(openPR) Die weltweite Automobilindustrie befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Technologische Innovationen, strengere Umweltauflagen und geopolitische Entwicklungen stellen die großen Automobilhersteller vor große Herausforderungen.
Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf Volkswagen (VW), einem der größten und traditionsreichsten Automobilkonzerne der Welt. Der erfahrene Marktbeobachter Stefan Kühn hat sich intensiv mit den aktuellen Problemen der Marke VW auseinandergesetzt und analysiert, welche Auswirkungen diese Entwicklungen auf das Unternehmen und den Markt haben könnten.
Die Krise der Kernmarke VW
Stefan Kühn macht in seiner Analyse deutlich, dass die aktuelle Automobilkrise VW besonders hart trifft, vor allem die Kernmarke VW. Während andere Marken im VW-Konzern wie Skoda oder die aufstrebende Sportmarke Cupra (ehemals SEAT) noch relativ gut dastehen, gerät die Kernmarke VW stark unter Druck. Premium-Marken wie Porsche und Audi leiden ebenfalls, wenn auch in geringerem Ausmaß.
Ein zentraler Grund für die Schwäche der Kernmarke VW liegt in der engen Verflechtung mit der Politik. Das Land Niedersachsen ist mit 20 Prozent an Volkswagen beteiligt und verfügt über eine so genannte „Goldene Aktie“, die ihm Sonderrechte einräumt. Das bedeutet, dass politische Entscheidungen und das Interesse des Landes am Erhalt der Arbeitsplätze in Niedersachsen eine wesentliche Rolle bei den strategischen Entscheidungen des Unternehmens spielen. Im Aufsichtsrat des Konzerns sitzen neben dem niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil weitere Regierungsvertreter und mehrere Betriebsratsmitglieder. Diese Konstellation sorgt dafür, dass Entscheidungen über Stellenabbau oder Werksschließungen - Maßnahmen, die in Krisenzeiten oft notwendig sind, um Kosten zu senken - nur schwer durchzusetzen sind.
Kühn betont, dass es für den VW-Vorstand in der Vergangenheit immer wieder problematisch gewesen sei, notwendige Reformen umzusetzen. Die starke Verflechtung von Politik und Wirtschaft in Niedersachsen bremse oft notwendige unternehmerische Maßnahmen. So gibt es bei VW Arbeitsplatzgarantien und ein ausgeprägtes soziales Engagement zur Sicherung des Arbeitsfriedens. Dies schränkt jedoch die Flexibilität des Unternehmens gerade in Zeiten, in denen die Automobilindustrie vor großen Herausforderungen steht, erheblich ein.
Herausforderungen der E-Mobilität und Abhängigkeit von China
Ein weiteres zentrales Problem, das Kühn identifiziert, ist die zögerliche Strategie von VW im Bereich der Elektromobilität (EV). Obwohl VW bereits vor einigen Jahren eine umfassende Elektrostrategie angekündigt hatte, blieben die Ergebnisse bisher hinter den Erwartungen zurück. Die Konkurrenz, vor allem aus den USA (mit Tesla) und China, hat VW in diesem Bereich überholt. Stefan Kühn führt dies unter anderem auf die schleppende Digitalisierung im Unternehmen und die insgesamt zu geringe Produktivität der Marke VW zurück.
Hinzu kommt die hohe Abhängigkeit von China. Der chinesische Markt ist seit Jahren einer der wichtigsten Absatzmärkte für VW. Doch die wirtschaftlichen Spannungen zwischen China und dem Westen sowie der zunehmende Protektionismus in beiden Regionen machen VW zunehmend verwundbar. Kühn sieht darin ein strukturelles Problem, das nicht nur VW, sondern viele westliche Unternehmen betrifft. Die wirtschaftlichen und politischen Unsicherheiten in China, gepaart mit strengen Regulierungen und der Konkurrenz durch einheimische Hersteller, erschweren die Umsetzung langfristiger Wachstumsstrategien in diesem wichtigen Markt.
Die stockende Elektromobilitätsstrategie und die Abhängigkeit von China seien daher zentrale Herausforderungen, denen sich VW in den kommenden Jahren stellen müsse. Laut Kühn ist Elektromobilität nicht nur eine Frage der Technologie, sondern auch der Unternehmensstruktur und des strategischen Managements. Hier müsse sich VW deutlich agiler und innovativer aufstellen, um international wettbewerbsfähig zu bleiben.
Der Einfluss der Politik auf VW
Einer der interessantesten Aspekte in der Diskussion um VW ist der Einfluss der Politik auf das Unternehmen. Wie Kühn betont, handelt es sich bei VW praktisch um ein „Staatsunternehmen“, da das Land Niedersachsen über seine Beteiligung und die Goldene Aktie entscheidenden Einfluss auf die Unternehmenspolitik hat. Diese Konstellation hat Vor- und Nachteile.
