openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Klimapolitik: Unentschiedene entscheiden

11.03.202611:00 UhrPolitik, Recht & Gesellschaft
Bild: Klimapolitik: Unentschiedene entscheiden

(openPR) Die aktuell eingesetzten Klimamassnahmen werden wohl nicht reichen, um die Ziele des Pariser Klimaabkommens einzuhalten. Ob weitere Massnahmen eingeführt werden können, um dem Ziel, die Erderwärmung auf 1.5 Grad zu begrenzen und den Klimawandel zu bekämpfen, näherzukommen, hängt stark von der öffentlichen Meinung und politischen Unterstützung ab. Forschende der ETH Zürich, unter der Leitung von Keith Smith, Oberassistent in der Forschungsgruppe von Professor Thomas Bernauer, haben dazu deshalb eine gross angelegte Umfrage in 13 EU-Ländern durchgeführt, um herauszufinden, welche Massnahmen überhaupt eine Chance hätten, akzeptiert zu werden, und warum.

Die Studie zielte nicht nur darauf ab, Meinung und Einstellung der Bevölkerung zu erfragen, sondern die grundsätzliche Haltung der Teilnehmenden gegenüber der Klimapolitik präzise zu erfassen. Daraus ergaben sich vier Profile: Befürworter:innen, Neutrale, Unentschiedene und Gegner:innen.

Die grösste Gruppe bilden mit 36 Prozent die Befürworter:innen, die den meisten Klimaschutzvorschlägen zustimmen. 21 Prozent gehören zu den Gegner:innen, die Klimamassnahmen überwiegend ablehnen. Die Neutralen machen rund 10 Prozent der Befragten aus und gelten als Personen, die an keiner Abstimmung teilnehmen würden. Eine weitere grosse Gruppe sind die Unentschiedenen, die 33 Prozent der Befragten ausmachen. Diese Personen sind deutlich flexibler, da ihre Meinung von der jeweiligen Massnahme abhängt und sie keine feste Grundhaltung für oder gegen die Klimapolitik haben. Entsprechend richtet die Studie den Fokus auf diese zentrale „Swing“-Gruppe, um besser zu verstehen, was ihre klimapolitischen Präferenzen prägt und die Gründe ihres unterschiedlichen Wahlverhaltens zu erfassen.

Wichtigster Faktor: Die persönliche Kosten-Nutzen-Bilanz

Wenn sich diese Gruppe der Unentschiedenen für oder gegen eine der 15 Klimavorlagen entscheiden musste, war vor allem eines ausschlaggebend: die persönliche Kosten-Nutzen-Bilanz. Finanzielle Aspekte, aber auch potenzielle Einschränkungen etwa durch ein Verbot, standen dabei im Vordergrund. Die Wahrnehmung dieser Kosten-Nutzen-Rechnung übersteuert sogar die Parteizugehörigkeit und demografische Gegebenheiten, wie etwa Einkommen, Wohnort oder Bildungsniveau, die bis anhin als entscheidende Faktoren für die Meinungsbildung galten.

So lassen sich mehr Menschen für Projekte begeistern, bei denen etwas angepasst statt komplett verboten wird. Ein generelles Verbot von Autos mit Verbrennungsmotoren lehnen beispielsweise 73 Prozent der Unentschiedenen ab. Wird die Vorlage aber so formuliert, dass ein Ersatz durch synthetische Brennstoffe möglich ist, sinkt die Ablehnung auf nur noch 39 Prozent. Diese Elastizität sei sehr überraschend, meint Keith Smith, Erstautor der Studie. Wie eine Vorlage aufgebaut ist, sei also für ihre Zustimmung im Volk entscheidend.

Klimafonds: Viele wünschen sich spürbare, sichtbare Vorteile

Die Studie zeigt auch auf, dass die Bevölkerung Gelder aus Klimafonds wie dem EU-Emissionshandel bevorzugt in Anpassungsprojekte investieren würde - etwa in grüne Technologien, emissionsarme Verkehrsangebote oder Ausgleichsmassnahmen für die einzelnen Haushalte. Dahingegen fallen Kompensationsleistungen für durch den Klimawandel gefährdete Arbeiter:innen überraschenderweise kaum ins Gewicht. Vor allem bei den unentschiedenen Befragten fällt auf, dass sie die Gelder bevorzugt in sichtbare und öffentliche Leistungen investieren.

Grund zur Hoffnung

Im internationalen Vergleich stellte sich heraus, dass der Anteil der Unentschiedenen in allen befragten Ländern relativ hoch ist. Würden innerhalb dieser Gruppe jene Personen, die bei einzelnen Massnahmen «weder dafür noch dagegen» angeben, in Richtung Zustimmung kippen, kämen 10 von 15 in der Studie abgefragten Vorlagen zustande. Ohne ihre Unterstützung hingegen wären es lediglich vier.

