openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Neue Methode zeigt, was eine Zelle vor Tagen gemacht hat

(openPR) Was eine Zelle vor einigen Stunden oder Tagen getan hat, bleibt Forschenden meist verborgen. Sie können nur ihren aktuellen Zustand messen. Das ist ein Problem, wenn sie verstehen wollen, wie Immunreaktionen entstehen oder warum einzelne Krebszellen eine Therapie überleben.

Besonders aufschlussreich ist dabei, welche Gene in einer Zelle aktiv sind. Das gibt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern essenzielle Einblicke in die Funktion von Zellen und des Körpers. Sie messen dazu die RNA-Moleküle. Dies sind Abschriften der aktiven Gene. Damit erfassen die Forschenden allerdings nur die Genaktivität zum Zeitpunkt der Messung. Zudem lässt sich jede Zelle nur einmal untersuchen: Bei der RNA-Bestimmung wird sie zerstört.

Forschende am Departement Biosysteme der ETH Zürich in Basel haben nun eine Methode entwickelt, mit der sich RNA-Moleküle in Zellen archivieren lassen. Damit können sie erstmals nicht nur den aktuellen Zustand einer Zelle untersuchen, sondern auch rekonstruieren, welche Gene früher aktiv waren.

«Man sieht nicht mehr, dass die Reaktion überhaupt stattgefunden hat»

«Dieser Blick in die Vergangenheit ist unter anderem für Reaktionen einer Zelle interessant, die nur kurz dauern – und das sind viele: Immun- und Stressreaktionen sind nur einige Beispiele», erklärt Christopher Reinkemeier, Postdoc in der Gruppe von ETH-Professor Randall Platt. Bei solchen kurzandauernden Reaktionen schaltet ein äusserer Reiz bestimmte Gene an. Sobald der Reiz vorbei ist, fährt die Zelle diese Gene wieder herunter.

Im Rahmen einer Studie zeigten die Forschenden aus Basel, wie menschliche Zellen in Zellkultur auf einen Botenstoff des Immunsystems reagieren. «Wenn man mit der herkömmlichen Methode zu spät misst, sieht man nicht mehr, dass die Reaktion überhaupt stattgefunden hat», sagt Marcos Manero Carranza, Doktorand in Platts Gruppe und gemeinsam mit Reinkemeier Erstautor der Studie.

Wie das RNA-Archiv funktioniert

Für ihr zellinternes RNA-Archiv müssen die Forschenden RNA-Moleküle einfangen und sie vor ihrem natürlichen Abbau schützen. Denn RNA-Moleküle sind normalerweise nicht dafür gemacht, lange erhalten zu bleiben.

Die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen nutzen hierfür unter anderem ein Protein, das natürlicherweise in sogenannten Stressgranula vorkommt. Das sind RNA-Ansammlungen, die sich in Zellen unter Stress bilden, etwa bei einer Infektion. In solchen Situationen fährt die Zelle Teile ihres Stoffwechsels vorübergehend herunter und bewahrt RNA-Moleküle für später auf.

Dieses Stressgranula-Protein und zwei weitere Proteine haben die Forschenden biotechnologisch optimiert. So schufen sie ein System, das die RNA-Moleküle einer Zelle in einem Film rund um die Mitochondrien der Zellen konzentriert und sie dort vor RNA-abbauenden Enzymen abschirmt, die in den Zellen natürlicherweise vorkommen. Die Forschenden bringen die Bauanleitungen der drei optimierten Proteine über sogenannte Plasmide in die Zellen. Die Zellen setzen das Archivierungssystem dann in ihrem Innern selbst zusammen. Es lassen sich damit pro Zelle mehrere Tausend RNA-Moleküle über mehrere Tage archivieren.

Erforschen, wie es zu Krebsrückfällen kommt

Die neue Methode könnte es nun ermöglichen, in Zellen seltene Ereignisse aufzuspüren. Besonders nützlich könnte es werden, wenn Forschende erst im Nachhinein erkennen, welche Zellen für sie interessant sind. Sie können diese Zellen auswählen und anschliessend mithilfe des RNA-Archivs untersuchen, welche Gene darin zuvor aktiv waren.

Die Forschenden haben die neue Technologie zum Patent angemeldet und wollen sie weiterentwickeln, sodass sie in Zukunft auch in Tieren und in der Krebsforschung verwendet werden kann.

Ein möglicher Anwendungsbereich sind Tumorzellen, die eine Chemotherapie überleben. Solche Zellen können später zu einem Rückfall beitragen. Welche Zellen eine Behandlung überstehen werden und wie sie sich zuvor entwickelt haben, lässt sich heute nur schwer untersuchen.

