openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Biogene Rest- und Rohstoffe als Schlüssel zu nachhaltiger Gasproduktion

29.10.2024 • 13:30 Uhr • Energie & Umwelt

(openPR) Zur Herstellung von Synthesegasen werden in der Regel fossile Brennstoffe wie Kohle und Öl vergast – also unter geringer Sauerstoffzufuhr hohen Temperaturen ausgesetzt. Die so erzeugten Gase sínd dann Eingangsstoffe für die Synthese chemischer Grundstoffe wie zum Beispiel Methanol. „Als Ausgangsmaterial können dafür auch biogene Rest- und Rohstoffe wie Ernterückstände dienen. Allerdings sind diese in ihrer Zusammensetzung deutlich heterogener als Regelbrennstoffe wie etwa Öl. Das stellt große Herausforderungen an den Prozess, um ein gleichbleibend hochwertiges Gas zu erzeugen“, sagt Prof. Dr. Christian Malek vom :metabolon Institut der TH Köln.

Kopplung von Vergasung und Elektrolyse bringt Synergien

Bei der herkömmlichen Vergasung wird während des Verfahrens normale Umgebungsluft zugeführt. Da der darin enthaltene Stickstoff sich auch im produzierten Gas wiederfindet, muss dieses zunächst aufwendig gereinigt werden. „Wir setzen daher auf Synergien mit der Elektrolyse. Dabei wird Wasser in Wasserstoff und reinen Sauerstoff aufgespalten. Den Sauerstoff, der bei den meisten Anwendungen als Abfallprodukt in die Atmosphäre entlassen wird, nutzen wir als idealen Eingangsstoff für die Vergasung und stellen so reinere Gase her“, erläutert Prof. Dr. Peter Stenzel vom Cologne Institute for Renewable Energy der TH Köln. Durch die Beimischung von Elektrolyse-Wasserstoff kann zudem das Verhältnis von Wasserstoff zu Kohlenstoffdioxid im Synthesegas flexibel eingestellt werden, sodass dieses zur Herstellung einer großen Bandbreite chemischer Grundstoffe und Energieträger geeignet ist.

Neben der Kopplung von Elektrolyse und Vergasung stehen der Umgang mit den biogenen Rest- und Rohstoffen und die experimentelle Erforschung der nachhaltigen Gasproduktion im Mittelpunkt des Vorhabens. „Wenn wir mit Ernterückständen oder Bambus als Ausgangsmaterial arbeiten, stellt dies völlig andere Anforderungen an das Verfahren als bei den erprobten fossilen Brennstoffen. Uns stehen sehr viele Stellschrauben und Spezifikationen in der eigentlichen Produktion und den nachgeschalteten Prozessen zur Verfügung, um ein ideales Verhältnis der Gaskomponenten zu erreichen“, so Malek.

Während der Vergasung können beispielsweise Temperatur, Verweilzeit oder Sauerstoffkonzentration als relevante Faktoren verändert werden. Nach einer mehrstufigen Gasreinigung wird das Gas durch einen im Projekt zu entwickelnden Wassergas-Shift-Reaktor geleitet, in dem zusätzlicher Wasserdampf über eine chemische Reaktion die Wasserstoffkonzentration im Synthesegas erhöht. Schließlich kann auch der in der Elektrolyse erzeugte Wasserstoff selbst zugeführt werden, was eine weitere Synergie der beiden Teilprozesse darstellt.

Konzept für ein integriertes Gesamtsystem

Am Ende des Vorhabens soll der Nachweis stehen, dass mit diesem Verfahren qualitativ hochwertiges, grünes Synthesegas hergestellt werden kann. Zudem wird Prof. Dr. Christina Werner vom Institute for Business Administration and Leadership der TH Köln eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung vornehmen. Eine umfassende Nachhaltigkeitsbewertung ist ebenfalls Bestandteil der geplanten Arbeiten. Alle Komponenten werden zunächst im Labormaßstab aufgebaut und anschließend auf einen halbtechnischen Industriestandard skaliert und erprobt. „Unser Ziel ist das Konzept für ein integriertes Gesamtsystem, das interessierte Unternehmen später von unseren Industriepartnern von der Stange kaufen können. Denkbar ist etwa, dass Unternehmen damit grüne Kraftstoffe für ihren Fuhrpark herstellen“, sagt Stenzel.

Über das Projekt

Das Forschungsprojekt SYNELGAS wird von drei Instituten der TH Köln sowie den Partnern WEW GmbH, Bioenergy Concept GmbH, Brockhaus Lennetal GmbH, A.H.T. Syngas und dem Bergischen Abfallwirtschaftsverband durchgeführt. Über die Projektlaufzeit von viereinhalb Jahren fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung das Vorhaben im Rahmen des Programms FH-Kooperativ mit rund 1,4 Millionen Euro.

