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Komplexe Entscheidungen: Je schneller, desto besser

18.05.202609:38 UhrPolitik, Recht & Gesellschaft

(openPR) Im Schachspiel sind schnellere Entscheidungen von einer höheren Qualität. Das ist das Ergebnis einer Studie, die aktuell in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift PNAS erschienen ist. Das Forschungsteam, dem neben Professor Uwe Sunde von der LMU Wissenschaftler der Erasmus-Universität Rotterdam und der FernUni Schweiz angehören, analysierte Daten aus professionellen Schachpartien. Ihr Ziel war es, zu untersuchen, wie die Zeit, die für eine Entscheidung benötigt wird, mit deren Qualität zusammenhängt. Sunde und seine Kollegen sehen in dem Ergebnis einen Hinweis darauf, dass die Entscheidungsdauer die subjektiv empfundene Schwierigkeit des Problems widerspiegelt, die sich je nach Situation verändern kann.

Zusammenhang zwischen Schnelligkeit und Qualität

Als Verhaltensökonom interessiert sich Uwe Sunde dafür, wie Menschen Entscheidungen treffen. „Bisher haben die meisten Studien zu Entscheidungsdauer und Qualität relativ einfache Entscheidungen analysiert, häufig in standardisierten Laborsettings mit Studierenden“, sagt Sunde. „Oft müssen wir uns in der Forschung bei der Untersuchung tatsächlicher Entscheidungen außerhalb des Labors auf Beobachtungen beziehen, die nicht streng vergleichbar sind.“

Gemeinsam mit seinem Team fand der Ökonom einen alternativen Weg, um komplexe strategische Entscheidungen zu untersuchen: Sie analysierten einzelne Züge von Spielern in professionellen Schachturnieren. Dabei maßen sie die Zeit, die die Spieler für ihre Entscheidung brauchten, und glichen das Ergebnis mit den Benchmarks von Schachcomputern ab, um die Qualität objektiv zu bestimmen. Die Forschenden verglichen dabei Entscheidungen, die ein Spieler in unterschiedlichen Konfigurationen auf dem Schachbrett gegen denselben Gegner traf.

Die Bedeutung der Intuition

Die Ergebnisse zeigen, dass schnellere Entscheidungen mit höherer Entscheidungsqualität einhergehen – selbst unter Berücksichtigung der rechnerischen Komplexität der Entscheidung, der Unterscheidbarkeit der Entscheidungsalternativen und des Zeitdrucks. „A priori ist der Zusammenhang zwischen der Schnelligkeit, mit der komplexe strategische Entscheidungen getroffen werden, und der Qualität dieser Entscheidungen unklar“, sagt Sunde. Sich mehr Zeit zu nehmen, um eine Entscheidung zu treffen, kann zu einer besser durchdachten Entscheidung führen, kann aber auch Ausdruck dafür sein, dass die zu entscheidende Frage als schwieriger empfunden wird, was mit geringerer Entscheidungsqualität einhergehen kann.

„Mit der Studie konnten wir zeigen: Wenn man die objektiv messbare Schwierigkeit der Entscheidung konstant hält, trifft jemand, der länger nachdenkt, offenbar schlechtere Entscheidungen“, so der Forscher. Wer länger grübelt, empfindet möglicherweise die Komplexität subjektiv höher. Eine kürzere Entscheidungsdauer könnte umgekehrt darauf hinweisen, dass der Spieler eine starke Intuition hat, also ein Gefühl dafür, was der beste Zug ist. „Das unterscheidet den Menschen von Maschinen: Der Mensch kann oft situativ erkennen, was gut ist oder was nicht gut ist. Wenn der Mensch das jedoch nicht schnell erfasst, tut er sich schwer, das Problem rational weiter zu berechnen“, sagt Uwe Sunde.

Der LMU-Forscher hält es für möglich, dass das Ergebnis auch auf Situationen außerhalb des Schachspiels übertragbar ist, in denen komplexe Entscheidungen gefällt werden müssen.

wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Dr. Uwe Sunde
Ludwig-Maximilians-Universität München
Institut für Volkswirtschaftslehre
Telefon: +49 89 2180 1280
E-Mail: E-Mail

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