(openPR) München/Santa Cruz – Von den katastrophalen Überschwemmungen in Bolivien sind mindestens 70.000 Familien betroffen. Etliche von ihnen mussten auf der Flucht vor dem Wasser ihr gesamtes Hab und Gut zurücklassen. Im Osten Boliviens ist nach starken Regenfällen der Notstand ausgerufen worden. Die SOS-Kinderdörfer geben Nothilfepakete an betroffene Familien aus und richten provisorische Kindertagesstätten ein, um die Eltern zu unterstützen und zu entlasten.
Alfonso Lupo (AL), Koordinator der SOS-Kinderdörfer in Bolivien, beschreibt die Lage der Menschen in den am schwersten betroffenen Gebieten Santa Cruz und im Beni-Distrikt:
Wo und unter welchen Bedingungen sind die Familien und Kinder untergekommen, die vor dem Wasser geflohen sind?
AL: Viele Menschen haben sich entlang befestigter Straßen in der Stadt Santa Cruz notdürftig eingerichtet. Sie leben, kochen und schlafen dort unter absolut beengten Bedingungen. Alle verfügbaren Schulen sind in Notquartiere umgewandelt worden, so dass dort kein Unterricht stattfinden kann. Die hohe Dichte an Menschen an diesen Orten macht zwar die Nothilfe leichter, da wir sie besser erreichen. Zugleich nimmt aber auch das Ausmaß an Problemen zu.
Wie sind die hygienischen Bedingungen und Gesundheitsrisiken?
AL: Die Situation ist kritisch, wir sind alle sehr besorgt. In den überschwemmten Landstrichen herrscht tropisches Klima mit Temperaturen von mehr als 30 Grad. Das stehende Wasser ist bereits jetzt mit Fäkalien und Abfällen verseucht. Die Gefahr, dass dieses Wasser Krankheiten verursacht oder dass sich aufgrund der Enge Seuchen ausbreiten, ist sehr groß: Magen- und Darmkrankheiten, aber auch Dengue-Fieber und Mayaro, eine Virusinfektion übertragen von Mücken, die schwere, grippeähnliche Symptome hervorruft.
Findet überhaupt noch Familienleben statt?
AL: Das Leben der Eltern und Kinder hat sich natürlich völlig geändert. Alle Anstrengungen sind jetzt ausschließlich auf Überleben ausgerichtet. Viele Menschen hoffen, zurückzukehren in ihr Haus und in ihr früheres Leben. Dies ist jedoch unwahrscheinlich. Wenn die Menschen nicht die Mittel haben, um ihre Hütten und Häuschen wieder auf zu bauen, sich eine neue Lebensgrundlage zu schaffen – was soll aus ihnen werden? Viele werden auch umziehen müssen – doch wohin und womit das finanzieren? Was passiert mit ihnen, wenn sie erstmal realisieren, dass sie alles verloren haben? Das Risiko, dass die Familien dann zerfallen, ist sehr, sehr groß. Deshalb muss das wichtigste Ziel unserer Anstrengungen der Wiederaufbau und die Schaffung von Existenzgrundlagen sein. Bis jetzt sind alle Familien aber noch zusammen und die SOS-Kinderdörfer tun alles in ihrer Macht stehende dafür, dass es so bleibt. Unsere Nothilfeaktion läuft deshalb auch unter dem Motto „Familien helfen Familien“. Wenn die Familien intakt bleiben, haben die Kinder einfach bessere Entwicklungsmöglichkeiten.
Wie viel Unterstützung wird benötigt?
AL: Der Bedarf an Nothilfe ist weiterhin sehr groß, um das Überleben der Menschen mit dem Allernotwendigsten zu sichern – und das ist alles, was im Moment zählt. Die Situation ist dramatischer, als wir zunächst angenommen hatten, und mit jeder Woche, die vergeht, wird es schlimmer. Es wird viel Nothilfe von allen Seiten geleistet, aber die Menschen zu erreichen, ist aufgrund der Umstände schwierig.
Welche Konsequenzen zieht die Flut für die Menschen nach sich?
AL: Erst wenn die Wassermassen weichen, werden die Menschen wissen, wie viel sie verloren haben. Die Menschen brauchen Hilfe, um das Wenige, was ihnen vielleicht noch geblieben ist, zu retten. Sie brauchen wieder ein Dach über dem Kopf und Nahrung. Diese Menschen waren schon vorher arm – aber was sind sie jetzt? Es gibt kein Wort dafür. Was bleibt ihnen, was können sie tun? Besonders Gebiete, in denen die Menschen von Rinderzucht lebten, werden von den Folgen der Überschwemmung betroffen sein. Nicht nur wohlhabende Viehzüchter, sondern auch kleinere Bauern mit fünf bis zehn Kühen oder geringen landwirtschaftlichen Erträgen. Die Regierung prüft derzeit noch, ob diese Menschen in andere Gebiete umgesiedelt werden können.
Für die Schaltung des Spendenkontos sind wir dankbar:
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Bilder und weitere Informationen unter: www.sos-kinderdoerfer.de/presse
München, 6. März 2007
SOS-Kinderdörfer weltweit
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