openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Das Y-Chromosom des Pferdes offenbart den globalen Siegeszug orientalischer Hengste

19.11.202412:24 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung

(openPR) Die Mehrzahl der Pferderassen aus Mittel- und Südeuropa, Zentral- und Westasien sowie Nord- und Südamerika haben demnach gemeinsame männliche Vorfahren, die sich erst in den letzten paar hundert Jahren verbreiteten – so die zentrale Erkenntnis des soeben im Wissenschaftsmagazin „PNAS“ veröffentlichten patrilinearen Stammbaums moderner Pferde.

Das Pferd ist eines der wichtigsten Haustiere in der menschlichen Kultur und die Geschichte des Pferdes ist untrennbar mit geopolitischen Entwicklungen verbunden. Historische Wanderungsbewegungen, sich stetig ändernde Zuchtziele und eine intensive, auf Hengste ausgerichtete Zucht haben beim Pferd ein komplexes Mosaik der Abstammung geschaffen. Das väterlicherseits vererbte Y-Chromosom (MSY; male specific part of the Y chromosome) spiegelt die männliche Seite der Populationsgeschichte wider und gibt Aufschluss über Herkunft und Einfluss der Hengste.

Für ihre Studie analysierten die Forscher:innen eine große Zahl moderner Rassen und rekonstruierten deren väterliche Abstammungslinien über die letzten 1.500 Jahre. Die Wissenschafter:innen konnten dabei drei wichtige rezente Zuchteinflüsse identifizieren und zwei grundlegende historische Wege aufzeigen, die zur Ausbreitung Orientalischer Pferde geführt haben.

Orientalische Hengste hatten einen dominanten Einfluss auf unsere heutigen Pferde

Konkret untersuchte das Wissenschaftsteam Datensätze von Väterlinien mit 1.517 Hengsten von 189 modernen Pferderassen, die ein breites phänotypisches und geografisches Spektrum abdecken. Die Forscher:innen konnten dabei den enormen Einfluss orientalischer Hengste der letzten paar hundert Jahre entschlüsseln, es wurde der Ursprung und die weitreichende Verbreitung von Araber-, Englischen Vollblut- und Kaltbluthengsten nachgewiesen, und die Konsequenzen intensiver Linienzucht aufzeigt.

„Die Mehrheit der Hengste weltweit trägt Y-Linien, die einer nur rund 1.500 Jahre alten, so genannten ‚Crown‘-Haplogruppe zugeordnet werden. Die Dominanz der Crown-Linien in modernen Pferderassen ist eine Folge des enormen Einflusses von Hengsten ‚orientalischer Herkunft‘ im vergangenen Jahrtausend“, erklärt Studien-Erstautorin Lara Radovic vom Zentrum für Biologische Wissenschaften der Vetmeduni. „Die Verbreitung der orientalischen Pferde war komplex und begann mit der muslimischen Expansion. So bestätigte das ähnliche Spektrum an paternalen Linien in Pferderassen der Iberischen Halbinsel und der Neuen Welt die enorme Ausbreitung von Pferden orientalischen Ursprungs über die iberische Halbinsel nach dem Mittelalter“, so Radovic weiter. Die Untersuchung ergab zudem eine zweite, weitreichende historische Verbreitung von Pferden ausgehend von Westasien, die mit Expansion des Osmanischen Reiches einherging.

Untrennbares Band zwischen Pferden und Menschheitsgeschichte

„Unsere Studie zeigt, dass die Analyse von Y-Chromosomen die komplexe Geschichte des Pferdes aufdecken kann“, betont Studien-Letztautorin Barbara Wallner (Zentrum für Biologische Wissenschaften/Vetmeduni). „Indem wir das Erbe der orientalischen Hengste zurückverfolgten, konnten wir die Untrennbarkeit von Pferde- und Menschheitsgeschichte aufzeigen. Wir sahen bisher undokumentierte Verbindungen zwischen geografisch und phänotypisch unterschiedlichen Pferderassen, es wurden aber auch die Folgen der intensiven Tierzucht offensichtlich, die zur Verdrängung und zum Verlust von Linien führten“, so Wallner weiter. Die Erkenntnisse können nun zur Bestimmung der Abstammung von Hengstlinien in jeder beliebigen Pferderasse verwendet werden, was die Autor:innen auch an einer Population von europäischen Lokalrassen und Ponys veranschaulichten. Die Arbeit eröffnet laut Wallner auch neue Möglichkeiten, die historische Entwicklung von Zuchtpopulationen zu erfassen, was dazu beitragen soll, planvolle zuchtstrategische Entscheidungen für die Zukunft zu treffen.
###

