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RAMPENLICHTER: Die Kulturschaffenden von morgen heute schon ernst nehmen

28.06.202313:14 UhrKunst & Kultur
Bild: RAMPENLICHTER: Die Kulturschaffenden von morgen heute schon ernst nehmen
Alexander Wenzlik, Festivalleiter von RAMPENLICHTER (© Sebastian Korp)
Alexander Wenzlik, Festivalleiter von RAMPENLICHTER (© Sebastian Korp)

(openPR) "Das RAMPENLICHTER Festival ist  eigentlich nur die Spitze des Eisbergs", sagt Leiter Alexander Wenzlik. "Was abends auf der Bühne zu sehen ist, ist nur ein kleiner Teil unserer Arbeit, eine wichtige und eindrucksvolle internationale Vernetzung, aber eben nur ein Teil. RAMPENLICHTER lebt vom gleichberechtigten Einbindung und der Wertschätzung des kreativen Potentials von Kindern und Jugendlichen, ob das Workshops oder Lounges sind, ob in der Planung oder bei der Durchführung." 

RAMPENLICHTER ist das bundesweit größte Tanz- und Theaterfestival von Kindern und Jugendlichen und findet vom 7.-20. Juli in München statt. Dabei sind 14 Produktionen aus Deutschland, der Schweiz und Italien zu sehen, per Videoscreening auch eine Produktion aus Nigeria. Außerdem bietet das Festival nachmittags und abends zahlreiche kostenfreie Aktivformate an, bei denen Kinder und Jugendliche sich künstlerisch betätigen und austauschen können. Auch die Planung und Durchführung des Festivals selbst geschieht in Abstimmung mit einem Jugendteam, dessen Wünsche und Vorschläge gesucht und eingearbeitet werden. 

Spielen für die Zukunft

Das Team besteht aus Kulturpädagog:innen, Künstler:innen und Jugendlichen, die gemeinsam entscheiden und organisieren, was und wer auf dem zweiwöchigen Festival im Münchner Kreativquartier zu sehen ist, und auch, was sonst noch alles geboten wird. Alexander Wenzlik ist einer der drei Festivalleiter:innen von RAMPENLICHTER und erläutert die Arbeitsweise und Ausrichtung der Festivalgestaltung auf Augenhöhe.

Festivals für Kinder und Jugendtheater gibt es ja bundesweit öfter, aber selten eines, bei dem der Fokus so deutlich auf die Mitarbeit der Jugendlichen gelegt wird. Warum ist Euch das so wichtig?

AW: Weil die Kinder und Jugendlichen die Macher:innen von morgen sind. Und zwar nicht nur die Theatermacher:innen, sondern auch die Gestalter:innen der Gesellschaft und des Zusammenlebens. Das sind die Menschen, die die Zukunft gestalten werden, ihre Zukunft. Und deshalb wir finden, sie müssen gehört und eingebunden werden. Wir wollen auf Augenhöhe mit ihnen arbeiten, mit ihnen gemeinsam künstlerische Ideen entwickeln und umsetzen und überhaupt ein künstlerisches Setting etablieren, das von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen gleichberechtigt gestaltet wird. 

Wie zeigt sich das im Festival?

AW: RAMPENLICHTER ist ja deutlich mehr als die 14 Stücke, die während des Festivals zu sehen sind. Die Stücke sind quasi Zentrum und Rahmung des gesamten Festivalprogramms. Durch sie wird die Themenvielfalt, die junge Menschen bei ihren Gedanken an die Zukunft umtreibt, sichtlich: Klimawandel, gesellschaftliche Krisen, unser Verhältnis zum Körper. Es geht um die essenziellen Fragen von Freundschaft, um die Beziehung zu sich selbst und zu anderen, um schmerzliche Erfahrungen und globale Krisen. Aber natürlich auch um gesellschaftliche Zustände und Generationenfragen. Leidenschaftlich und direkt werden die wichtigsten Fragen unserer Zeit verhandelt. 

