(openPR) Am 17. April 2023 trafen sich Vertreter*innen aus dem Kölner Klimarat, der Kommunalpolitik, von Kölner Institutionen und der Bürgerbewegung, um noch in diesem Jahr zwingend notwendige Klimaschutzmaßnahmen zu erörtern. Die Millionenstadt emittiert jährlich ca. 9 Mio. Tonnen CO2 und wird das Pariser 1,5 Grad-Ziel bei einem auf Köln umgerechneten Restbudget von etwa 30 Mio. t CO2 absehbar verfehlen. Die Chance auf Einhaltung des vom BVerfG vorgegebenen 1,75 Grad-Zieles kann die Stadt Köln bei einem Restbudget von etwa 60 Mio. t CO2 nur noch wahren, wenn 2023 tiefgreifende Maßnahmen umsetzt werden und die Arbeit des Klimarats verbessert wird.
Die Stiftung Energieeffizienz hatte zu einem offenen Erörterungstermin eingeladen, weil das durch die Verwaltung beauftragte Fachgutachten „Köln Klimaneutral 2035“ zu kurz greift und nur für ca. 1,5 Mio. t der jährlichen CO2-Emissionen Einsparempfehlungen ausweist. Anders als bei den Klima-Bündnis-Selbstverpflichtungen von 1993 und 2006 sowie dem Ratsbeschluss vom Juni 2021 zur Klimaneutralität 2035 äußert sich die Stadt Köln jetzt auch nicht mehr eindeutig zu der Gesamtverantwortung für die Kölner CO2-Emissionen.
Das Erreichen der Klimaschutzziele erfordert umgehende Handlungen und Weichenstellungen. Entsprechende Anfragen der im Klimarat vertretenen Stiftung Energieeffizienz zur Maßnahmenplanung 2023, der Nichtumsetzung der Geschäftsordnung des Kölner Klimarates und der Gesamtverantwortung für das Erreichen der Kölner Klimaschutzziele wurden von der Stadt Köln zum Teil seit Monaten nicht beantwortet.
Diskutiert wurden (s. Grafik in Bild 2) beispielhafte Maßnahmen, um die Größenordnung der notwendigen Klimaschutzmaßnahmen anzugehen. Da das Fachgutachten „Köln Klimaneutral 2035“ nur für gut 15% der gesamtstädtischen Emissionen Einsparempfehlungen enthält, sind weitere umfangreiche Maßnahmen erforderlich. Insbesondere bei anstehenden Entscheidungen zu großen Infrastruktur- und Bauvorhaben dürfen deren CO2-Emissionen auch bei der Herstellung nicht weiter unberücksichtigt bleiben. Da hierzu keine offiziellen Zahlen vorliegen, erfolgten Grobschätzungen durch die Stiftung Energieeffizienz [Stellungnahme zum Fachgutachten]. Demnach würde allein der Ausbau der Ost-West-Achse als unterirdische Tunnelvariante ca. 0,45 Mio. Tonnen CO2 mehr emittieren als eine oberirdische Lösung. Auch für andere Großmaßnahmen wie z.B. den Deutzer Hafen und die Neubausiedlung Kreuzfeld müssen klimaschützende Varianten anhand belastbarer Daten entwickelt und umgesetzt werden.
Der Ausbau erneuerbarer Energie muss gemeinsam mit massiven Energieeinsparungen und Effizienzsteigerungen umgesetzt werden. Die im Ukrainekrieg begonnene Suffizienz durch z.B. weniger Flächenverbrauch ist auszubauen und wirksame Einsparmaßnahmen sind beizubehalten. Für 2023 fehlen noch konkrete Maßnahmen der Industrie und weiterer Kölner Akteure, dies betrifft die im Fachgutachten benannten Sektoren und darüber hinaus auch Maßnahmen z.B. im Konsumsektor.
Die Diskussion zeigte, dass der Kölner Klimarat z.B. mit dem frühen Setzen konkreter Ziele und dem entwickelten Zielerreichungsmechanismus wertvolle Arbeit leisten kann. Er ist jedoch fachlich und partizipativ zu ertüchtigen, um seine Rolle als Treiber für nachweisbasierten Klimaschutz zu erfüllen. Einen Impuls für das Zusammenwirken mit weiteren Akteuren zeigt das Thesenpapier erfolgreiche Klimaräte: Einen kommunalen Klimarat als nachweisliche Klimaschutzexpertise, die Partizipation der Stadtgesellschaft über einen zusätzlichen Klima-Bürgerrat aus gelosten Bürger*innen und die Partizipation der Unternehmen über einen zusätzlichen Wirtschaftsrat-Klimaschutz. Das Erreichen des 1,75 Grad-Zieles und der vom Rat beschlossenen Klimaneutralität 2035 wird auch von dieser Weiterentwicklung mit ganzheitlichem Management und offenen Standards für das Treibhausgas-Controlling abhängen.
Links zu Bildern und Berichten entnehmen Sie bitte diesem PDF: StiftEE_PM_Klimaschutzmaßnahmen-Köln-2023_2023-04-19.pdf












