openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Wie Wasserflöhe ihre Fressfeinde aufspüren

Bild: Wie Wasserflöhe ihre Fressfeinde aufspüren

(openPR) Die Forschenden arbeiteten mit drei Daphnien-Arten, die nicht nur von unterschiedlichen Fressfeinden bedroht werden, sondern deren Räuber auch verschiedene chemische Signale aussenden und so unterschiedliche Verteidigungsreaktionen auslösen. Daphnia magna wird in Anwesenheit der Urzeitkrebse Triops kugelrund; Daphnia longicephala macht sich durch einen vergrößerten Kopf weniger handhabbar für Rückenschwimmer; und Daphnia lumholtzi lässt sich verlängerte Kopfdornen und Schwanz-Stachel zur Verteidigung gegen Stichlinge wachsen.

Dass die Räuber chemische Signale aussenden, die sogenannten Kairomone, war bereits bekannt. Unklar war jedoch, welche Rezeptoren die Daphnien nutzen, um die Kairomone zu detektieren. Das Bochumer Team hatte sogenannte ionotrope Rezeptoren im Verdacht, bei denen sich durch die Bindung eines Moleküls ein Ionenkanal öffnet.

In Daphnien und auch in anderen Organismen sind diese ionotropen Rezeptoren in Gerüste von Co-Rezeptoren eingebettet, die den Rezeptorkomplex in der Membran verankern und die verschiedenen Untereinheiten funktionell miteinander verbinden. Die Rolle dieser Co-Rezeptoren, genauer gesagt der Untertypen IR25a and IR93a, interessierte die Bochumer Biologinnen und Biologen. Sie schalteten die Expression der beiden Gene gezielt aus, sodass die Daphnien diese Co-Rezeptoren nicht mehr herstellen konnten.

Rezeptor-Produktion unterdrückt

Normalerweise werden die Rezeptorproteine gebildet, indem die entsprechenden Gene im Zellkern abgelesen und als Boten-RNA ins Zellplasma exportiert werden. Hier wird die Boten-RNA in ein Rezeptor-Protein übersetzt, welches schließlich in die Zellmembran, eingebaut wird vor allem in den chemosensorischen Antennen der Daphnien.

Diesen Prozess störte das Team mit der RNA-Interferenz-Methode: Die Forschenden injizierten RNA-Fragmente in die Daphnien. Diese Fragmente lagerten sich an die Boten-RNA an und verhinderten dadurch deren Übersetzung in ein Rezeptor-Protein.

Keine Verteidigungen ohne Co-Rezeptoren

Daphnien, die aufgrund der RNA-Interferenz die Co-Rezeptoren IR25a and IR93a nicht herstellen konnten, bildeten keine Verteidigungen aus – auch wenn sie in Anwesenheit ihrer Fressfeinde aufgewachsen waren. Das äußere Erscheinungsbild der Tiere ohne Co-Rezeptoren sah genauso aus wie das von Kontrolltieren, die nicht zusammen mit Fressfeinden aufgewachsen waren. Dieser Effekt zeigte sich bei allen drei untersuchten Arten. Die beiden unterdrückten Co-Rezeptoren müssen demnach eine Rolle bei der Wahrnehmung der chemischen Signale spielen, welche die Räuber aussenden.

„Wir interessieren uns für die Dynamiken von Räuber-Beute-Interaktionen, weil wir erwarten, dass der Klimawandel Einfluss auf solche Beziehungen haben wird, zum Beispiel indem durch einwandernde Arten neue chemische Signale in das System eingetragen werden“, sagt Linda Weiss. „Wird die chemische Kommunikation gestört, kann das die Wirksamkeit von Verteidigungsreaktionen untergraben und letztendlich Folgen für Fraßraten oder Populationsdynamiken und schließlich Konsequenzen für die Stabilität ganzer Nahrungsnetze im Süßwasser haben.“

