarken) Medikamenten weniger Gebrauch machten.
Für Dr. Svetla Loukanova (Universität Heidelberg) sind mündige ("empowered") Patienten wichtige Mitglieder im Gesundheitswesen - insbesondere im Hinblick auf die wachsende Komplexität der Medizin.
Viele Kliniken begrüßen es, wenn ihre Brustkrebs-Patientinnen von Doris C. Schmitt (Mamazone e.V., Radolfzell) in Seminaren auf die Gespräche mit dem Arzt vorbereitet werden. Die Patientin und Kommunikationstrainerin postuliert: "Informierte, kompetente Patientinnen sind Expertinnen ihrer Krankheit und sollten gemeinsam mit ihrem Arzt die Therapie bestimmen ..."
Martin Härter, Daniela Simon, Andreas Loh (Hrsg.):
Shared Decision Making
256 Seiten, Pabst, ISBN 978-3-89967-377-7