«Welche Zellen sich zu solchen persistierenden Zellen entwickeln werden, ist nicht von vornherein bekannt und schlecht verstanden», sagt Reinkemeier. «Wenn wir unser System in der Krebsforschung einsetzen können, werden wir persistierende Zellen isolieren und in deren Vergangenheit blicken können. So können wir erforschen, wie sich diese Zellen bilden und entwickeln. Das könnte die Krebsforschung entschieden weiterbringen.»

wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Dr. Randall Platt, ETH Zürich, randall.platt(at)bsse.ethz.ch, +41 61 387 33 50

Originalpublikation:
Reinkemeier CD, Manero-Carranza M, Farouni R, Filice F, Klotz A, Schneider-Heieck K, Andermann TL, Platt RJ: Recordanelles for transcriptome-wide single-cell RNA recording in human cells. Nature Biotechnology, 21. Oktober 2026, DOI:10.1038/s41587-026-03327-6

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 1328094
 77

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Neue Methode zeigt, was eine Zelle vor Tagen gemacht hat“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von idw - Informationsdienst Wissenschaft

Bild: Ein Quantenaufzug im ZeitlupenvideoBild: Ein Quantenaufzug im Zeitlupenvideo
Ein Quantenaufzug im Zeitlupenvideo
Das verblüffende Verhalten der Elektronen ist in etwa so, als würde bei einer Fahrt mit dem Aufzug die Stockwerksanzeige nach „1“, „2“, „3“ unvermittelt auf „20“ springen. Die siebzehn Stockwerke dazwischen hat man nie durchlaufen – und doch kommt man im zwanzigsten Stockwerk an. Was nach einem unmöglichen Sprung klingt, ist in der Quantenwelt tatsächlich möglich. Man nennt solche Vorgänge Landau-Zener-Majorana-Übergänge und vermutet seit langem, dass sie eine zunehmend wichtige Rolle in der Hochgeschwindigkeitselektronik in Halbleitern spiel…
Bild: Innovationen in Museumsarbeit und Restaurierung: Die HTWK Leipzig auf der „MUTEC“ und „denkmal“ (5.-7.11.)
Innovationen in Museumsarbeit und Restaurierung: Die HTWK Leipzig auf der „MUTEC“ und „denkmal“ (5.-7.11.)
Rund 650 Aussteller werden in wenigen Tagen auf den internalen Fachmessen „MUTEC“ und „denkmal“ erwartet, die vom 5. bis 7. November 2026 parallel auf der Leipziger Messe stattfinden. Auch die HTWK Leipzig beteiligt sich sowohl an der MUTEC, der internationalen Fachmesse für Museums- und Ausstellungstechnik, als auch der „denkmal“, der europäischen Leitmesse für Denkmalpflege, Restaurierung und Altbausanierung. Kultur geht vor – Die Leipziger Museologie und Museumsvermittlung auf der „MUTEC“ Einer der 159 Aussteller der „MUTEC“ ist die Faku…

Das könnte Sie auch interessieren:

Bild: Neues Werkzeug für gezielten ProteinabbauBild: Neues Werkzeug für gezielten Proteinabbau
Neues Werkzeug für gezielten Proteinabbau
… Funktion verursachen Krankheiten. Um zu verstehen, wie einzelne Proteine arbeiten, entfernen Forscher sie aus einer Zelle und analysieren die Effekte. Bisher gab es dafür prinzipiell zwei Methoden: die Genschere CRISPR/Cas und die RNA-Interferenz, die auf Ebene von DNA und RNA wirken. Ihr Einfluss auf Proteine ist jedoch indirekt und braucht Zeit. Eine …
Bild: Auf der Suche nach den Besten: Neue Methode zur Identifikation von krebsbekämpfenden ImmunzellenBild: Auf der Suche nach den Besten: Neue Methode zur Identifikation von krebsbekämpfenden Immunzellen
Auf der Suche nach den Besten: Neue Methode zur Identifikation von krebsbekämpfenden Immunzellen
… Komponenten, die für den Therapieerfolg entscheidend sind, ausfindig zu machen, haben die Professoren Nathalie Rufer und Daniel Speiser der Universität Lausanne eine Methode entwickelt, mit deren Hilfe die Bindungsstärke zwischen Immunzellen und Krebszellen bestimmt werden kann. --- Das Immunsystem enthält Unmengen an Immunzellen – die sogenannten zytotoxischen …
Bild: In wenigen Minuten Krebsstammzellen isolieren und ausschaltenBild: In wenigen Minuten Krebsstammzellen isolieren und ausschalten
In wenigen Minuten Krebsstammzellen isolieren und ausschalten
Das IHP – Leibniz-Institut für innovative Mikroelektronik forscht im Rahmen des EU-Projekts "Sumcastec" an einer neuen Methode, die es möglich machen soll, Krebsstammzellen schneller zu erkennen und zu neutralisieren. --- Frankfurt (Oder). Um undifferenzierte Krebszellen zu isolieren, benötigt man derzeit Monate. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler …
Bild: Republik Kuba: Inhaftierter Bürgerrechtler mit geisteskranken Kriminellen in eine Zelle gesperrtBild: Republik Kuba: Inhaftierter Bürgerrechtler mit geisteskranken Kriminellen in eine Zelle gesperrt
Republik Kuba: Inhaftierter Bürgerrechtler mit geisteskranken Kriminellen in eine Zelle gesperrt
… in Santiago de Cuba eingesperrt. Dr. Fernández ist gezwungen, sich die Zelle mit regelmäßig wechselnden geisteskranken Inhaftierten zu teilen. Die IGFM verurteilt diese Methode der Gefängnisleitung und appelliert an die Europäische Union, bei der kubanischen Regierung zu intervenieren und sich für die sofortige Freilassung des gewaltlosen Dissidenten …
Bild: Innere Uhr: Biologen erforschen Mechanismus einer Hilfs-UhrBild: Innere Uhr: Biologen erforschen Mechanismus einer Hilfs-Uhr
Innere Uhr: Biologen erforschen Mechanismus einer Hilfs-Uhr
Forschende nutzen neue Methode zur Analyse bei Pflanzen Für den Nachweis von Genen, die die innere Uhr steuern, wird im Dezember der Nobelpreis für Medizin und Physiologie verliehen. Die geehrten Wissenschaftler untersuchten Fruchtfliegen, um den Biorhythmus zu erklären. Die Biochemikerin Professorin Dr. Dorothee Staiger von der Universität Bielefeld …
Bild: Airnergy schützt seine Marke „SPIROVITAL“Bild: Airnergy schützt seine Marke „SPIROVITAL“
Airnergy schützt seine Marke „SPIROVITAL“
… dies gilt auch für alle Wörter und Schreibarten, die mit dem Wort „SPIROVITAL“ gekoppelt sind: z. B. SPIROVITAL-Therapie, SPIROVITAL-Behandlung, SPIROVITAL-Methode oder SPIROVITALisierung. Gegen jede Zuwiderhandlung kann Airnergy im Sinne des Markenschutzrechts juristisch vorgehen. Die Spirovitalisierung, für deren Entwicklung das Unternehmen zahlreiche …
Bild: Hyperthermie-Zentrum Hannover: GalvanotherapieBild: Hyperthermie-Zentrum Hannover: Galvanotherapie
Hyperthermie-Zentrum Hannover: Galvanotherapie
Die alternative Krebstherapie kennt eine speziell schonende Behandlungsmethode, die auch im Hyperthermie-Zentrum erfolgreich angewendet wird. Entdeckt wurde die Methode bereits im 18. Jahrhundert von dem italienischen Biophysiker Luigi Galvani (1737–1789). Der Arzt und Anatom sah einen Zusammenhang zwischen Muskelbewegungen und Strom und wandte schwachen …
Bild: Forschende aus Graz & Berlin finden Weg zur Bestimmung krankheitsrelevanter genetischer Variationen
Forschende aus Graz & Berlin finden Weg zur Bestimmung krankheitsrelevanter genetischer Variationen
… entscheidenden Akteure für Krankheitsprozesse in der Zelle sind. ForscherInnen der Karl-Franzens-Universität Graz und des Max-Planck-Instituts für molekulare Genetik in Berlin haben nun eine Methode entwickelt, um die Funktion der sehr vielen kleinen Unterschiede innerhalb von Zellen zu untersuchen – und zwar in großem Umfang. --- Dabei ist es ihnen …
Wieviel wiegt das Leben?
Wieviel wiegt das Leben?
… entlockt. Doch das Gewicht lebender Zellen und dessen Veränderung in Echtzeit genau zu messen, war bisher nicht möglich. Es gab schlicht keine geeignete Messmethode. Neuartige Zellwaage mit hoher Auflösung Das ist nun anders: Wissenschaftler der Forschungsgruppe Biophysik unter der Leitung von ETH-Professor Daniel J. Müller haben in Zusammenarbeit mit …
Bild: Robert-Koch-Postdoktoranden-Preis für Virologie 2017 für Gisa Gerold
Robert-Koch-Postdoktoranden-Preis für Virologie 2017 für Gisa Gerold
… Inneren der Zelle unter dem Einfluss des Virus verändert. Somit konnten Sie und ihre Kollegen im Detail nachvollziehen, wie HC-Viren in Leberzellen eindringen. Die Methode hat die Wissenschaftlerin anhand des HC-Virus entwickelt, überträgt sie jedoch inzwischen auf andere Viren. „Sie ist deutlich schneller, als konventionelle Verfahren der Rezeptoridentifizierung …
Sie lesen gerade: Neue Methode zeigt, was eine Zelle vor Tagen gemacht hat