Nur zusammen mit den um die Aufführungen herum gebauten Austausch- und Begegnungsformaten wie Workshops, Künstler:innengespräche, performative Debatten, offene künstlerische Interventionen auf dem Festivalgelände bis hin zu tänzerischen Aktionen in die Stadt hinein, wird Rampenlichter zu dem, was es ist: ein Fest des künstlerischen Flows, der gestalterischen Energie, der bereichernden Unterschiede. Über die Festivalzeit hinaus ist RAMPENLICHTER aber eigentlich immer: Wir arbeiten über die Jahre hinweg konstant mit dem Jugendteam daran, das Festival so zu gestalten, wie es ihnen, ihrer Zielgruppe wichtig ist. Das Rampenlichter-Jugendteam gestaltet das Festival mit, setzt eigene Ideen um und bereichert die Festivalplanung-, Entwicklung- und Organisation um das, was wir sonst nur konstruieren können: die Perspektive und die Meinung von jüngeren Generationen. In der Programmplanung und der räumlichen Gestaltung des Festivals bleiben bewusst Lücken, die mit Ideen des Jugendteams gefüllt werden können, um die Realisierung ihrer Projekte zu gewährleisten.

Wer wählt die Stücke aus?

AW: Die Auswahl der Stücke treffen wir als Festivalleitungsteam auf der Grundlage der Einschätzungen von Jugendlichen. Ab dem kommenden Festival werden wir Jugendliche in den gesamten Auswahlprozess als gleichberechtigte Entscheider:innen einbinden. 

Wie werden die Kinder rund Jugendlichen eingebunden? 

AW: Mit dem täglich ab 16.00 Uhr stattfindenden offenen Programm und abendlichen Specials für Kinder und Jugendliche. Damit laden wir auch ohne Theaterbesuch dazu ein, das Festival zu besuchen und erleichtern denjenigen den Zugang, die aus unterschiedlichen Gründen Berührungsängste mit Institutionen und komplexen Programmen haben. Die offene Haltung und die direkte Ansprache „Dein Festival - einfach vorbei kommen, kostenfrei und ohne Anmeldung dabei sein“ ist eine Einladung an alle und bietet vor Ort Tanz zum Mitmachen, ein Kunstprojekt im öffentlichen Raum, Verweilen und Inspirieren in einem einladenden, gemütlich gestalteten Foyer und die Teilnahme an der Zukunftswerkstatt, welche mit Beteiligungsformaten und einer Festivalbaustelle dazu einlädt, die kommenden Rampenlichter Festivals mit den eigenen Ideen zu bereichern und nach Interesse auch an der Umsetzung dieser mitzuwirken. Das Jugendteam ist aber auch das ganze Jahr über mit regelmäßigen, moderierten Arbeitstreffen in die Planung eingebunden: sie erstellen eigene Beiträge für social media und gestalten Angebote und Orte inhaltlich und ästhetisch mit, z.B. die Rückzugsorte – alle Vorstellungen sind sogenannte “relaxed performances”.

Was bedeuten relaxed performances?

AW: Relaxed performances beinhalten eine grundsätzlich andere Haltung gegenüber den Zuschauer:innen. Bewegung und Kommunikation sind möglich, die heilige Stille im dunklen ungestörten Raum ist nicht so wichtig wie die unterschiedlichen Bedürfnisse der Gäste. Es gibt alternative Sitzmöglichkeiten, Ruhe- und Rückzugsräume, auf extreme Effekte wird entweder ganz verzichtet oder hingewiesen. Es geht vor allem darum, den künstlerischen Austausch für möglichst viele Menschen zu ermöglichen und Barrieren zu erkennen und so weit wie möglich abzubauen.

Das führt direkt zur Frage der Inklusion und Diversität.

AW: Was ebenfalls ein besonderes Anliegen auch des Jugendteams ist. Und wir arbeiten dazu zusammen mit dem bundesweiten Netzwerk PERSPEKTIV:WECHSEL, das diversitätssensible Veränderungsprozesse in Theatern vorantreibt. Es geht uns allen gemeinsam darum, das Festival zu einer Erfahrung zu machen, die Besucher:innen einerseits aus der Komfortzone heraus katapultiert, aber andererseits auch genügend Safe spaces bietet, um das auch verarbeiten zu können, oder um sich immer so willkommen und aufgehoben zu fühlen, dass man sich eben aus der Komfortzone heraustrauen kann. Alle Angebote für junge Künstler:innen und Besucher:innen finden barrierearm statt mit einer komplett barrierefreien Infrastruktur des Festivalgeländes, einfacher Wegeführung und Beschilderung, teilweise Gebärdenspracheübersetzung, mit dem Konzept der Relaxed Performances bei den Aufführungen und Rückzugs- und Ruhebereichen für sensorische Pausen und Erholung. Im inklusiven Schüler:innen-Programm stehen zusätzliche Mitarbeiter:innen als Assistenzen zur Verfügung. 