Der Artikel “The global spread of Oriental Horses in the past 1,500 years through the lens of the Y chromosome” von Lara Radovic et al. 2024 wurde in PNAS veröffentlicht.

wissenschaftliche Ansprechpartner:
Priv. Doz. Dr.med.vet. Barbara Wallner
Department für Biologische Wissenschaften und Pathobiologie
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni)
E-Mail

Originalpublikation:
Der Artikel “The global spread of Oriental Horses in the past 1,500 years through the lens of the Y chromosome” von Lara Radovic et al. 2024 wurde in PNAS veröffentlicht.

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 1272201
 171

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Das Y-Chromosom des Pferdes offenbart den globalen Siegeszug orientalischer Hengste“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von idw - Informationsdienst Wissenschaft

Bild: Riesenchance für die Rückgewinnung von TechnologiemetallenBild: Riesenchance für die Rückgewinnung von Technologiemetallen
Riesenchance für die Rückgewinnung von Technologiemetallen
Das Thema Rohstoffe ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Und gerade kritische Rohstoffe, wie Seltene Erden, Tantal oder Gallium stecken in vielen Hightech-Produkten unseres täglichen Gebrauchs. Der Bedarf ist also hoch, doch der Zugang beschränkt. Da bestehende Lieferketten oft durch geopolitische Konflikte gefährdet sind, ist der Weg über das Recycling unabdingbar. Im Moment sind die Recyclingquoten vieler sogenannter Hochtechnologiemetalle jedoch sehr gering. Dies gilt insbesondere für das Recycling von Elektroschrott, von dem all…
TU Berlin treibt Quantenrepeater Netzwerk voran
TU Berlin treibt Quantenrepeater Netzwerk voran
Das Fachgebiet „Optoelektronik und Quantenbauelemente“ der TU Berlin unter Leitung von Prof. Dr. Stephan Reitzenstein ist Mitglied im neuen Forschungsverbund QR.N, in dem sich 42 Partner aus deutschen Universitäten, Forschungseinrichtungen und Industrie zusammengetan, um Quantenrepeater zu entwickeln – ein Kernelement der quantensicheren Telekommunikation von morgen. Die Gesamtfördersumme des Bundesforschungsministeriums dafür beträgt knapp 20 Millionen Euro bis Ende 2027, auf die TU Berlin entfallen dabei 500.000 Euro. Die Forschungen werden…

Das könnte Sie auch interessieren:

Adoptivkinder nutzen DNS, um ihren Familiennamen herauszufinden
Adoptivkinder nutzen DNS, um ihren Familiennamen herauszufinden
… vererbten Nachnamen erfahren möchte. Denn es gilt, daß dies zur Zeit für männliche Personen deutlich einfacher ist, als für weibliche Personen. Ursache ist das Y-Chromosom, welches als geschlechtsbestimmendes Chromosom, nur von männlichen Personen getragen wird. Von Mutationen einmal abgesehen vererbt der Vater sein Y-Chromosom nahezu unverändert an seine …
Bild: Bringen Frauen die Intelligenz der Menschheit voran?Bild: Bringen Frauen die Intelligenz der Menschheit voran?
Bringen Frauen die Intelligenz der Menschheit voran?
… Mensch hat 23 Chromosomenpaare; bei der Frau tritt das X-Chromosom mit einem zweiten X-Chromosom auf, beim Mann hingegen ist das X-Chromosom mit dem viel kleineren Y-Chromosom gepaart. Dadurch tritt bei der Frau jede Erbanlage in zweifacher Kopie auf, während beim Mann die Erbanlagen auf dem X-Chromosom nur in einfacher Ausfertigung vorkommen. Veränderungen …
Adoptivkinder nutzen DNS, um ihren Familiennamen herauszufinden
Adoptivkinder nutzen DNS, um ihren Familiennamen herauszufinden
… Adoptivkinder nutzen DNS Tests, um den Familiennamen, den ihre biologischen Väter tragen, zu ermitteln Gängige Namen Die Verbindung zwischen Nachnamen und Ähnlichkeiten auf dem Y-Chromosom werden stärker, je seltener ein Nachname ist. „Aber“, so der Professor, “sogar in einigermaßen gängigen Nachnamen findet man ‘Abstammungsgruppen’. Bei einem Namen …
Adoptivkinder nutzen DNS, um ihren Familiennamen herauszufinden
Adoptivkinder nutzen DNS, um ihren Familiennamen herauszufinden
… kann der wahrscheinliche Familienname des biologischen Vater der Adoptivkinder ermittelt werden. Die genetischen Gemeinsamkeiten zwischen Männern die den Nachnamen teilen treten auf dem Y-Chromosom auf, ein Paket genetischen Materials welches mehr oder weniger unverändert vom Vater an den Sohn weitergegeben wird, genauso wie ein Nachname. Auf Grund …
Dschingis Khan - auf den Spuren eines Phänomens
Dschingis Khan - auf den Spuren eines Phänomens
… rund 40 in und um die Mongolei lebenden Volksstämmen, nach einem ähnlichen Verfahren wie es heute bei dem DNA Vaterschaftstest eingesetzt wird. Im Visier stand dabei das Y-Chromosom. Dieses Chromosom macht einen Menschen zum Mann und wird folglich auch nur vom Vater zum Sohn vererbt. Und da es relativ wenigen genetischen Veränderungen, sog. Mutationen …
Bild: Frische Gene auf dem „verfallenden“ Y-ChromosomBild: Frische Gene auf dem „verfallenden“ Y-Chromosom
Frische Gene auf dem „verfallenden“ Y-Chromosom
Das Y-Chromosom ist auch mit neuesten Sequenziertechniken nur schwer zu entschlüsseln. Die Frage, welche Gene auf diesem Chromosom liegen und wie diese entstanden sind, wird deshalb heiß diskutiert. Durch eine neue Analysemethode gelang PopulationsgenetikerInnen der Vetmeduni Vienna nun ein entscheidender Durchbruch. Sie zeigten, dass in Fruchtfliegen …
Das Privatgestüt Möningerberg züchtet spanische Pferde in Deutschland
Das Privatgestüt Möningerberg züchtet spanische Pferde in Deutschland
Freystadt, Oberpfalz – Mirabelle blickt mit den neugierigen Augen eines jungen Pferdes interessiert um sich. Dabei bleibt sie ganz gelassen und konzentriert sich weiter auf ihre Reiterin. Die vierjährige Andalusierstute absolviert derzeit ihre Grundausbildung im Schritt, im Trab und in den Seitengängen. Obwohl sie hier und da noch etwas Babyspeck hat, …
Bild: Reisen zum Naadamfest in die MongoleiBild: Reisen zum Naadamfest in die Mongolei
Reisen zum Naadamfest in die Mongolei
… Anteilnahme verfolgt und kritisch bewertet. Die Verse, mit denen die Sänger die Geschicklichkeit und Stärke des Siegers oder die fast übernatürliche Schönheit des schnellen Pferdes preisen, hallen in lang getragenen Tönen über den Festplatz. In Ulan Bator finden die zentralen Wettkämpfe des Landes statt. Neben einer großen Zahl ausländischer Touristen …
Gezielte Vererbung des Geschlechts verbessert die Tierzucht
Gezielte Vererbung des Geschlechts verbessert die Tierzucht
… ebenfalls die Beweglichkeit der Spermien, die das Gen beinhalten. Dieses Phänomen machten sich die Wissenschaftler*innen zunutze. Sie setzten gezielt Smok-Tcr-Elemente auf X- oder Y-Chromosomen ein. „Wir haben den Ansatz hier sozusagen umgedreht und nutzen Smok-Tcr, um die Vererbung des ungewünschten Geschlechtschromosoms zu hemmen, und gleichzeitig die …
Bild: Vaterschaftstest ohne Vater: Moderne DNA-Analysen ermöglichen mehr als einen einfachen VaterschaftstestBild: Vaterschaftstest ohne Vater: Moderne DNA-Analysen ermöglichen mehr als einen einfachen Vaterschaftstest
Vaterschaftstest ohne Vater: Moderne DNA-Analysen ermöglichen mehr als einen einfachen Vaterschaftstest
… einwilligen könnten, um ein aussagekräftiges Ergebnis zu erreichen. Einfacher wird die Klärung, wenn die Cousins männlich sind, denn dann kann eine mögliche gemeinsame Abstammung über das Y-Chromosom, das nur in der männlichen Linie vererbt wird, geprüft werden – in diesem Fall müssen die Väter der beiden Cousins Brüder sein (beide männlichen Eltern …
Sie lesen gerade: Das Y-Chromosom des Pferdes offenbart den globalen Siegeszug orientalischer Hengste