Förderung

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft förderte die Arbeiten im Rahmen des Projekts mit dem Förderkennzeichen DFG WE6019/2-2.

wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Dr. Linda Weiss
Global Change Ecology
Fakultät für Biologie und Biotechnologie
Ruhr-Universität Bochum
Tel.: +49 234 32 25573
E-Mail: E-Mail

Originalpublikation:
Annette Graeve, Joshua Huster, Julia Mayweg, Ronja Fiedler, Jana Plaßmann, Deria Görl, Alina Keilmann, Simon Alev, Petra Wahle, Linda C. Weiss: Predator Cue Detection in Daphnia Involves Ionotropic Receptors IR25a and IR93a, in: Proceedings of the Royal Society B, 2026, DOI: 10.1098/rspb.2025.3283, https://royalsocietypublishing.org/rspb/article/293/2070/20253283/481604/Predator-cue-detection-in-Daphnia-involves

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 1311942
 271

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Wie Wasserflöhe ihre Fressfeinde aufspüren“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von idw - Informationsdienst Wissenschaft

RAISE Hub: Ein Zugang zu Europas KI-Forschungsgemeinschaft
RAISE Hub: Ein Zugang zu Europas KI-Forschungsgemeinschaft
Derzeit in seiner Pilotphase wird RAISE vom SCIANCE-Projekt koordiniert. Durch einen gemeinschaftsgetriebenen Ansatz bringt SCIANCE Wissenschaftlerinnen, KI-Forscherinnen, Infrastrukturen und politische Entscheidungsträgerinnen zusammen, um strategische wissenschaftliche Herausforderungen zu identifizieren, bei denen KI die größte Wirkung haben kann, und die Einführung vertrauenswürdiger und nachhaltiger KI-Methoden für wissenschaftliche Forschung in ganz Europa zu beschleunigen. Über den Hub können Nutzerinnen auf das RAISE Forum zugreifen, …
Einladung zum Pressegespräch
Einladung zum Pressegespräch
Durch die Kooperationsvereinbarung wird die bedarfsgerechte Beratung und Unterstützung von Studieninteressierten, Studierenden und Hochschulabsolventinnen und Hochschulabsolventen geregelt. Ziel ist es, eine tragfähige Entscheidung für ein Studium, eine effektive und arbeitsmarktbezogene Studiengestaltung sowie einen erfolgreichen Übergang der Hochschulabsolventen in den Arbeitsprozess zu unterstützen. Schwerpunkte der Kooperation: - Frühzeitige Unterstützung von Studieninteressierten bei der Berufswegplanung und Berufsorientierung - Diagno…

Das könnte Sie auch interessieren:

Bild: Grubenlicht & Winterberg: der Film zur RuhrBild: Grubenlicht & Winterberg: der Film zur Ruhr
Grubenlicht & Winterberg: der Film zur Ruhr
… • Närrische Zeiten in Menden • Kettenrasseln in Fröndenberg • Schwerte: Scha(r)fe Sachen • Buena Vista von den Burgen • Unter Dampf in Bochum • Beachlife am Baldeneysee •Wasserflöhe in Mülheim • Unter Haien in Oberhausen • Hafentour in Duisburg • u.v.m. Als Bonusmaterial auf der DVD gibt es Cartoon-Szenen, die eigentlich keiner sehen sollte. Außerdem auch …
Bild: Hagen trifft Baiersbronn
Hagen trifft Baiersbronn
… Highlights an diesem Abend war auch der Titel „It’s raining men“ (The Weather Girls), von den Baiersbronnern gespielt, bei dem vier Kids – als solistische Wasserflöhe – quasi als solistische Wasserflöhe – im Kontext zur Musik mit Kleinpercussion-Instrumenten gekonnt Regenatmosphäre suggerierten. Zuvor hatte bereits Janine Lollert den Titel „Ich gehör‘ …
Bild: Klimawandel verändert Hitzeschutz von Amazonas-Bäumen und damit die Atmosphärenchemie
Klimawandel verändert Hitzeschutz von Amazonas-Bäumen und damit die Atmosphärenchemie
… (VOCs). Diese kohlenstoffhaltigen Gase werden natürlicherweise von Pflanzen produziert und freigesetzt, sie schützen die Bäume vor verschiedenen Stressfaktoren, wie etwa oxidative Schäden oder Fressfeinde. In der Atmosphäre reagieren VOCs schnell mit anderen Gasen und beeinflussen so die Bildung von Aerosolen und Wolken – und damit das regionale Klima …
Bild: Der Gartenteich im Frühling
Der Gartenteich im Frühling
… die Wasserwerte messen oder messen lassen. Die Karbonathärte sollte immer mehr als 8 betragen und der pH-Wert so um die 6, dies ermöglicht dem Zooplankton (z.B. Wasserflöhe, Rädertierchen etc.) sich besser zu entwickeln. Das Zooplankton ist der natürliche Feind der Algen, es ernährt sich von ihnen und ist somit eine biologische Algenkontrolle. Aber …
Internationale Forschertagung auf der Plassenburg: Wasserflöhe als Pioniere für den Umweltschutz
Internationale Forschertagung auf der Plassenburg: Wasserflöhe als Pioniere für den Umweltschutz
Wasserflöhe (Cladoceren) spielen bereits seit mehr als hundert Jahren eine zentrale Rolle in der Ökologie, heute sind sie in der Life Science-Forschung allgemein von großer Bedeutung. Vom 24. bis 29. September 2017 findet unter der Leitung der Bayreuther Wissenschaftler Prof. Dr. Christian Laforsch und Dr. Max Rabus auf der Plassenburg in Kulmbach eine …
Bild: HUGRO® beauftragt Ökotrophologen mit Entwicklung von Nager-SpezialfutterBild: HUGRO® beauftragt Ökotrophologen mit Entwicklung von Nager-Spezialfutter
HUGRO® beauftragt Ökotrophologen mit Entwicklung von Nager-Spezialfutter
… die auch einen Bedarf an tierischen Proteinen haben, finden in „ihrem“ speziellen Futtermix neben ausgewählten Getreidesorten und Saaten auch getrocknete Bachflusskrebse, Wasserflöhe und Mehlwürmer. Auch die Snacks machen Appetit: Hier reicht die Verwöhn-Palette von Himbeer-Reis-Snacks mit Cornflakes über eine Blütenmischung oder bunten Nager-Sticks …
Bild: Mini-Teiche für Balkon und TerrasseBild: Mini-Teiche für Balkon und Terrasse
Mini-Teiche für Balkon und Terrasse
… Unterwasserpflanzen wie Tausendblatt und Wasserpest helfen gegen trübe und veralgte Teiche, rät das Immobilienportal Immowelt.de. Außerdem gibt es tierische Hilfsmittel: Posthornschnecken und Wasserflöhe leben von Algen. Reichen diese Maßnahmen nicht aus, kann eine Teichpumpe verwendet werden, die Bewegung und zusätzlich Sauerstoff ins Wasser bringt. …
Schonende Wasserumwälzung optimal für naturnahe Schwimmteiche Sanfte Strömung, große Wirkung
Schonende Wasserumwälzung optimal für naturnahe Schwimmteiche Sanfte Strömung, große Wirkung
… das Becken mühsam zu reinigen, setzt man beim Schwimmteich auf die Kräfte der Natur: Hier konkurrieren Ufer- und Wasserpflanzen mit den Algen um Nahrung, verzehren Wasserflöhe Algen, nehmen auch im Wasser, in der Vegetation und im Kiesbett des Uferfiltrates lebende Mikroorganismen Nährstoffe auf. Damit diese Prozesse optimal ablaufen können, bedarf es …
Sie lesen gerade: Wie Wasserflöhe ihre Fressfeinde aufspüren