Dass die Gruppe europaweit grossen Einfluss auf die Realisierung von Klimavorlagen hat, ist für Smith eine der wichtigsten Erkenntnisse des Projekts. «Wenn es also gelingt, diese unentschiedenen Personen abzuholen, lassen sich innerhalb von Europa Mehrheiten für konkrete Massnahmen finden», so Smith. Die Studie zeige auch, dass vielen Europäer:innen Klimathemen immer noch wichtig seien. Die Unterstützung dieser Gruppe sei aber schwankend und hänge stark davon ab, wie der jeweilige Vorschlag gestaltet ist. «Unsere Forschung soll Politiker:innen zeigen, dass es sich durchaus lohnt, gute Vorlagen auszuarbeiten», so Smith.

Studiendesign erlaubt gezieltere Forschung

Eine weitere wichtige Errungenschaft der Studie ist für Smith das innovative Studiendesign. Die Antworten der Proband:innen wurden auf zwei Achsen miteinander verglichen, um sowohl die Verteilung innerhalb der Bevölkerung zu messen, aber auch um festzustellen, wie konstant deren Antworten waren. Für jede der Vorlagen erstellten Smith und sein Team ein Profil der Bevölkerung, für alle Teilnehmenden erstellten sie ein Meinungsprofil. So konnte das Forschungsteam genau analysieren, welche Art von Vorlage in welcher Wählergruppe am besten ankommt. Für zukünftige Forschungsprojekte wäre dieses Studiendesign auch für Forschung in der Schweiz gut geeignet, so Smith.

wissenschaftliche Ansprechpartner:
Keith Smith
Oberassistent am Lehrstuhl für Internationale politische Ökonomie und Umweltpolitik
+41 78 756 72 52
E-Mail

Originalpublikation:
Literaturhinweis
Smith K, Mlakar Z, Levis A, Sanford M., et al. Climate Policy Feasibility across Europe Relies on the Conditional Middle. Nature Climate Change. 11.03.2026. DOI: 10.1038/s41558-026-02562-8

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 1306266
 171

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Klimapolitik: Unentschiedene entscheiden“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von idw - Informationsdienst Wissenschaft

Bild: Kooperationen mit UruguayBild: Kooperationen mit Uruguay
Kooperationen mit Uruguay
Perspektivisch Kooperationen mit drei Universitäten Für die Hochschule Wismar reisten der Prodekan der Fakultät für Ingenieurwissenschaften, Prof. Dr. Ing. habil. Andreas Ahrens, sowie der Direktor des an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften angegliederten European Project Centers (EPC), Prof. Dr. Gunnar Prause, nach Uruguay. Neben Treffen mit Hochschulvertretern stand auch ein Besuch in der deutschen Botschaft in Montevideo auf dem Programm. Bei diesem wurden Perspektiven der Zusammenarbeit zwischen europäischen Hochschulen und den Sta…
Bild:  Chemieingenieurin oder Bibliothekar werden - Noch Plätze für den Girls’ und Boys’ Day an der Uni Ulm frei!Bild:  Chemieingenieurin oder Bibliothekar werden - Noch Plätze für den Girls’ und Boys’ Day an der Uni Ulm frei!
Chemieingenieurin oder Bibliothekar werden - Noch Plätze für den Girls’ und Boys’ Day an der Uni Ulm frei!
„Dein Tag, dein Weg!“ – Beim bundesweiten Girls’ und Boys’ Day erhalten Jugendliche die Möglichkeit, Berufe fernab von Rollenklischees zu erleben. Auch die Universität Ulm öffnet am Donnerstag, 23. April, ihre Türen zum Mädchen- und Jungen-Zukunftstag. Noch sind Restplätze in verschiedenen Angeboten zu unterschiedlichen Berufs- und Studienfeldern frei! Sich ausprobieren, die eigenen Fähigkeiten kennenlernen und Neues erleben, steht für die Schülerinnen und Schüler im Mittelpunkt, die sich für ein Angebot am Girls’ und Boys’ Day an der Uni Ul…

Das könnte Sie auch interessieren:

Blinder Fleck der Klimapolitik: Anpassungsmaßnahmen sind nötig
Blinder Fleck der Klimapolitik: Anpassungsmaßnahmen sind nötig
… Klimadynamik finden dagegen in Deutschland weit weniger Beachtung. Deshalb startet acatech Deutsche Akademie der Technikwissenschaften das Projekt Anpassungsstrategien in der Klimapolitik. Im Sommer 2012 möchte die Projektgruppe um Kai Konrad (Max-Planck-Gesellschaft), Volker Mosbrugger (Senckenberg Gesellschaft) und Fritz Vahrenholt (RWE Innogy) eine …
Bild: ÖDP NRW ruft zur Teilnahme am #NetzstreikFürsKlima aufBild: ÖDP NRW ruft zur Teilnahme am #NetzstreikFürsKlima auf
ÖDP NRW ruft zur Teilnahme am #NetzstreikFürsKlima auf
… im Netz unter dem Hashtag #NetzstreikFürsKlima auf. Die ÖDP NRW unterstützt dies Aktion am 24. April und ruft dazu auf, dem Protest gegen die weltweit mangelhafte Klimapolitik im Netz durch Posts, Beiträge, Videos und Diskussionsbeiträgen Ausdruck zu verleihen. Gerede vom „Aussetzen der Klimapolitik“ aufgrund der Corona-Krise weist die ÖDP NRW auf das …
„Der Integrierte Klimaschutzplan Hessen: Aktuelle Aufgaben der Klimapolitik und Luftreinhaltung“
„Der Integrierte Klimaschutzplan Hessen: Aktuelle Aufgaben der Klimapolitik und Luftreinhaltung“
… Energienutzung, -wandlung und -speicherung. Im zweiten Vortrag dieses Wintersemesters am 27. November 2017 mit dem Titel „Der Integrierte Klimaschutzplan Hessen: Aktuelle Aufgaben der Klimapolitik und Luftreinhaltung“ liegt der Fokus auf der politischen Dimension von Energie und Klimaschutz: Welche Rolle kann ein Bundesland in der Klimapolitik spielen? …
Bild: Kommunen im Focus der KlimapolitikBild: Kommunen im Focus der Klimapolitik
Kommunen im Focus der Klimapolitik
… des Weltklimagipfels in Kopenhagen herrscht Ratlosigkeit unter den Diplomaten. Auch die jüngst beendete UN-Tagung in Bonn belegt die Stagation im Bereich der weltweiten Klimapolitik. An der Dringlichkeit, die Emission von Treibhausgasen zu reduzieren, hat sich indes nichts geändert. Hoffnungen richten sich auf Initiativen von unten. Besonders die Kommunen …
Bild: Der Klimaschutzbericht beweist: Die Klimaschutzpolitik der Bundesregierung ist ein DesasterBild: Der Klimaschutzbericht beweist: Die Klimaschutzpolitik der Bundesregierung ist ein Desaster
Der Klimaschutzbericht beweist: Die Klimaschutzpolitik der Bundesregierung ist ein Desaster
(Münster/Düsseldorf) – „Als ein einziges Desaster“ bewertet die Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP) Nordrhein-Westfalen die Klimapolitik der Bundesregierung anhand des neuen Klimaschutzberichts. „Setzen, sechs!“ ist die einzige Bewertung, die diese Politik, die Klimaschutz nur vortäuscht, verdient. 100 Millionen Tonnen CO2 sollten gemäß des von der …
Bild: Demokratie unter Druck: Wie beeinflusst der aktuelle Populismus die Klimapolitik?Bild: Demokratie unter Druck: Wie beeinflusst der aktuelle Populismus die Klimapolitik?
Demokratie unter Druck: Wie beeinflusst der aktuelle Populismus die Klimapolitik?
… der Parteien differenziert betrachtet werden müssen, wirft die Entwicklung folgende Fragen auf: Wie beeinflusst die häufig den Klimawandel leugnende Einstellung der Parteien die Klimapolitik? Inwieweit werden mit der Kommunikation Ängste und Emotionen ausgelöst? Und entstehen dadurch Vorbehalte in der Gesellschaft und ihren Willen zur Unterstützung für …
Zweiter Zusammenhaltsbericht untersucht Einstellungen zum Klimawandel in Deutschland
Zweiter Zusammenhaltsbericht untersucht Einstellungen zum Klimawandel in Deutschland
… erkennt die Gefahren des Klimawandels an und wünscht sich mehr Klimaschutz. Gleichzeitig machen sich viele Menschen aber Sorgen um die Folgen von Klimapolitik. Nur 8 Prozent lehnen eine ökologische Transformation ab. Das zeigt der zweite Zusammenhaltsbericht des Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ).83 Prozent der Befragten sorgen …
Bild: BD-Fraktion fordert Neuausrichtung der Klimastrategie für Bremen und BremerhavenBild: BD-Fraktion fordert Neuausrichtung der Klimastrategie für Bremen und Bremerhaven
BD-Fraktion fordert Neuausrichtung der Klimastrategie für Bremen und Bremerhaven
PressemitteilungBremen, 19.02.2025BD-Fraktion fordert Neuausrichtung der Klimastrategie für Bremen und BremerhavenDegenhard: Auch Mäurer scheint nicht hinter Klimapolitik zu stehenLaut einem Bericht des WESER-KURIER kann das Statistische Landesamt Bremen die Daten zur Überwachung der hochgesteckten Klimaziele im Land Bremen nicht erheben, es fehlt an …
Sie lesen gerade: Klimapolitik: Unentschiedene entscheiden