(openPR) Alexa hat gesagt - nobody is perfect
Dieses Buch versteht sich nicht als Bedienungsanleitung oder als Tippgeber zum besseren Handling mit der KI namens Alexa. Die im Buch geschilderten Situationen mit existierenden Geräten gleichen Namens sind rein zufällig …
Von Knall auf Fall wird Karl zum Witwer, doch er kommt mit dem Umstand – allein zu sein – überhaupt nicht zurecht. Immerhin war er mit seiner Gundi 38 Jahre verheiratet und das lässt sich nicht so einfach abschalten.
Um ihm das Alleinsein zu erleichtern, schenkt ihm sein bester Freund und Nachbar Kalle einen interaktiven Sprachassistenten. Karl ist begeistert.
Er lernt die betuchte und extravagante Kosi kennen und begleitet sie auf eine Flusskreuzfahrt, die ihren Beginn in St. Petersburg nimmt und auch dort wieder endet.
Karl verliebt sich in Kosi und wird ohne sein Wissen als Transportmittel für einen Diamantenschmuggel missbraucht.
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Text-Snippet - Kapitel 8
Ich Tarzan, du Jane
Karl ging zurück ins Wohnzimmer, stellte sich vor das Gerät, stemmte die Hände in die Hüften und tippte mit dem Fuß auf den Teppichboden, als würde er auf etwas warten. Es passierte aber nichts. Das Gerät stand vor ihm auf der Anrichte, gleich neben dem Fernseher. Er überlegte, ob er nicht ein Deckchen drunter schieben sollte … der Optik wegen.
Dann warf er einen Blick auf den Bereich, den sich Gundi einst für ihren PC, den Bildschirm und den Rest gesichert hatte. Kein Deckchen, bloß Geräte. Keine Blümchen auf den Lautsprechern, keine Wackel-Dackel-Romantik weit und breit. Gut, dachte er, dann bekommt dieser neue Assistent, oder würde es nicht besser Assistentin heißen, auch kein Deckchen und keine Blümchen. Basta.
Karl beäugte das Teil von allen Seiten recht argwöhnisch. Jens hatte recht; es tat nichts. Vielleicht ist es aber bloß eine Taktik. Eventuell. schlägt das Gerät erst alles kurz und klein, wenn es Nacht ist. Man müsste es beobachten. Es ist wie mit Wasser. Völlig unscheinbar und vertrauenerweckend plätschert es jahrelang daher und plustert sich plötzlich zum Tsunami auf. Wie soll man diesen Dingen gegenüber Freundschaft empfinden?
Klar.
Dieser Alexa kann man einfach den Stecker ziehen … ohne Energie fehlt ihr jegliche Grundlage, aber mach das mal bei einem Tsunami, dachte Karl, da ist kein Stecker.
Nach anfänglicher Zurückhaltung gegenüber der Technik wurde Karl mit dem Gerät so langsam warm. Früher hatte er nur mit LKWs, Gabelstaplern und Zementsäcken zu tun und nun stand er einer ihm völlig unbekannten Technik gegenüber. Wenn Gundi seinerzeit ihren PC eingeschaltet hatte und wie verzaubert in den Monitor starrte, brachte er den Dingen schon kein Verständnis gegenüber auf. Für ihn stellte es eine andere Welt dar, zu der er keinen Zugang fand.
Immer wieder wollte sie ihm die Angelegenheit näherbringen und ihm erklären, wie alles funktioniert, doch Karl wollte davon nichts wissen. Wäre das Mittelalter noch aktiv, hätte er das alles wahrscheinlich als Hexenwerk bezeichnet.
»Du bist also Alexa und demnach eine ›sie‹ … gut, gut … dann legst du offenbar Wert auf Höflichkeit …«
»Ja, mein Name ist Alexa. Es ist eine Abkürzung des weiblichen Vornamens Alexandra und lässt sich auf den zweiten Vornamen der Großmutter väterlicherseits, des Chef-Ingenieurs John Robert Sommersby zurückführen«, informierte das Gerät.