Die TH Köln zählt zu den innovativsten Hochschulen für Angewandte Wissenschaften. Sie bietet Studierenden sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus dem In- und Ausland ein inspirierendes Lern-, Arbeits- und Forschungsumfeld in den Sozial-, Kultur-, Gesellschafts-, Ingenieur- und Naturwissenschaften. Zurzeit sind rund 21.500 Studierende in etwa 100 Bachelor- und Masterstudiengängen eingeschrieben. Die TH Köln gestaltet Soziale Innovation – mit diesem Anspruch begegnen wir den Herausforderungen der Gesellschaft. Unser interdisziplinäres Denken und Handeln, unsere regionalen, nationalen und internationalen Aktivitäten machen uns in vielen Bereichen zur geschätzten Kooperationspartnerin und Wegbereiterin.

Kontakt für die Medien

TH Köln
Referat Kommunikation und Marketing
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Christian Sander
0221-8275-3582
E-Mail

Falls Sie keine weiteren Pressemitteilungen der TH Köln erhalten möchten, schreiben Sie bitte an E-Mail

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 1270753
 370

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Biogene Rest- und Rohstoffe als Schlüssel zu nachhaltiger Gasproduktion“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von idw - Informationsdienst Wissenschaft

Bild: Uni Kiel setzt ihren Entwicklungsweg nach Exzellenzbewerbung fort
Uni Kiel setzt ihren Entwicklungsweg nach Exzellenzbewerbung fort
Die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) erhält nicht den Status einer Exzellenzuniversität. „Natürlich hätten wir uns ein anderes Ergebnis gewünscht“, sagt Vizepräsident Prof. Dr. Eckhard Quandt. „Aber wir haben die Bewerbung von Anfang an auch als Chance verstanden, unsere strategische Entwicklung als Universität voranzutreiben. Vieles, was in diesem Prozess entstanden oder bereits angestoßen worden ist, bleibt für die CAU richtig und von Bedeutung.“ Vizepräsidentin Prof. Dr. Catherine Cleophas dankt den Wissenschaftler*innen, den…
Bild: Universitäten Bremen und Oldenburg bauen Northwest Alliance auch ohne Exzellenzstatus aus
Universitäten Bremen und Oldenburg bauen Northwest Alliance auch ohne Exzellenzstatus aus
Neben der Northwest Alliance hatten drei weitere Verbünde sowie sieben Hochschulen ihre Bewerbung für die insgesamt fünf Neuförderungen eingereicht. Die Universitäten Bremen und Oldenburg werden ihre Kooperation zur Stärkung der Nordwestregion als Wissenschaftsraum fortführen und weiterentwickeln – gemeinsam mit ihrer wichtigsten Partnerin, der Rijksuniversiteit Groningen. Der Bewerbung als Exzellenzverbund vorausgegangen war ein herausragender Erfolg in der Geschichte der beiden Universitäten Bremen und Oldenburg: Im Frühjahr 2025 erhielten…

Das könnte Sie auch interessieren:

Bild: Gute Zusammenarbeit bei Nachwachsenden Rohstoffen zwischen Bayern und Thüringen
Gute Zusammenarbeit bei Nachwachsenden Rohstoffen zwischen Bayern und Thüringen
… Klimaschutzplan der Bundesregierung künftig eine messbare Minderung der Treibhausgase nachweisen müsse. „Erneuerbare Energien und Nachwachsende Rohstoffe im Sinne der Bioökonomie sind dabei Schlüsselstrategien“, so Widmann. Treibhausgaseinsparungen um über 80 Prozent gebe es z.B. mit dem Einsatz von Biokraftstoffen in der Land- und Forstwirtschaft und …
Bild: Gütesiegel „Grünes Gas“ für „NaturEnergiePlus Biogas“
Gütesiegel „Grünes Gas“ für „NaturEnergiePlus Biogas“
… von Umweltverbänden wie etwa dem NABU oder dem BUND unterstützt und empfohlen. Jährlich wird überprüft, ob die umfangreichen Kriterien, wie etwa Art und Herkunft der Biogas-Rohstoffe, eingehalten werden. Sind alle Kriterien erfüllt, zeichnet der Grüner Strom Label e.V. das Biogasprodukt für ein weiteres Jahr aus. „Nicht überall wo Bio drauf steht, ist …
Bild: Die Natur als chemische Fabrik
Die Natur als chemische Fabrik
… Energieversorger, auch Unternehmen der chemischen und pharmazeutischen Industrie suchen nach Alternativen. Die industrielle Biotechnologie setzt auf Biomasse – nachwachsende Rohstoffe und organische Reststoffe – als optionale Kohlenstoff- und Energiequelle. Auf dem zweitägigen Technologiezirkel-Seminar der Fraunhofer Technology Academy zum Thema »Industrielle …
Möglichst viel Wertschöpfung im ländlichen Raum–Biogaswirtschaft leistet positiven Beitrag zum Strukturwandel
Möglichst viel Wertschöpfung im ländlichen Raum–Biogaswirtschaft leistet positiven Beitrag zum Strukturwandel
… Biokraftstoffproduktion (80 Prozent) genutzt und weniger für die Biogaserzeugung (20 Prozent), so Reinhard Schultz. „Aufgrund der besseren CO2-Bilanz wird der Anteil der Gasproduktion steigen und die klassische Biokraftstoffproduktion verdrängen, aber nicht die Futtermittelproduktion. Insgesamt werden überhaupt nur 2 Mio. Hektar von insgesamt 12 Mio. …
Bild: Gütesiegel „Grünes Gas“ für „NaturEnergiePlus Biogas“Bild: Gütesiegel „Grünes Gas“ für „NaturEnergiePlus Biogas“
Gütesiegel „Grünes Gas“ für „NaturEnergiePlus Biogas“
… von Umweltverbänden wie etwa dem NABU oder dem BUND unterstützt und empfohlen. Jährlich wird überprüft, ob die umfangreichen Kriterien, wie etwa Art und Herkunft der Biogas-Rohstoffe, eingehalten werden. Sind alle Kriterien erfüllt, zeichnet der Grüner Strom Label e.V. das Biogasprodukt für ein weiteres Jahr aus. „Nicht überall wo Bio drauf steht, ist …
Bild: Europa könnte fossile Kraftstoffe im Straßenverkehr vollständig ersetzen
Europa könnte fossile Kraftstoffe im Straßenverkehr vollständig ersetzen
Für die Studie untersuchten die Forschenden, welche Mengen biogener Rohstoffe – also pflanzliche Reststoffe, Holzreste oder Bioabfälle – in Europa vorhanden sind, wie sie sich technisch zu erneuerbaren Kraftstoffen umwandeln lassen und welchen Kraftstoffbedarf der Straßenverkehr künftig haben wird. (DOI: 10.5445/IR/1000191584, verfügbar ab 24. März 2026)„Europa …
Bild: Außerordentliches Engagement für Bioenergie
Außerordentliches Engagement für Bioenergie
… Damit zeichnet die bayerische Forschungseinrichtung Persönlichkeiten aus, die sich in ihrer beruflichen Laufbahn außerordentlich für die Bioenergie aus Nachwachsenden Rohstoffen eingesetzt haben. --- TFZ ehrt Franz Kustner mit Übergabe der TFZ-Brennstofforgel Das Technologie- und Förderzentrum im Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe (TFZ) in …
Bild: Chem2Market launcht ersten Online-Marktplatz für RohstoffeBild: Chem2Market launcht ersten Online-Marktplatz für Rohstoffe
Chem2Market launcht ersten Online-Marktplatz für Rohstoffe
Hamburg, 23.11.2015 - Chem2market.com verkauft ab sofort Rest- und reguläre Rohstoffe an produzierende Unternehmen aus Chemie und Kosmetik. Anbieter nutzen den Online-Marktplatz, um ihre Rest – Rohstoffe anderen Unternehmen zum Kauf anzubieten. So vermeiden sie die sonst aufwändige Entsorgung, sparen wertvolle Ressourcen und verbessern ihre CO2-Bilanz. …
Neue Rohstoffbasis für die Chemieindustrie: Studie zum Forschungsbedarf für eine defossilisierte Grundstoffchemie
Neue Rohstoffbasis für die Chemieindustrie: Studie zum Forschungsbedarf für eine defossilisierte Grundstoffchemie
… machbar: damit Wertschöpfung in Deutschland und Europa bleibt, kommt der Nachrüstung bestehender Anlagen (Brownfield) gegenüber teuren Neuinvestitionen (Greenfield) eine Schlüsselrolle zu.Über die DECHEMADie DECHEMA Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e.V. führt Fachleute unterschiedlicher Disziplinen, Institutionen und Generationen …
Bundesregierung arbeitet an Strategie für biobasierte Wirtschaft
Bundesregierung arbeitet an Strategie für biobasierte Wirtschaft
… Ausgabe. Biobasierte Wirtschaft fasst alle Bereiche zusammen, die biogene Ressourcen wie Pflanzen, Tiere, Pilze oder Mikroorganismen erzeugen, verarbeiten oder nutzen. Fossile Rohstoffe sollen zunehmend durch nachwachsende Ressourcen ersetzt werden. Damit ändert sich volkswirtschaftliche Bedeutung der Land- und Forstwirtschaft, es wird verstärkt zu …
Sie lesen gerade: Biogene Rest- und Rohstoffe als Schlüssel zu nachhaltiger Gasproduktion