(openPR) Die im Jahr 2021 eingeführte Grundrente verbessert die Einkommenssituation vieler Rentnerinnen und Rentner mit langen Erwerbsbiografien und niedrigen Einkommen. Eine neue Studie von Forschenden der Universität Regensburg in Kooperation mit der LMU München untersucht erstmals, wie sich die damit verbundene Rentenerhöhung auf die Erwerbstätigkeit im Ruhestand auswirkt. Im Fokus steht die Frage, inwieweit höhere Renteneinkommen dazu führen, dass Menschen nach Renteneintritt weniger arbeiten. Grundlage der Analyse sind umfassende Biografiedaten der Deutschen Rentenversicherung.
Die Ergebnisse zeigen: Höhere Renteneinkommen reduzieren die Erwerbstätigkeit im Ruhestand, der Effekt ist jedoch moderat. Ein zusätzlicher Rentenbetrag von 100 Euro senkt die Erwerbseinkommen im Durchschnitt um etwa 10 Euro. Konkret führte die Auszahlung eines durchschnittlichen Grundrentenzuschlags von rund 1.200 Euro pro Jahr zu einem Rückgang der jährlichen Erwerbseinkommen um etwa 120 Euro. Auffällig ist dabei: Rund zwei Drittel dieses Effekts gehen darauf zurück, dass Rentnerinnen und Rentner das Arbeiten vollständig einstellen oder nach einer Erwerbsunterbrechung weniger häufig in den Arbeitsmarkt zurückkehren. Die stärksten Reaktionen zeigen sich bei Rentnerinnen und Rentnern zu Beginn des Ruhestands, die dem Arbeitsmarkt noch vergleichsweise nahestehen. Ältere Jahrgänge reagieren deutlich schwächer.
„Unsere Ergebnisse zeigen einen realen, aber begrenzten Zielkonflikt: Maßnahmen zur Bekämpfung von Altersarmut können die Erwerbstätigkeit im Ruhestand verringern, was die Wirksamkeit solcher Maßnahmen nachhaltig schwächen kann“, sagt Carla Krolage, Professorin für Economic Data Science an der Universität Regensburg. „Der Effekt ist ökonomisch relevant und sollte bei der Bewertung von Rentenreformen berücksichtigt werden. In der vorliegenden Reform fallen die Verhaltenswirkungen jedoch deutlich kleiner aus als bei Transferleistungen an Personengruppen, die noch im Erwerbsleben stehen.“
Diese neuen Forschungsergebnisse ergänzen die kürzlich im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) durchgeführte Evaluierung der Grundrente durch die Universität Regensburg. Diese zeigte, dass die Grundrente die vorgesehenen Zielgruppen erreicht und die Einkommenslage von langjährig versicherten Geringverdienern im Alter verbessert. Zusammen zeichnen beide Analysen ein differenziertes Bild: Die Grundrente erfüllt ihre sozialpolitischen Ziele, geht aber trotzdem mit negativen Effekten auf die Erwerbstätigkeit im Ruhestand einher.
wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Dr. Carla Krolage
Lehrstuhl für Economic Data Science
Universität Regensburg
E-Mail:
Telefon: +49 941 943 308
Originalpublikation:
Kindermann, F., C. Krolage, S. Kunz, M. Pannier und K. Ströhlein (2026), „Pension Income and Post-Retirement Labor Supply“, CEPR Discussion Paper No. 21645.
https://cepr.org/publications/dp21645
VoxEU-Kolumne: „How higher pensions shape work after retirement: Lessons from Germany's Earned Income Pension Credit | CEPR”
https://cepr.org/voxeu/columns/how-higher-pensions-shape-work-after-retirement-lessons-germanys-earned-income
Krolage, C., F. Kindermann, K. Ströhlein und S. Kunz (2026), „Evaluierung der Grundrente“, Bericht für das Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Berlin.
https://www.bmas.de/DE/Service/Publikationen/Forschungsberichte/evaluierung-der-grundrente.html










