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Homeoffice: Wunsch und Wirklichkeit klaffen häufiger auseinander

29.07.2026 • 09:04 Uhr • Politik, Recht & Gesellschaft

(openPR) Die Coronakrise hat der Arbeit in den eigenen vier Wänden zu einem nachhaltigen Durchbruch verholfen: Mittlerweile sei offensichtlich, dass sich die Entwicklung nicht rückgängig machen lässt, erklärt Dr. Helge Emmler. Der WSI-Forscher hat die aktuelle Situation in Sachen mobile Arbeit untersucht und dafür Daten des WSI-Erwerbspersonenpanels ausgewertet. Seinen Ergebnissen zufolge hat sich an der Verbreitung zuletzt wenig geändert, wobei es deutliche Unterschiede vor allem zwischen Beschäftigten mit und ohne Hochschulabschluss gibt. Hybride Modelle, bei denen sich Homeoffice und Arbeit im Betrieb abwechseln, entsprechen am besten den Bedürfnissen der meisten Beschäftigten, die zu rund zwei Dritteln mit den bestehenden Regelungen zufrieden sind oder allenfalls ein wenig öfter zu Hause arbeiten möchten. Diejenigen, deren Bedürfnisse klar von der betrieblichen Realität abweichen, sind deutlich öfter von starker beruflicher Belastung und gesundheitlichen Problemen betroffen.

Für das WSI-Erwerbspersonenpanel wurden in 15 Erhebungsrunden seit dem Frühjahr 2020 zunächst knapp 7700, zuletzt rund 6200 Personen befragt. Emmlers Auswertung zufolge hat der erste Corona-Lockdown im März 2020 eine „schlagartige und in dieser Größenordnung auch seither nicht wieder beobachtete Ausbreitung von mobiler Arbeit“ verursacht. Der Anteil derjenigen, die ausschließlich im Betrieb arbeiten, war von 83 Prozent im Januar 2020 auf 53 Prozent im April 2020 eingebrochen. Seit etwa Mitte 2021 sind, von geringen Schwankungen abgesehen, etwa zwei von drei Erwerbstätigen nur im Betrieb tätig, jede und jeder Vierte an wechselnden Orten. Es sei anzunehmen, dass hinter diesem Trend für rund ein Viertel der Beschäftigten eine neue Normalität von etwa zwei bis drei Tagen Homeoffice pro Woche steckt, heißt es in der Studie.

Um den aktuellen Stand zu erfassen, hat der WSI-Experte Ergebnisse der Befragungswellen im November 2024 und 2025 analysiert, in denen die Teilnehmenden ausführliche Angaben zu mobiler Arbeit gemacht haben. Dabei hat er sich auf abhängig Beschäftigte konzentriert. Von denen haben zuletzt 64,5 Prozent ihre Arbeitszeit ausschließlich im Betrieb oder maximal zu einem Zehntel zu Hause verbracht. Bei Akademikerinnen und Akademikern ist die Quote mit 36,6 Prozent deutlich geringer als bei Beschäftigten mit Berufsausbildung mit 69 Prozent – wobei sich der Abstand im Vergleich zu 2024 ein wenig verringert hat. In Ostdeutschland ist der Anteil mit 71,2 Prozent höher als im Westen mit 63,3 Prozent (siehe auch die Abbildung in der pdf-Version dieser PM; Link unten). Auch diese Differenz ist rückläufig. Die Branchen Energieversorgung, Medien, Finanzen und öffentliche Verwaltung stechen durch einen hohen Anteil hervor. In den Bereichen Bau, Erziehung, Gastgewerbe, Gesundheit, Handel, Verkehr und Logistik ist Homeoffice dagegen weniger verbreitet.

Ein Großteil dieser Unterschiede hängt laut der Analyse mit der Natur der jeweiligen Tätigkeiten zusammen: Dass sie ihre Aufgaben uneingeschränkt oder zu einem Großteil zu Hause erfüllen könnten, sagen 38 Prozent der Beschäftigten. Von den geeigneten Tätigkeiten werden 65 Prozent zumindest zu einem Viertel im Homeoffice erledigt, 46 Prozent sogar überwiegend. Bei den Beschäftigten mit akademischen Abschlüssen und geeigneten Jobs ist die Quote derjenigen, die mindestens die Hälfte ihrer Arbeitszeit zu Hause ableisten, gegenüber 2024 von 57 auf 52 Prozent zurückgegangen. Das deute darauf hin, dass sich in dieser Gruppe zunehmend zwei statt drei Tage Homeoffice durchsetzen, schreibt Emmler.

