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Winzig, blind und ohne Schädeldach: Neue Fischart in Brunnen entdeckt

03.03.202609:16 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung
Bild: Winzig, blind und ohne Schädeldach: Neue Fischart in Brunnen entdeckt

(openPR) Im Untergrund lebende Tiere üben seit der wissenschaftlichen Beschreibung des Grottenolms (Proteus anguinus) im 18. Jahrhundert eine große Faszination aus. Die meisten dieser Lebewesen kennt man aus Höhlen, doch einige Arten haben sich auch an andere verborgene Lebensräume unter der Erdoberfläche angepasst. Hierzu gehören auch Grundwasserleitern (Aquifere), wasserführende Gesteinsschichten tief im Untergrund. „Von den weltweit über 37.000 bekannten Fischarten haben nur etwa ein Prozent den unterirdischen Lebensraum erobert und sich an ein Leben im Untergrund angepasst. Von diesen wiederum leben weniger als zehn Prozent in Aquiferen. Diese sogenannten ‚phreatobionten‘ Fische werden extrem selten entdeckt – wenn, geschieht dies meist zufällig“, erklärt Dr. Ralf Britz von den Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen in Dresden.

Im Gegensatz zu Höhlen und deren leichter zugänglicher Fauna ist die „phreatische Zone“, der unterirdische Grundwasserbereich, schwer zu erreichen. Fische, die dort leben, werden meist per Zufall entdeckt. Zum Beispiel wenn Brunnen – welche die einzige Verbindung zu diesem Lebensraum darstellen – geleert und gereinigt werden und ihre versteckten Bewohner so buchstäblich ans Licht kommen. „Genau so, beim Wasserholen, haben wir auch die neue Fischart entdeckt“, erzählt Britz. „Gefunden wurde die nur 20 Millimeter lange Schmerle von der Biologie-Doktorandin Wimarithy Marak in einem selbst gegrabenen Brunnen in einem kleinen Ort im Bundesstaat Assam, im Nordosten Indiens. Als ich 2024 auf einer Forschungsreise in der Region war, wurde mir der Fisch präsentiert. Ich war mir direkt sicher, dass es sich hier um einen ganz besonderen Fund handelt.“

Gemeinsam mit seiner Dresdner Kollegin Dr. Amanda Pinion und der indischen Doktorandin Velentina Kangjam, die im letzten Jahr im Rahmen einer „Senckenberg Global Fellowship“ in Dresden arbeitete, untersuchte Britz die Neuentdeckung und fertigte verschiedene Micro-CT-Aufnahmen des Skeletts an. So konnte das internationale Forschungsteam den Fisch als Gitchak nakana beschreiben. „Die winzige, blinde Schmerle ist so einzigartig, dass sie nicht nur eine neue Art, sondern sogar eine neue Gattung repräsentiert“, ergänzt Britz.
Der Erstfund sowie weitere Individuen, die 2025 in dem Brunnen entdeckt wurden, zeigen typische Merkmale von unterirdisch lebenden Tieren. Dazu zählen unter anderem stark reduzierte oder vollständig fehlende Augen, eine fehlende Pigmentierung mit einer blassen, transparenten Erscheinung, verstärkte nicht-optische Sinne und verlängerte Körperanhänge. „Besonders spektakulär ist aber ein anatomisches Detail: Die Tiere besitzen kein knöchernes Schädeldach. Das Gehirn wird nach oben lediglich durch Haut geschützt – ein bislang einzigartiges Merkmal unter den bekannten Schmerlen“, fügt der Dresdner Ichthyologe hinzu.

Mit 21 bekannten unterirdischen Fischarten liegt Indien weltweit auf Platz vier in Bezug auf deren Artenvielfalt. Die Hauptzentren dieser Vielfalt sind der Nordosten Indiens – speziell der Bundesstaat Meghalaya mit sechs Arten – sowie der Südwesten im Bundesstaat Kerala mit 13 Arten. Die Beschreibung von Gitchak nakana stellt einen Meilenstein dar: Sie ist die erste phreatobitische Schmerle aus Nordostindien – und gleichzeitig der erste bekannte in Aquiferen lebende Fisch aus dieser Region. „Die Entdeckung von Gitchak nakana liefert den Hinweis, dass auch diese Region über eine hoch spezialisierte unterirdische Fauna in Grundwasserleitern verfügt, die es nun zu erforschen gilt“, gibt Britz einen Ausblick.

wissenschaftliche Ansprechpartner:
Dr. Ralf Britz
Senckenberg Naturhistorische Sammlungen Dresden
Tel. 0351 795841 4343
E-Mail

Originalpublikation:
Britz, R., Marak, W.K., Velentina, K. et al. A miniature, subterranean, blind cobitid loach, Gitchak nakana, new genus and species, is the first groundwater-dwelling fish from Northeast India. Sci Rep 16, 7746 (2026). https://doi.org/10.1038/s41598-026-40425-6

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