Einerseits garantiert die enge Verflechtung mit der Politik eine gewisse Stabilität und sichert Arbeitsplätze, was gesellschaftlich und politisch erwünscht ist. Andererseits erschwert diese Struktur notwendige unternehmerische Entscheidungen. Kühn betont, dass betriebswirtschaftlich notwendige Schritte wie die Schließung von Werken oder der Abbau von Arbeitsplätzen in einem privatwirtschaftlichen Unternehmen leichter durchsetzbar wären. Bei VW stoßen solche Maßnahmen jedoch auf erheblichen Widerstand seitens der Politik und der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat.
Dies zeigt sich auch in der aktuellen Situation: Während andere Unternehmen weltweit Produktionsstätten schließen und Arbeitsplätze abbauen, um den finanziellen Druck zu verringern, ist VW in dieser Hinsicht deutlich weniger flexibel. Die Folge sei eine geringere Produktivität, die laut Kühn eine der zentralen Ursachen für die aktuelle Schwäche der Kernmarke VW sei.
Oliver Blume: Der neue Vorstandsvorsitzende vor einer Mammutaufgabe
Seit September 2022 ist Oliver Blume neuer Vorstandsvorsitzender von Volkswagen. Seine Aufgabe, das Unternehmen aus der Krise zu führen, ist keine leichte. Blume hat den Konzern in einer Zeit übernommen, in der VW mit zahlreichen strukturellen Problemen zu kämpfen hat. Kühn ist skeptisch, ob es Blume gelingen wird, die notwendigen Reformen durchzusetzen, um das Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen. Das größte Hindernis sieht er in der politischen Struktur des Unternehmens, die es schwierig mache, kurzfristig tiefgreifende Veränderungen vorzunehmen.
Blume habe zwar angekündigt, die Elektrostrategie von VW zu forcieren und die Digitalisierung voranzutreiben, es bleibe aber abzuwarten, ob er diese Versprechen auch umsetzen könne. Kühn sieht darin ein strukturelles Problem: Solange VW ein politisch so stark verflochtenes Unternehmen ist, wird es immer schwierig sein, schnell auf Veränderungen im Marktumfeld zu reagieren.
Politische Einflussnahme als Risikofaktor
Kühn weist in seiner Analyse auch darauf hin, dass politisch beeinflusste Unternehmen wie VW oder Aktienmärkte wie China nicht per se ein gutes Investment sind. Der Einfluss der Politik auf die Unternehmensführung und strategische Entscheidungen stelle ein zusätzliches Risiko dar. Investoren sollten sich bewusst sein, dass politische Interessen oft nicht mit den wirtschaftlichen Erfordernissen eines Unternehmens übereinstimmen.
Kühn ergänzt diese Sichtweise und erklärt, dass Investoren, die in Unternehmen investieren, die stark unter politischem Einfluss stehen, oft mit unerwarteten Entscheidungen und Unsicherheiten konfrontiert werden. Dies gelte nicht nur für VW, sondern auch für andere Unternehmen, die von staatlichen Eingriffen oder geopolitischen Spannungen betroffen seien. In einem zunehmend globalisierten und unsicheren Marktumfeld kann dies zu unerwarteten Verlusten führen.
Perspektiven für die Zukunft: Was bedeutet das für VW und seine Aktionäre?
Die nächsten Jahre werden für VW entscheidend sein. Kühn ist sich sicher, dass das Unternehmen vor großen Herausforderungen steht, die eine flexible und schnelle Reaktionsfähigkeit erfordern. Dazu gehören die beschleunigte Umsetzung der Elektromobilitätsstrategie, die Reduzierung der Abhängigkeit von China und die Modernisierung der internen Strukturen.
Ob Oliver Blume der richtige Mann ist, um diese Herausforderungen zu meistern, bleibt abzuwarten. Viel wird davon abhängen, inwieweit es ihm gelingt, die politischen Widerstände zu überwinden und die notwendigen Reformen durchzusetzen. Klar ist jedoch, dass VW als Unternehmen tiefgreifende strukturelle Veränderungen braucht, um in der hart umkämpften Automobilbranche wieder an die Spitze zu gelangen.
Fazit: Komplexes Umfeld für VW und Investoren
Die Analyse von Stefan Kühn zeigt, dass Volkswagen als Unternehmen vor enormen Herausforderungen steht. Die stockende Elektromobilitätsstrategie, die enge Verflechtung mit der Politik und die Abhängigkeit vom chinesischen Markt sind zentrale Probleme, die VW in den kommenden Jahren lösen muss. Für Anleger bedeutet dies, dass ein Investment in VW-Aktien mit hohen Risiken verbunden ist.
Die politische Einflussnahme auf unternehmerische Entscheidungen macht es schwierig, langfristig planbare Renditen zu erzielen. Anleger sollten daher vorsichtig sein und die weitere Entwicklung bei VW genau beobachten, insbesondere im Hinblick auf die Umsetzung der Reformen unter Oliver Blume und die Reaktion des Unternehmens auf die globalen Marktveränderungen.
In einem zunehmend unsicheren und volatilen Marktumfeld sind Flexibilität und schnelle Anpassungsfähigkeit von entscheidender Bedeutung - Eigenschaften, die VW erst noch unter Beweis stellen muss.













