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500 Jahre Bauernkrieg

30.06.202508:10 UhrKunst & Kultur
Bild: 500 Jahre Bauernkrieg
Künstler sowie Mitarbeitende der Stiftung, des Weinguts und des Freundeskreises (© Miriam Bender)
Künstler sowie Mitarbeitende der Stiftung, des Weinguts und des Freundeskreises (© Miriam Bender)

(openPR)

Kloster Eberbach erinnert mit Klanginstallation, Jubiläumswein und Vorträgen an den Aufstand im Rheingau

Mai 1525. Auf der Wacholderheide vor Kloster Eberbach versammeln sich die einheimischen Bauern zum Sturm auf die Abtei. Sie fordern Freiheitsrechte und politische Teilhabe. Es ist der erste große Aufstand einer ganzen Bevölkerungsschicht in deutschen Landen. Zum 500. Jahrestag erinnern Stiftung, Weingut und Freundeskreis Kloster Eberbach an den Beginn einer neuen Zeitrechnung. Der bekannte Rheingauer Künstler Michael Apitz steuerte das Weinetikett für die limitierte Sonderedition bei.

Wochenlang hielten die kämpferischen Rebellen die Region in Atem. In den Rheingauer Klöstern (u.a. Johannisberg, Marienthal) fürchteten Äbte, Brüder, Schwestern nicht nur um ihr Wohlergehen, sondern um ihre Existenz, Besitz und Leben. Es sind die Plünderung der Vorräte und Leerung des Eberbacher Riesenfasses, die sich in das Gedächtnis des Rheingaus eingebrannt haben. Das legendäre Zeugnis der wirtschaftlichen Potenz der Mönche soll ein Fassungsvermögen von 71.000 Litern gehabt haben.

„Die Ereignisse vor 500 Jahren im Rheingau sind Teil einer der ersten großen revolutionären Bewegungen auf deutschem Boden – mit Zentren vor allem in Süddeutschland und Thüringen. Dass sich der Bauernkrieg auch im Rheingau niederschlug, ist ein besonderer historischer Umstand“, so Julius Wagner, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Kloster Eberbach. „Dieser bedeutenden Episode möchten wir mit einer Reihe von Veranstaltungen und einem besonderen Wein gedenken – und freuen uns, gemeinsam mit unseren Partnern einen thematischen Bogen schlagen zu können, der Geschichte und Gegenwart verbindet.“

Die Fraternei des Klosters, lange Ausstellungsort einer beeindruckenden Nachbildung des Riesenfasses, wird zum Spielort für eine außergewöhnliche Klanginstallation des Künstlerduos Augst und Friedmann mit dem Titel „WENN ALLE MENSCHEN“, die als Teil des Rundgangs zu den regulären Öffnungszeiten erlebbar ist.

Bestandteile des „Hörspiels“ sind unter anderem O-Töne, Feldaufnahmen und durch elektronische Klanggeneratoren erzeugte Geräusche. Die Künstler versuchen dabei, den historischen Moment akustisch zu greifen und die damaligen Forderungen der Aufständischen im Kontext der heutigen Umbruchzeit nochmals neu zu denken.

Reto Friedmann kreierte die Texte, Oliver Augst komponierte und realisierte die Soundcollage. Sie zitiert schriftliche Quellen, arbeitet mit Musik, Tierlauten, Naturgeräuschen und Wortspielereien und schlägt den Bogen bis in die Gegenwart.

„Basis des sich selbst generierenden Hörspiels ist ein Stimm– und Klangarchiv aufgezeichneter und systematisierter Audiosamples. Einmal gestartet, schreibt sich die Klanginstallation unendlich fort“, beschreibt Oliver Augst das Werk. „Die Klang- und Stimmbestandteile werden im Wesentlichen über kompositorische Ausschlusskriterien, proportionale Festlegungen, inhaltliche Gruppierung, festgeschriebene Verkettungen sowie aleatorische Prozesse in immer neue Relationen, Überschreibungen oder auch Auslöschungen gesetzt.“ Reto Friedmann ergänzt: „Es wird eine Hördauer von mindestens 50 Minuten empfohlen, ebenso wiederholtes ,Eintauchen‘.“

Eine limitierte Sonderedition des Weinguts Kloster Eberbach erinnert an die Bedeutung des Freiheitskampfes der Bauern.

„Der ausdrucksstarke und charaktervolle Wein ist ein Tribut an den 500. Jahrestag des Bauernkrieges und spiegelt in seiner Eigenständigkeit und Herkunft mit viel Selbstbewusstsein den Geist der Bauern wider. Die auf 500 Flaschen limitierte Riesling- Edition steht dabei symbolisch für 500 Jahre Freiheitsstreben“, erläutert Kathrin Puff, Chef- Önologin des Weinguts. „Der Wein wurde in Holzfass und Edelstahltank vergoren und ist geprägt von Steinobst, Mango, Pfirsich und etwas Sternanis, dazu kommt feine Säure, die Spannung verleiht.“

Das auffällige Etikett wurde vom Rheingauer Künstler Michael Apitz gestaltet.

„Mein Motiv fasst die Ereignisse im Bauernkrieg 1525 rund um das Kloster Eberbach in einem Bild zusammen. Auf den ersten Blick handelt es sich bei dem von mir entworfenen Etikett um das berühmte historische Motiv des Franziskaners Thomas Murner von 1525“, beschreibt Michael Apitz seine Zeichnung. „Tatsächlich war dieser Stich die Vorlage, wobei ich den Bauern unverändert übernommen, aber das Umfeld komplett umgestaltet habe. Im Hintergrund sieht man statt einer Burg das Kloster, im Vordergrund einen Weinstock und im Mittelgrund das ,Große Fass‘, welches die aufständischen Rheingauer auf der Wacholderheide leerten. In der Fahne vergrößerte und zentrierte ich noch den vorhandenen Schriftzug FRYHEIT, der auf dem Etikett in Gold gedruckt wurde und dem Wein seinen Namen gibt.“

Den Abschluss der Jubiläumsformate macht der Freundeskreis Kloster Eberbach mit einer Vortragskombination am 21. September zu den Themen „Altes Recht und neuer Glaube. Der Bauernkrieg von 1525 und seine Hintergründe“ und „Was geschah? Was blieb?“.

„Wir setzen als Freundeskreis in diesem Jahr den Schwerpunkt auf 500 Jahre Bauernkrieg, da der Aufruhr 1525 auch den Rheingau erfasste und Auswirkungen auf Klöster, Adel und Bauern hatte“, führt die stellvertretende Freundeskreis-Vorsitzende Hilke Roßkamp aus. „Kloster Eberbach spielte als bedeutende geistliche Institution in dieser Region eine entscheidende Rolle, in der sich soziale Spannungen, Forderungen nach Gerechtigkeit und frühe reformatorische Gedanken entluden.“ Der Eintritt zu den Vorträgen im Mönchsrefektorium ist frei.

Das gesamte Programm finden Sie hier.

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