openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Kollidierende Ribosomen signalisieren zellulären Stress

24.11.2025 • 13:02 Uhr • Wissenschaft, Forschung, Bildung

(openPR) Ribosomen, die Proteinfabriken der Zelle, sind für alle Organismen lebenswichtig. Sie binden an das Botenmolekül mRNA und fahren an ihm entlang, um den genetischen Code abzulesen und die entsprechenden Protein-Bausteine zu verknüpfen. Aber ihre Funktion geht weit über die einer reinen Produktionsstätten hinaus: Ribosomen sind auch wichtige Sensoren für zellulären Stress und setzen bei Problemen Schutzreaktionen in Gang. Ein internationales Team um Professor Roland Beckmann vom Genzentrum der LMU hat nun Schlüsselmechanismen identifiziert, wie diese Stressantwort ausgelöst wird. Über ihre Ergebnisse berichten die Forschenden im Fachmagazin Nature.

Die Proteinproduktion in Zellen reagiert sehr empfindlich auf zahlreiche Belastungen, darunter Aminosäuremangel, mRNA-Schäden oder auch virale Infektionen. Solche Stressoren beeinträchtigen das Ablesen der mRNA und können dazu führen, dass Ribosomen auf ihrem Weg steckenbleiben und miteinander kollidieren. Dies setzt die sogenannte ribotoxische Stressreaktion (RSR) in Gang, in deren Verlauf Schutzprogramme aktiviert werden, durch die der Schaden entweder behoben oder der Zelltod eingeleitet wird.

Kombination von Biochemie und Kryo-Elektronenmikroskopie

Das Protein ZAK – eine sogenannte Kinase, also ein Enzym, das andere Moleküle aktiviert, indem es eine Phosphatgruppe auf sie überträgt – spielt bei der Vermittlung der Stressreaktion eine Schlüsselrolle. Wie ZAK kollidierte Ribosomen erkennt und daraufhin die Stressreaktion auslöst, war bisher unklar. Durch die Kombination biochemischer Analysen und Kryo-Elektronenmikroskopie konnten die Forschenden nun nachweisen, dass Ribosomen-Kollisionen tatsächlich das primäre Aktivierungssignal von ZAK darstellen. Die Forschenden zeigen, wie ZAK an die Ribosomen rekrutiert wird und welche strukturellen Merkmale kollidierter Ribosomen ZAK erkennen muss, um aktiviert zu werden: Wechselwirkungen zwischen ZAK und bestimmten Ribosomenproteinen führen dann dazu, dass spezielle Bereiche von ZAK dimerisieren, sich also zu einem Zweierkomplex zusammenschließen. Das setzt die Signalkaskade in Gang.

„Ein tieferes Verständnis dieser Mechanismen ist aus mehreren Gründen wichtig“, sagt Beckmann: Zum einen agiert ZAK sehr früh in der zellulären Stressantwort, die Klärung seiner Erkennungsmechanismen liefert daher wichtige Einsichten, wie Zellen Störungen mit hoher zeitlicher Präzision wahrnehmen und wie ribosomale Qualitätskontrolle, die nachgeschalteten Signalwege und die Immunantwort zusammenspielen. Außerdem ist ZAK auch therapeutisch relevant, denn eine fehlerhafte Regulation der ZAK-Aktivität ist mit entzündlichen Erkrankungen und chronischem Ribosomenstress assoziiert. „Unsere Ergebnisse beleuchten somit ein zentrales Prinzip der eukaryotischen Stressbiologie“, sagt Beckmann. „die Translationsmaschinerie selbst dient hier als Überwachungsplattform, von der aus globale Stresssignale initiiert werden.“

wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Dr. Roland Beckmann
Genzentrum und Department Biochemie
Tel.: +49 89 2180-76900

https://www.genzentrum.uni-muenchen.de/research-groups/beckmann/index.html

Originalpublikation:
V.L. Huso et al.: ZAK Activation at the Collided Ribosome. Nature 2025
https://www.nature.com/articles/s41586-025-09772-8

