(openPR) Im Vorfeld des Energie und Umwelt Gipfels 2023 sprach Dr. Michael Karrer, SVP Sustainability & EHS, ZF Friedrichshafen AG mit dem International Council of Energy & Environment über aktuelle Herausforderungen bei ZF, die unternehmerische Einstellung zum Wandel - was fehlt der Branche derzeit und was muss anders gemacht werden - sowie die wesentlichen Eigenschaften eines Nachhaltigkeitsbeauftragten im Unternehmen.
Dr. Michael Karrer ist Referent auf dem 2. ICEE Energie und Umwelt Gipfel in Berlin.
Welchen Herausforderungen steht Ihr Unternehmen derzeit gegenüber?
Zwei der wesentlichen Herausforderungen sind die Themen Dekarbonisierung und Digitalisierung. Sie werden die Mobilität der Zukunft grundlegend verändern. Wir befinden uns im Wandel hin zu Elektromobilität, softwaredefinierten Fahrzeugen und autonomem Fahren. Diese Transformation muss wirtschaftlich und nachhaltig gelingen, denn ZF’s Commitment zur Klimaneutralität bis 2040 und zu unseren ambitionierten 2030er Klimazielen steht. Das zunehmend instabile wirtschaftliche Umfeld und geopolitische Entwicklungen erfordern Antizipation und schnelles Reagieren.
Was macht Ihr Unternehmen in Bezug auf Nachhaltigkeit besser als andere Unternehmen in derselben Branche?
Jedes Unternehmen muss seinen eigenen Weg finden. Fakt ist, dass Nachhaltigkeit bei ZF ein fester Bestandteil der Konzernstrategie ist. Das Ziel, bis 2040 klimaneutral zu sein, betrifft nicht nur ZF selbst und unsere Produktion, sondern auch die Emissionen über den Lebenszyklus unserer Produkte. Wir erfassen die Emissionen unserer Lieferkette über unsere eigene Produktion bis hin zur Nutzungsphase unserer Produkte in Fahrzeugen und technischen Systemen. Dabei verzichten wir auf CO2-Kompensationszahlungen. Stattdessen setzen wir darauf, unseren ökologischen Fußabdruck technisch zu reduzieren – zum Beispiel durch den Einkauf von klimaneutral produzierten Materialien wie grünem Stahl.
Woran mangelt es heute in Ihrer Branche und was sollte anders gemacht werden?
In den letzten turbulenten Jahren ist manchmal die partnerschaftliche Denkweise abhandengekommen. Die großen Herausforderungen der Dekarbonisierung können nur über eine intensive Zusammenarbeit in der Wertschöpfungskette gemeistert werden. Ein Beispiel: ZF ist Teil von Catena-X, der Allianz für sicheren und unternehmensübergreifenden Datenaustausch in der automobilen Lieferkette. Über das Netzwerk, die Plattform und die darauf laufenden Applikationen können Informationen zum CO2-Fußabdruck von Produkten und zur Kreislaufwirtschaft digital, standardisiert und verlässlich ausgetauscht werden. Aus meiner Sicht muss sich dieses Netzwerk zu einer globalen Plattform entwickeln.
Welche Einstellung zum Wandel haben erfolgreiche Unternehmen?
Der Transformationsdruck in der Automobilindustrie ist enorm - ein Druck, der nicht überraschend kommt; dem standzuhalten aber ein hohes Maß an Flexibilität verlangt. ZF hat sich innerhalb von gut 10 Jahren vom Mechanik-Zulieferer zu einem der weltweit führenden Systemanbieter im Fahrzeug gewandelt. Wir orientieren uns heute noch stärker als bisher an den künftigen Wachstumsfeldern und am Klimaschutz gemäß unserer Vision Zero. E-Mobilität, Windkraft, neue Mobilitätskonzepte und Fahrzeugelektronik stehen bei ZF im Fokus.
Können Sie eine Idee oder These nennen, die mehr Unternehmen in ihre Strategien aufnehmen sollten?
Nachhaltigkeit muss nachhaltig im Unternehmen verankert werden, sowohl in der Strategie als auch den Geschäftsprozessen. Zum Beispiel im Einkaufsprozess, wo wir das Sustainability-Criterion etabliert haben, das Voraussetzung für die Auftragsvergabe an Lieferanten ist. Oder im Produktentwicklungsprozess, wo auf dem Weg zur Serienreife verbindliche CO2 Zielvorgaben eingehalten werden müssen. Wir sind als ZF davon überzeugt, dass Nachhaltigkeit einen Kernbestandteil unseres Business darstellt und damit nicht nur unsere zukünftige “License to Operate” absichert, sondern auch unsere Wettbewerbsfähigkeit bestimmt.
Welche Eigenschaften muss ein Manager heute mitbringen, um Nachhaltigkeitsbemühungen im Unternehmen erfolgreich anzuregen und umzusetzen?
Nachhaltigkeit ist keine Expertenfunktion, sie geht alle im Unternehmen an – von den Beschäftigten in der Produktion bis zu den Vorstandsmitgliedern. Führungskräfte spielen hier eine große Rolle, als Verantwortliche für die Beiträge ihres Bereichs, als Brückenbauer über Abteilungs- und Unternehmensgrenzen hinweg und nicht zuletzt auch als Persönlichkeiten, die eine Vorbildfunktion haben.
Energie und Umwelt Gipfel (marcusevans-events.com)












