(openPR) Das Dauerchaos bei der Sylter Marschbahn - Gästeinfo der Ferienwohnung auf Sylt Sylter Deichwiesen
Züge, die nicht fahren, zu spät sind oder sehr voll - das ist Alltag auf der Marschbahnstrecke. Ein Grund: Die Bahnstrecke von Hamburg nach Sylt ist an vielen Stellen eingleisig - zum Beispiel zwischen Niebüll und Klanxbüll und von Morsum bis Westerland. Der geplante zweigleisige Ausbau der Strecke ist also vor allem für Pendler, die vom Festland auf die Insel fahren, wichtig.
Das Bundesverkehrsministerium hat Bahnprojekte priorisiert - nach Dringlichkeit. Und möchte offenbar einige Schienenbauprojekte verschieben, darunter den zweigleisigen Ausbau der Marschbahn zwischen Niebüll, Klanxbüll und Sylt. Außerdem wurde die Elektrifizierung der Strecken Wilster-Brunsbüttel und Lübeck-Büchen-Lüneburg laut dem vorliegenden Gutachten verschoben. Auch der vierte Bahnsteig in Elmshorn ist nicht bis 2035 vorgesehen. Das Gutachten ist vom 14. August 2025 - es soll dem Bundesverkehrsministerium dabei helfen, bundesweit die Zugtaktung zu verbessern. Demnach sollen diese Projekte erst 2045 oder noch später realisiert werden.
Vorhaben haben keine Priorität
Vorhaben wie die Marschbahn, die Elektrifizierung Lübeck-Büchen, der Bahnsteig in Elmshorn stehen in dem "Gutachten zum strategischen Umsetzungsplan Deutschlandtakt" unter der Überschrift "In Etappe 2035 nicht enthaltenes Infrastrukturelement des Bedarfsplans". Priorisiert, also zügiger umgesetzt werden soll laut Gutachten unter anderem der Bau der S-Bahnlinie 4 zwischen Hamburg und Ahrensburg-Gartenholz oder die Puffergleise in Lübeck
Bundesminister: Keine Aussage zur Inbetriebnahme möglich
Auf Anfrage von NDR Schleswig-Holstein erklärte ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums am Mittwoch, dass derzeit ein Gutachten erarbeitet werde, das die einzelnen Vorhaben priorisieren soll. Laut Sprecher befinden sich die Projekte noch in sehr frühen Phasen der Planung. Deshalb seien keine Aussagen zur Inbetriebnahme möglich. Für die Marschbahn habe Schleswig-Holstein allerdings eine Vorfinanzierung der sogenannten Entwurfsplanung zugesagt - somit laufe das Vorhaben bis zum Abschluss dieser weiter. Laut Bahn geht es bei der Entwurfsplanung darum, wie die Strecke ausgebaut werden könnte und welche Kosten dabei entstehen könnten.
Pendler sagen: "Das ist eine Katastrophe für Sylt"
Das sei ein "Schlag ins Gesicht", sagte Achim Bonnichsen von der Pendler-Inititative, die sich seit etwa zwölf Jahren für den zweigleisigen Ausbau einsetzt. "Beim letzten Bahngipfel wurde uns das Versprechen gegeben, dass der zweigleisige Ausbau kommt", so Bonnichsen. Pendler erlebten regelmäßig überfüllte Züge und eine marode Infrastruktur. Dass diese Situation noch länger andauert, will er nicht hinnehmen. "2045 ist für uns absolut nicht akzeptabel." Bonnichsen befürchtet, dass noch mehr Unternehmer und Pendler der Insel den Rücken kehren.
Das sagt der SSW: Sylts Lebensader
"Die Marschbahn ist die Lebensader für Sylt und darf nicht weiter belastet werden", sagte die verkehrspolitische Sprecherin der SSW-Landtagsfraktion, Sybilla Nitsch. "Die Strecke ist unverzichtbar für Pendlerinnen und Pendler, für den Tourismus und für die Versorgung der Insel." Schleswig-Holstein sei bei der Elektrifizierung der Marschbahn in Vorplanung und Vorfinanzierung gegangen, um Tempo zu machen. Nun lasse Berlin Kiel im Regen stehen, so Nitsch.
FDP-Fraktion Schleswig Holstein : Absurde Vernachlässigung
Man habe kein Verständnis dafür, dass der neue Bundesverkehrsminister die Marschbahn auf den St. Nimmerleinstag verschieben wolle. "Diese absurde Vernachlässigung Schleswig-Holsteins durch die CDU-geführte Bundesregierung ist völlig inakzeptabel, so der Vorsitzende der FDP-Landtagsfraktion, Christopher Vogt. Der Ministerpräsident müsse nun bei seinen Parteifreunden in Berlin massiv Druck machen.
Verkehrminister Madsen: "Die Marschbahn ist ein Sonderfall"
Sylt könne man nicht wie andere Bahnstrecken rechnen, nicht "Pro Kopf, pro Stunde", betonte Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen (CDU). Denn: "Man kann nur mit der Bahn nach Sylt kommen." Der Bundesminister müsse verstehen, dass Sylt eine Ausnahme sei. Der Ausbau sei alternativlos. "Deshalb sind wir ja auch in Vorleistung gegangen." Madsen sagte, er könne nachvollziehen, dass "ein zentrales Problem in zentralen Teilen von Deutschland größere Sorgen auslöst als am Rande von Deutschland."
Trotzdem dürfe der Bund Schleswig-Holstein nun nicht hängen lassen. "Ungewöhnlicherweise haben wir als Land gesagt, wir planen vorweg, um mehr Geschwindigkeit reinzubekommen. Und jetzt erwarte ich auch von dem Bund, dass er diese Planung auch umsetzt", so Madsen. Bisher habe er mit dem Bundesminister immer konstruktive Gespräche geführt, so Madsen. Er habe ihm nun geschrieben, dass er sich die Situation der Marschbahn nochmal angucken müsse.
Tourismusbranche drängt auf Ausbau
Auch der Tourismusverband Schleswig-Holsteins drängt auf eine Verbesserung. Der Verband kritisierte, dass der dringend nötige zweigleisige Ausbau erst 2045 oder später beginnen soll. "Dass in diesem Zusammenhang von keiner akuten Dringlichkeit gesprochen wird, ist aus unserer Sicht nicht nur realitätsfern, sondern fast zynisch", sagte Hans-Jürgen Lütje, Vorsitzender des Verbandes. Eine funktionierende Verkehrsanbindung sei für die touristisch geprägte Region unverzichtbar. Ein Aufschub bis ins Jahr 2045 sei für die Region deshalb unzumutbar.
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