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 1297161
 603

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Kollidierende Ribosomen signalisieren zellulären Stress“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von idw - Informationsdienst Wissenschaft

Was, wenn sich Forschende zu einem Netzwerk von Content-Creators zusammenschließen würden?
Was, wenn sich Forschende zu einem Netzwerk von Content-Creators zusammenschließen würden?
Viele Forschende und wissenschaftliche Einrichtungen machen ihre Tätigkeiten beispielsweise auf Instagram der Öffentlichkeit zugänglich. Wissenschaftskommunikation in Social Media ist längst etabliert und findet meist in Formen wie FAQs, Veranstaltungsrückblicken, Interviews, Publikationshinweisen oder Q&As statt. Gleichzeitig bieten die personalisierten Accounts einzelner Forschenden die Möglichkeit, spezifische Themen mittels alltagsnaher Formate in breitere Zielgruppen zu tragen. Aus vielfältigen Gründen bleibt dies insbesondere beim wisse…
Bild: Spionage steigerte Wirtschaftsleistung der DDR um 7,4 Prozent
Spionage steigerte Wirtschaftsleistung der DDR um 7,4 Prozent
Wenn ein Unternehmen einen Prozentpunkt mehr wertvolle Informationen der Spione erhielt, erhöhte sich seine Wertschöpfung und seine Arbeitsproduktivität um fast einen Prozentpunkt pro Jahr. „Die Spionage der Stasi stärkte die Position der DDR innerhalb des sozialistischen Blocks. Sie verbesserte jedoch nicht wesentlich den Erfolg auf West-Märkten“, sagt RFBerlin-Projektleiter Albrecht Glitz von der Universität Pompeu Fabra in Barcelona. „Und Unternehmen, die als wertvoll eingeschätzte Informationen erhielten, hatten dann auch bessere Chancen,…

Das könnte Sie auch interessieren:

Bild: Protein verlängert das Leben von HefezellenBild: Protein verlängert das Leben von Hefezellen
Protein verlängert das Leben von Hefezellen
… Nährstoffmangel ausgelöst wird, positiv auf die Lebenserwartung unterschiedlichster Organismen wie Hefen, Fliegen, Würmer oder Fische aus. Auch eine verringerte Anzahl an Ribosomen, die Proteinfabriken der Zellen, können die Lebenszeit von Hefezellen deutlich verlängern. Diesen verschiedenen zellulären Stresszuständen ist eines gemein: Sie aktivieren die …
Molekularbiologie - Frühe Faltungen
Molekularbiologie - Frühe Faltungen
Ribosomen sind die Proteinfabriken der Zelle. LMU-Forscher zeigen frühe Schritte ihres Zusammenbaus und visualisieren dabei, wie sie sich aus zahlreichen Komponenten aufbauen und in die richtige Form falten. --- Wenn Zellen wachsen, produzieren die zellulären Proteinfabriken – die Ribosomen – große Mengen an Proteinen. Dafür muss die Zelle zunächst …
Bild: Zellulärer StromausfallBild: Zellulärer Stromausfall
Zellulärer Stromausfall
… als Ursache verschiedener Krankheiten. Deshalb besitzen Zellen eine Proteinqualitätskontrolle, die fehlerhafte Proteine erkennt und schnell abbaut. Proteine werden in Ribosomen produziert. Die Ribosomen können blockieren und fehlgefaltete Proteine herstellen, wenn sie einen defekten Bauplan ablesen. Entfernt die Ribosomen-assoziierte Qualitätskontrolle …
Herbstsitzung der kommunalen Arbeitgeber in Lübeck
Herbstsitzung der kommunalen Arbeitgeber in Lübeck
… Dienstes in Bund und Kommunen. In diesem Kontext hat sich die Mitgliederversammlung im Hinblick auf das Tarifeinheitsgesetz positioniert und sich dafür ausgesprochen, kollidierende Tarifverträge zu vermeiden. Der tarifvertragliche Ausschluss der Anwendung des Tarifeinheitsgesetzes sei dafür nicht der richtige Weg. Die VKA fordert die Gewerkschaften auf, …
Bild: Winziger Metallbaustein entscheidet, ob Protein-Fabriken in Zellen reibungslos arbeiten
Winziger Metallbaustein entscheidet, ob Protein-Fabriken in Zellen reibungslos arbeiten
… Chemie der RPTU – und Doktorandin Nadine Duppe haben dahingehend das Protein Mak16 unter die Lupe genommen. Dazu sollte man wissen: Mak16 nimmt bei der Herstellung von Ribosomen, also bei der Herstellung der „Protein-Fabriken“ in unseren Zellen, eine Schlüsselrolle ein.Das Team um Daili Netz stellte fest, dass Mak16 – im Zuge des Aufbaus von Ribosomen …
Maximale Präzision bei der Herstellung von Proteinen
Maximale Präzision bei der Herstellung von Proteinen
… genau bestimmte Funktion im Organismus übernehmen. Die Baupläne zu ihrer Herstellung sind in den Genen gespeichert. Große molekulare Maschinen der Zelle – die Ribosomen – lesen die Information und nutzen sie zur Herstellung langer Ketten von Aminosäuren. Diese sogenannten Polypeptide müssen anschließend in dreidimensionale Strukturen „falten“, damit …
Proteinfabriken im Hitzestress: Was Archaeen uns über RNA-Stabilität verraten
Proteinfabriken im Hitzestress: Was Archaeen uns über RNA-Stabilität verraten
… Forschungsteams nun einen weiteren Aspekt entdeckt, warum hyperthermophile Archaeen so ungewöhnlich robust sind: Diese Mikroorganismen sind in der Lage, ihre Proteinfabriken, die Ribosomen, gezielt an extreme Temperaturen anzupassen. Die Studie zeigt, dass sie dazu ihre ribosomale RNA verändern, einen zentralen Baustein der Ribosomen. Dadurch bleibt …
Bild: Membranforschung: Veröffentlichung im EMBO-Journal - Wie Proteine in Zellmembranen eingebaut werdenBild: Membranforschung: Veröffentlichung im EMBO-Journal - Wie Proteine in Zellmembranen eingebaut werden
Membranforschung: Veröffentlichung im EMBO-Journal - Wie Proteine in Zellmembranen eingebaut werden
… dreidimensional gefaltet; die spezifische Form ist für die Proteinfunktion zwingend notwendig.Es ist für die Forschung vielfach noch eine offene Frage, wie die Proteine, die die sogenannten Ribosomen – die „Fabriken“ in der Zelle – innerhalb des Zellinnern herstellen, in der richtigen Form an ihren Platz innerhalb der Membran gelangen und wann sich während …
Bild: Proteinsynthese in den Kraftwerken der Zelle
Proteinsynthese in den Kraftwerken der Zelle
… Umgebung auf, fungieren als Botenstoffe, lesen die Erbinformation ab oder geben den Zellen ihre Struktur. Alle diese Proteine werden von Proteinsynthese-Maschinerien gebildet, die man Ribosomen nennt. Ribosomen kommen in unseren Zellen in zwei Varianten vor: eine im Cytosol, die die allermeisten Proteine herstellt. Dieses Ribosom ist gut charakterisiert …
Bild: Akrobatik-Duo in der ZelleBild: Akrobatik-Duo in der Zelle
Akrobatik-Duo in der Zelle
… ziemlich wackeligen Füssen. Erst als Paar finden sie eine stabile Position. Chaperone als Faltungshelfer für andere Proteine In einer einzigen Bakterienzelle produzieren mehr als 10'000 Ribosomen Proteine am laufenden Band. Diese Fabriken verbinden die einzelnen Bestandteile eines Proteins zu einer langen Kette und schleusen diese durch einen engen Gang …
Sie lesen gerade: Kollidierende Ribosomen signalisieren zellulären Stress