(openPR) Bartha_contemporary präsentiert Four Tapestries, eine Ausstellung aktueller Arbeiten der britischen Künstlerin Susan Morris. Gezeigt werden drei neue Werke aus der Serie Binary Tapestry: Sunshine, die jeweils die Menge an Tageslicht festhalten, der die Künstlerin im Verlauf eines ganzen Jahres (2010, 2011 und 2012) ausgesetzt war. Diese Arbeiten werden zusammen mit einem vierten Werk präsentiert, welches ihre Schlaf-Wach-Muster und die gleichzeitig auftretende Lichtexposition über denselben Zeitraum von drei Jahren dokumentiert.
Die Wandteppiche wurden direkt aus Daten gewebt, die mithilfe eines Actiwatch aufgezeichnet wurden – ein wissenschaftlich-medizinisches Gerät zur Erfassung von Schlafstörungen, das Morris seit 2005 in ihrer Arbeit einsetzt. Das am Handgelenk getragene Actiwatch-Gerät ist ein Vorläufer der heute allgegenwärtigen Self-Tracking-Geräte wie Fitbit und Apple Watch und konnte ursprünglich nur Daten von maximal drei Wochen am Stück erfassen. Trotz dieser Einschränkung gelang es Morris, kontinuierliche Aufzeichnungen von bis zu fünf Jahren vorzunehmen und damit ein umfangreiches Werkensemble mit dem Titel SunDial:Night Watch zu schaffen.
Alle Wandteppiche von Morris sind auf einem Jacquard-Webstuhl gefertigt, der – ähnlich wie der Computer, dessen Vorläufer er ist – auf einem binären System basiert. Die aufgenommenen Daten werden somit unmittelbar in farbige Fäden und schließlich in Textilien übersetzt, die gelebte Erfahrung im Verlauf von Uhr- und Kalenderzeit abbilden. Die resultierenden Teppiche fungieren als materielle Dokumente des Körpers in der Zeit, in denen die Logik der Messung auf die organischen Schwankungen des täglichen Lebens trifft.
Die Werke besitzen dennoch einen Bezug zur Repräsentation und rufen Bilder der realen Welt hervor. So beschreibt beispielsweise die Kunsthistorikerin Margaret Iversen die Muster der Sunshine-Tapisserien als „erinnernd an Spiegelungen eines Sonnenuntergangs auf Wasser“. Auf Keilrahmen gespannt wie Gemälde, verweisen die Arbeiten auch auf das Schaffen von Alighiero Boetti, insbesondere auf dessen Werk L’albero delle ore (Der Stundenbaum) aus dem Jahr 1979.
Die Kaskaden wellenförmiger horizontaler Linien, gewoben aus leuchtend gelber Baumwolle und naturbelassenem Leinen, erweitern sich im Sommer und verjüngen sich während der Wintermonate. So visualisieren sie tägliche Schwankungen in Dauer und Intensität des Umgebungslichts. Zwei der drei Wandteppiche dokumentieren darüber hinaus eine Veränderung der Zeitzone – ein Hinweis auf eine transatlantische Reise der Künstlerin in den betreffenden Jahren.
Der vierte Wandteppich, SunDial:NightWatch_Activity and Light 2010-2012 (Satin Weave), 2017, ist ebenfalls eine äußerst präzise Aufzeichnung der Schlaf-Wach-Muster der Künstlerin über drei Jahre hinweg, wobei jede Minute der insgesamt 1.096 dokumentierten Tage durch einen einzelnen Schussfaden dargestellt wird. Im Sinne von Morris’ langjähriger Auseinander-setzung mit digitalen Aufzeichnungen körperlicher Rhythmen als eine Art verschobenes Selbstporträt – oder als Schattenwurf des „Selbst“ – lädt Four Tapestries die Betrachter ein, über die Schnittstelle von technologischen Systemen und menschlicher Erfahrung nachzudenken: über Materialität und Zeit und über andere, unregelmäßigere Rhythmen, die ihre ganz eigenen, unverwechselbaren Spuren hinterlassen.
Werke von Susan Morris sind aktuell und in Kürze in diesen Museumsausstellungen zu sehen:
Lighten Up!
Gewerbemuseum Winterthur, Switzerland
22.11.2024 - 11.05.2025
After Nature
ARTROOM SCHROTH, Museum Wilhelm Morgner, Soest, Germany
15.12.2024 - 02.03.2025
Konkrete Frauen / Neue Räume
Kunstmuseum Ahlen, Germany
16.02.2025 - 15.06.2025
Ghostly Bodies / Susan Morris & Berenice Olmedo
Eres Foundation Projects Space, Munich, Germany
13.03.2025 - 09.04.2025
All the time in the world
Design Museum Den Bosch, Herzogenbosch, The Netherlands
05.04.2025 - 24.08.2025
Lighten Up!
MIT Museum, Cambridge, USA
15.10.2025 - 15.08.2026
















