(openPR) „a cappella“ feiert seine amtierenden Wettbewerbspreisträger, die blutjungen The Bookmarks aus Georgien
Von Falk Mittenentzwei
„a cappella“, das Leipziger Festival für die gleichnamige Musizierkunst, ist seit jeher ein Ort des Zusammentreffens, des Kennenlernens und Sich-Austauschens, des Miteinander verschiedener Menschen und Kulturen – gerade auch in diesen Tagen. Und es ist immer schon auch ein Ort, an dem junge Talente ein Podium und die Chance auf Förderung haben. Am Dienstagabend ist es die wahrscheinlich jüngste professionelle Musikgruppe Georgiens, die im Rahmen von „a cappella“ in Leipzig, im Mendelssohn-Saal des Gewandhauses, gastiert und zu erleben ist. The Bookmarks sind nämlich das bis dato jüngste Gewinnerensemble des „a cappella“ Wettbewerbs, und geben nun – ein Jahr nach dem Gewinn noch immer im Schnitt erst erstaunliche 16 Jahre jung – ihr Preisträgerkonzert. Der Saal ist voll mit erwartungsvollen Zuhörern dieser „glücklichen Fügung“ („Serendipity“), wie das Programm betitelt ist und welche das Zusammentreffen sieben so junger und erstaunlicher Stimmen zu sein scheint.
Zu diesem Konzert haben sich die Bookmarks den Perkussionisten Dimitri Sakandelidze eingeladen, der sie bei einigen Liedern auf verschiedenen Trommeln und Rhythmusinstrumenten begleitet, was sich mit einer extra Portion Groove gut einfügt. Sakandelidze spielt zunächst eine solistische Einleitung auf einer Djembe, während auf der Leinwand über der Bühne ein Bild des nächtlichen Tiflis erscheint. Dann treten die zwei Jungs und fünf Mädchen auf, die schon im letzten Jahr bei „a cappella“ für Begeisterung gesorgt haben, und ziehen das Publikum umgehend wieder in ihren Bann. Ein Großteil des Repertoires der Bookmarks ist stark vom Jazz geprägt. Sowohl in amerikanischen Klassikern als auch Kompositionen georgischer Musiker sprüht es nur so von breiten Akkorden und flummihaften Melodieläufen. Zum anderen prägt die Musik ihrer Heimat den Stil stark – hier gibt es hals- bzw. zungenbrecherische Tempi und Silbengewitter (da ist der Scat ja auch nicht weit) sowie folkloristische Ansätze, die man auch in den faszinierenden traditionellen Gesängen Georgiens findet. Mit ihren zudem vertrackten Zählzeiten entwickeln diese Abschnitte und Stücke eine bestechende rhythmische Energie – und die sieben jungen Stimmen singen all das gefühlt mühelos.
Die Arrangements stammen überwiegen vom künstlerischen Leiter der Gruppe, Buka Kartozia, oder von Rati Gelovani, dem jungen Bass, der seine Linien schon ziemlich smooth stabil unter den Klanggewächse der Oberstimmen laufen lässt. Im Vergleich zu ihrem Auftritt im Vorjahr singen The Bookmarks noch etwas mehr zueinander (auch wenn das mitunter ein etwas unruhiges Bild auf der Bühne abgibt) und ihre Stimmen sind noch etwas kräftiger geworden, etwa bei Bariton Soso. Die Solostimmen der Mädels haben teils schon einen erstaunlich souligen Anstrich – als würden sie das schon zumindest 10 Jahre länger machen. Andererseits zeigt sich auch immer mal wieder ihre natürliche Jugendlichkeit, etwa wenn sich die Sieben zwischen den Liedern neu aufstellen und absprechen müssen – oder in ihrer geradezu kindlichen Freude über den intensiven Applaus, den das „a cappella“-Publikum nach jedem Lied spendet (und die man beim Gang in die Pause auch noch aus dem Backstage hören kann...). Diese Freude an ihrem Tun und dem Miteinander im Hier und Jetzt überträgt sich auch auf das Publikum, das die Gruppe ausgiebig feiert und manches kaum glauben kann. Denn über das Talent der Gruppe gibt es keinen Zweifel. Die Arrangements, die sie da singen, sind oft wahre gestalterische Wundertüten und verlangen wirklich nicht wenig von ihnen. Da muss man schon aufpassen, dass man sich nicht selbst überholt.
Der Abend lebt auch von anderen kleinen Überraschungen: So zeigen die jungen Georgier in ihrem Programm auch ein Arrangement bulgarischer Volkslieder – inklusive des zugehörigen ornamentierten Stils – und unternehmen ebenso Ausflüge in südamerikanische Gefilde. Und es gibt noch einen Gast im Programm: Die Mitglieder von The Bookmarks sind allesamt Finalisten des georgischen TV-Formats „Ranina“, einer Gesangstalentshow für Kinder, die in ihren verschiedenen Runden auch miteinander singen – im Geiste dieser gemeinsamen Erfahrung hat die Gruppe kurzerhand einen der diesjährigen Finalisten zu ihrem Konzert eingeladen. Und so singen sie mit Luka Mikadze, der mit seinen 12 Jahren noch jünger ist als die Gruppe, zu acht das „Catalonian Lullaby“. Eine Wundertüte sind sie, The Bookmarks. Und man kann nur gespannt sein, was dieses junge Ensemble in ein paar Jahren macht. „a cappella“ jedenfalls wird auch sie im Auge und im Ohr behalten.