Inwiefern verlassen die Theaterbesucher:innen ihre Komfortzone?

AW: Es geht bei den RAMPENLICHTER nicht nur ums Konsumieren von Tanz- und Theaterstücken – was an sich ja schon ein kreativer Akt ist, dessen Bedeutung für kulturelles Interesse im weiteren Leben prägend wirkt. Es geht auch darum, selbst aktiv zu werden und das eigene kreative Potential zu erforschen. Das erfordert Vertrauen und Mut. Unser Ziel ist es, die Einstiegshürde so niedrig wie möglich zu halten und gleichzeitig spannend und anspruchsvoll zu arbeiten. Unsere Expert:innen auf diesem Gebiet haben langjährige Erfahrung und wir kooperieren mit anderen Institutionen, um uns breit aufzustellen. Die Zusammenarbeit mit Einrichtungen, wie z.B. Stiftung ICP für Kinder mit Cerebralparese/Mehrfachbehinderungen, Stiftung Pfennigparade für Menschen mit Körperbehinderungen, Gemeinsam Leben Lernen e.V., Blindeninstitut München, Elternvereinigung für hörgeschädigte Kinder Bayern e.V. ist hierbei sehr wichtig 

Viele Workshops sind offen für alle Interessierten, etwa Tanz. Die.Invasion oder Straße.Oase. Und es gibt Formate, in denen wir die beteiligten Künstlerinnen in Austausch miteinander bringen, übrigens auch diejenigen, die sich beworben haben, es aber nicht in die Endauswahl geschafft haben.

Was passiert im Art Exchange Programm?

AW: Die Kinder und Jugendlichen der auftretenden Ensembles gestalten zusammen mit Profis verschiedene Intensivworkshops, Aufführungs- und Publikumsgespräche, performative Debatten und wirken an offenen Angeboten sowie der Ideenwerkstatt „Festival der Zukunft“ mit. Sie leiten selbst Workshops für die Kinder und Jugendlichen des offenen Programms und für Schulklassen an und gestalten mit ihnen verschiedene Austauschformate.

Mit einem so deutlichen Fokus auf Kinder und Jugendlichen – ist das Festival also nichts für Erwachsene? Sind Eltern oder Großeltern bestenfalls als Begleitung etwa noch jüngerer Kinder angesprochen? Menschen ohne Kinder? 

AW: Nein. Ganz und gar nicht. Das Aufführungsprogramm richtet sich an alle Zielgruppen und ganz besonders an Erwachsene. Wir sind der festen Überzeugung und viele Rückmeldungen von erwachsenen Zuschauer:innen der letzten Jahre untermauern dies, dass die künstlerischen Produktionen von Kindern und Jugendlichen, ihre Perspektiven auf die Gesellschaft und brisante Themen für alle Bereicherung im ästhetischen und zukunftsgestaltenden Sinne sind. Rampenlichter ist ein Ort, am dem alle gemeinsam über eine Gesellschaftsvisionen, um die Frage, wie wir unser Zusammenleben gestalten wollen, ringen können und um die Frage, welche Rolle Kunst und Kultur in unserem Leben spielen sollen. Rampenlichter soll hier einen Blick in die Zukunft bieten, ein Modellprojekt sein und eine Vorstellung davon bieten, was in unseren Städten und kulturellen Einrichtungen möglich wäre, wenn diese nicht mehr nur von Erwachsenen allein bestimmt wären.

Mehr zum Festival (7.-20. Juli, Kreativquartier München) unter www.rampenlichter.com/presse 

Video:
Rampenlichter im Kreativquartier München
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