(openPR) Deponie oder Chemieanlage- oder Beides?
Wie die ökologische Zukunft einer Region von einem typischen „Wendegewinner“ bedroht wird
Gegen einen Deponiestandort in Gräfenhainichen nahe Ferropolis hat sich im letzten Jahr eine breite demokratische Mehrheit gebildet. Mehr als 7.000 Bürger, die Stadträte von Gräfenhainichen, Oranienbaum, Kemberg und Dessau-Roßlau, der Kreistag des Landkreises Wittenberg sowie namhafte Politiker vom Bund und vom Land Sachsen-Anhalt haben sich klar gegen eine Deponie ausgesprochen.
Trotz aller Gegenstimmen, Bedenken und wissenschaftlicher Erkenntnisse forciert die Firma Papenburg nach Angaben des Landkreises Wittenberg derzeit die Eröffnung des Planfeststellungsverfahrens massiv. Mehr noch: ein Teil der Fläche soll nun zur Errichtung einer Chemieanlage zur Herstellung von Lithium genutzt werden. Anfang der 1990er hatte das niedersächsische Unternehmen das fragliche Gelände von der Treuhand erworben. Auch 30 Jahre später steht nicht das Wohl der Region, sondern der Profit im Vordergrund.
Lithium ist ein begehrter Rohstoff und unerlässlich für die Herstellung von Batterien aller Art, z.B. für Elektroautos. Der Standort bei Ferropolis punktet hier auf den ersten Blick mit der Nähe zu den Batterie-Produktionsstätten in Bitterfeld und Grünheide (Tesla) und mit der möglichen Wiederbelebung einer tief verwurzelten Industriekultur mit moderner, "grüner" Innovationstechnologie, die sich in bestehende touristische Nutzungskonzepte einfügt.
Genaue Recherchen zu solch einer chemischen Anlage offenbaren jedoch ein drohendes ökologisches Desaster.
Zur Lithiumgewinnung, wie sie hier geplant wird, werden große Mengen Erze benötigt. Diese sollen per Schiff und Bahn u. a. aus Kanada und Australien zu uns gelangen. Das Lithium soll hier vor Ort herausgelöst werden: Ein chemischer Prozess, bei dem höchst aggressive Chemikalien zum Einsatz kommen. Für 60 Kilo Lithium muss eine Tonne Erz zerkleinert und ausgewaschen werden (Angaben in Firmenprofilen von AMG und RockTechLithium). Dabei entsteht mehr als eine Tonne Abfall.
Bei der Verarbeitung fielen 175.000 t Abfälle pro Jahr an, die hier gelagert werden sollen.
Die Abfälle entsprechen in ihrem Schadstoffgehalt Deponieklasse I oder II. Bei einer geplanten Erhöhung der Produktion könnten in 20 Jahren bis zu 7 Mio. Tonnen Abfall der Deponieklasse I oder II anfallen. Das ist die doppelte Menge dessen, was die Firma Papenburg ursprünglich geplant hatte - eine gute Erklärung für die verstärkten Bemühungen des Unternehmens.
Aus unserer Sicht haben diese Planungen nichts mit grüner Innovation, ökologischer Technologie, Vernunft oder Verstand zu tun.
Für den Gremminer See gibt es für die Zeit nach der Entlassung aus dem Bergrecht bereits zahlreiche Konzepte, die Freizeitaktivitäten, Tourismus und Natur in einen harmonischen Zusammenhang setzen.
Ein Entwicklungskonzept, das Tourismus direkt neben einer Chemieanlage und/oder Deponie plant, ist keines!
Eine Antwort auf unsere Frage, warum diese Chemieanlage und zugehörige Deponie nicht in einem Chemiepark angesiedelt werden können, haben wir bislang nicht erhalten.
Wir haben mehrfach darauf hingewiesen, dass eine Deponie auf diesem Standort nicht errichtet werden kann, da der ungeeignete Untergrund eine schwere Gefährdung für Grund- und Trinkwasser darstellt. Das Gleiche gilt für die geplante Chemieanlage.
Wir stehen für grüne Innovationen, Fortschritt, die Schaffung nachhaltiger Arbeitsplätze und die Stärkung der Wirtschaftskraft in unserem Land. Stattdessen wird die Zukunft unserer Kinder, lebenswichtiger Ressourcen und der hier lebenden Menschen aufs Spiel gesetzt. Unverständlich für uns, denn selbst im Grundgesetz steht: „Der Staat schützt auch in Verantwortung für die künftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen und die Tiere im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung durch die Gesetzgebung und nach Maßgabe von Gesetz und Recht durch die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung.“ (Art. 20a)
In diesem Wahljahr werben die Parteien mit Slogans wie „Vernunft und Verstand für unser Land“. Daher vertrauen wir darauf, dass sie mit Vernunft alle Interessenslagen gleichwertig berücksichtigen und unsere Bemühungen unterstützen, die Errichtung einer Deponie und einer Chemieanlage an diesem Standort zu verhindern.
Natur auf der Kippe e.V.








