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Klöster sind digital flexibler als gedacht

(openPR) Klöster wirken wie das Gegenbild zur digitalen Hektik. Doch eine aktuelle Studie des Soziologischen Instituts und des Universitären Forschungsschwerpunkts «Digitale Religion(en)» der Universität Zürich (UZH) zeigt: Klöster sind keine schwerfälligen «Dinosaurier», sondern im Gegenteil erstaunlich anpassungsfähig im Umgang mit technologischem Wandel. Für ihre Untersuchung analysierten die UZH-Forschenden 112 Klöster in der Schweiz, Deutschland und Österreich und gingen der Frage nach, warum manche Organisationen selbst nach Jahrhunderten anpassungsfähig bleiben.

Alte Strukturen, neue Stärke
Die Forschenden beobachteten dabei einen überraschenden Effekt: Gerade jene historischen Strukturen, die ursprünglich für das spirituelle Gemeinschaftsleben geschaffen wurden, helfen Klöstern heute beim Umgang mit digitalen Technologien: Gemeinsame Beratung, lokale Verantwortung und dezentrale Entscheidungsprozesse erweisen sich dabei als Vorteil für die digitale Transformation.

In der Evolutionsbiologie wird ein solcher Prozess als «Exaptation» bezeichnet – also die Umnutzung bestehender Eigenschaften für einen völlig neuen Zweck. Das bekannteste Beispiel: Die Federn der Dinosaurier entwickelten sich ursprünglich als Wärmeschutz und ermöglichten Millionen Jahre später den Vogelflug. Ähnlich erhalten auch historische Organisationsformen in Klöstern heute eine neue Funktion. «Alte Formen der Mitbestimmung werden zu Werkzeugen für moderne Herausforderungen», erklärt Jan Danko, Studienerstautor und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Soziologischen Institut der Universität Zürich.

Selektive Nutzung
Allerdings wird die Digitalisierung in Klöstern keineswegs nur positiv gesehen. Besonders ältere Orden erleben Internet und Social Media oft als Eingriff in ihre sakralen Routinen. Ein Abt bringt es drastisch auf den Punkt: «Seit dem Smartphone ist die Klausur Geschichte». Gerade wegen dieser Vorsicht integrieren diese Gemeinschaften digitale Technologien oft besonders selektiv. Viele Klöster nutzen heute digitale Werkzeuge selbstverständlich – etwa für die interne Kommunikation, digitale Verwaltung oder ihre Webauftritte.
Partizipation, Tradition und Regeln
Entscheidend für den erfolgreichen Umgang mit Digitalisierung ist laut Studie vor allem die Art, wie Veränderungen eingeführt werden. Neue Technologien werden in Klöstern selten rein top-down verordnet, sondern gemeinschaftlich diskutiert und an das klösterliche Leben angepasst. Digitalisierung wird dabei nicht als Selbstzweck verstanden. «Klöster waren immer Orte der Innovation und zugleich der Tradition – darin muss kein Widerspruch liegen», sagt ein Mönch. Entsprechend werden digitale Werkzeuge gezielt dort eingesetzt, wo sie dem religiösen Auftrag dienen – etwa bei der Übertragung von Gottesdiensten. Gleichzeitig helfen jahrhundertealte Ordensregeln dabei, den digitalen Zugang bewusst zu steuern, beispielsweise durch die Vereinbarung von Offline-Zeiten während der Ausbildung neuer Mitglieder.

Mitbestimmung ist Voraussetzung
Die Studie widerspricht damit der verbreiteten Annahme, dass alte Organisationen zwangsläufig träge und innovationsfeindlich werden. Gerade historisch gewachsene Formen von Mitbestimmung und dezentraler Verantwortung verfügen über eine besondere Resilienz. In vielen Klöstern sind die «CEOs» von der Gemeinschaft gewählt und können jederzeit abgewählt werden. Bei wichtigen Entscheidungen werden alle einbezogen. Die Botschaft an die schnelllebige Wirtschaft ist laut Jan Danko: «Innovation gelingt dort am besten, wo neue Technologien lokal erprobt werden können und Betroffene zu Beteiligten werden.» Mitbestimmung ist so kein Hindernis für Erneuerung, sie ist ihre Voraussetzung.

Literatur
Jan Simon Danko, Katja Rost. Dinosaurs of the organizational landscape facing technological disruption: Liability of aging and exaptation in monastic orders. Research Policy. June 2026. DOI: https://doi.org/10.1016/j.respol.2026.105480

Die Studie basiert auf Befragungsdaten und der Auswertung der Webauftritte von 112 Klöstern aus dem DACH-Raum sowie ethnografischen Beobachtungen und Interviews in Benediktinergemeinschaften.
Kontakt
Dr. Jan Simon Danko
Soziologisches Institut
Universität Zürich
+41 44 635 23 76
E-Mail

wissenschaftliche Ansprechpartner:
Dr. Jan Simon Danko
Soziologisches Institut
Universität Zürich
+41 44 635 23 76
E-Mail

Originalpublikation:
Jan Simon Danko, Katja Rost. Dinosaurs of the organizational landscape facing technological disruption: Liability of aging and exaptation in monastic orders. Research Policy. June 2026. DOI: https://doi.org/10.1016/j.respol.2026.105480

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