-Unzufriedenheit ist ungesund-

Der Auswertung zufolge entsprechen die betrieblichen Regelungen nicht immer den Wünschen der Beschäftigten: Diejenigen, deren Aufgaben sich dafür eignen, würden im Schnitt gern gut die Hälfte ihrer Arbeitszeit zu Hause verbringen, tatsächlich ist es etwas mehr als ein Drittel. Insgesamt möchte ein Viertel den Anteil der Zeit im Homeoffice um 30 Prozentpunkte oder mehr erhöhen, ein Zehntel möchte weniger dort arbeiten. Rund zwei Drittel sind zufrieden oder wünschen sich allenfalls geringfügige Änderungen. Besonders groß ist der Anteil der Unzufriedenen, deren Wünsche stark von der tatsächlichen Situation abweichen, mit 29,4 Prozent bei Beschäftigten, die von Return-to-Office-Initiativen betroffen sind. Bei Beschäftigten mit Kindern ist die Quote mit 28,3 Prozent ebenfalls hoch.

Diese Unzufriedenheit gehe mit gravierenden Belastungen einher, erklärt der Forscher. Von den Beschäftigten, deren Homeoffice-Präferenzen um 20 Stunden oder mehr von der tatsächlichen Regelung abweichen, klagen 18 Prozent über eine hohe Arbeitsbelastung und 28 Prozent über einen schlechten Gesundheitszustand. Bei denjenigen, die keinen Änderungsbedarf in Sachen Homeoffice haben, sind es nur 6 beziehungsweise 14 Prozent. Auch bei der Zufriedenheit mit dem Familienleben, der Freizeitgestaltung oder sozialen Kontakten schneiden Beschäftigte schlechter ab, die gern deutlich länger zu Hause arbeiten würden.

Dass die Homeoffice-Quoten sich nach Ende der Corona-Pandemie stabilisiert haben, sei grundsätzlich eine gute Nachricht, so Emmlers Fazit. „Denn mobile Arbeit hat sich nicht nur als probate Maßnahme des Infektionsschutzes, sondern als arbeitnehmerfreundliche Unterstützung der Work-Life-Balance und arbeitgeberseitiges Instrument zur Fachkräftesuche erwiesen.“ Er empfiehlt Unternehmen, den Wünschen der Beschäftigten entgegenzukommen, solange keine zwingenden betrieblichen Gründe dagegensprechen. Schließlich würde oft schon ein zusätzlicher Tag Homeoffice-Tag reichen, um diese Wünsche zu erfüllen.

„Die neue Studie unterstreicht: Das Potenzial, im Homeoffice zu arbeiten, ist noch nicht ausgeschöpft“, sagt Prof. Dr. Bettina Kohlrausch, die wissenschaftliche Direktorin des WSI. „Gerade für Frauen, die im Durchschnitt immer noch den ganz überwiegenden Teil der Sorgearbeit erledigen, also etwa Kindererziehung, Pflege von Angehörigen oder Arbeit im Haushalt, ermöglicht das Homeoffice Flexibilität bei der Vereinbarkeit, weil beispielsweise Zeit für Pendelwege gespart wird.“ Das Homeoffice sei jedoch kein Ersatz für ausreichende Kinderbetreuungsangebote, betont die Soziologin zugleich. Insbesondere in Zeiten hoher Spritpreise ermögliche mobile Arbeit generell auch eine finanzielle Entlastung.

wissenschaftliche Ansprechpartner:
Dr. Helge Emmler
WSI-Experte für Daten und Befragungen
Tel.: 0211-7778-603
E-Mail:

Rainer Jung
Leiter Pressestelle
Tel.: 0211-7778-150
E-Mail:

Originalpublikation:
*Helge Emmler: Arbeiten im Homeoffice – Wer es kann, wer es möchte und wer es darf. WSI-Report Nr. 115, Juli 2026. Download: https://www.wsi.de/de/faust-detail.htm?sync_id=HBS-009441

Die PM mit Abbildung (pdf): https://www.boeckler.de/data/pm_wsi_2026_07_29.pdf

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