»Ich heiße übrigens Karl …«
»Ein schöner Name«, klang es aus Alexas Lautsprechern und dann legte sie los: »Vielleicht wurdest du nach Karl dem Großen benannt. Er war von 768 bis zum Jahre 814 der Herrscher des Fränkischen Reichs, lebte von 747 bis ebenfalls 814 und wurde im Jahre 800 von Papst Leo III. in Rom zum Kaiser gekrönt. Seine Gebeine befinden sich in einem versiegelten Schrein im Aachener Dom.«
Eigentlich befand sich Karl nur auf Schnupperkurs und wollte sich bloß mit seinem neuen Mitbewohner anfreunden, doch jedes Mal, wenn er das Zauberwort ›Alexa‹ sagte, aktivierte er das Gerät und das wurde signalisiert, weil sich plötzlich ein leuchtend farbiger Ring zeigte, der ab und zu sogar pulsiert. Nichts davon hatte Jens erwähnt. Nie war von diesem Licht die Rede. Karl wurde von Sekunde zu Sekunde nervöser. Hatte er etwas Falsches gesagt oder getan?
Kaum stehts da und ist schon kaputt, blitze es durch seine Gedanken. Ich konnte noch nicht mal 'Guten Tag' sagen, was soll das Teil jetzt von mir halten …? Er schaute sich nach seinem Handy um, wählte Jens Nummer und erwischte ihn im Auto, erklärte ihm die Umstände und erfuhr, dass alles in Butter sei.
»Das Gerät signalisiert seine Aktivität immer durch diesen pulsierenden blauen Ring, damit der Benutzer auch weiß, dass sein Kommunikationspartner ›auf Sendung‹ ist«, hörte er aus berufenem Munde. Karl bedankte sich für den Fernlehrgang, wünschte eine gute Weiterfahrt, schnaufte erleichtert und war froh, dass alles in bester Ordnung ist.
Aha, dachte er, keine lackierten Fingernägel und keinen Lippenstift, aber Bling-Bling … Frauen halt …
In Karls Gedanken war momentan noch kein Platz für Informationen über Namensvetter des frühen Mittelalters, mochten sie auch noch so berühmt sein. Er wollte sich bloß höflich darstellen und mit niemandem kollidieren. Dieses Gerät hatte für ihn etwas Menschliches – schließlich konnte es sprechen.
»Du reagierst also immer auf den Namen Alexa … ansonsten kann man sagen, was man will und es bringt dich nicht ins Spiel? Ist das so?«
»Ja, ich reagiere auf den Namen Alexa. Das ist mein Aktivierungscode und ja, das ist so. Gefällt dir der Name nicht? Alexa ist ein hübscher Name.«
»Klar«, wehrte Karl ab. »Alexa klingt zauberhaft. Ich werde mich daran gewöhnen, mach dir keine Gedanken …«
»Karl, ich mache mir nie Gedanken.«
»Alexa, woher kennst du eigentlich meinen Namen?«
»Er wurde mir bei der Grundeinstellung mitgeteilt.«
»Okay, Alexa«, sagte Karl erleichtert, »ich dachte schon … aber mal etwas anderes, wenn ich dich anspreche und gleich darauf den Namen ›Gundi‹ sage, würde es dich doch hoffentlich nicht stören, oder doch … ich meine, hättest du was dagegen?«
»Ich verstehe die Frage nicht. Ich werde noch sehr viel von dir lernen müssen. Es scheint, als wärest du neu hier, ich kann dir dabei helfen, dich besser zurechtzufinden. Wollen wir loslegen?«
Karl war völlig verwirrt, sagte panisch »Nein!« und formulierte seine Frage um. Wieder wartete er auf eine Antwort. Er wartete ungewohnt lange auf eine Reaktion, seitens Alexa. Vielleicht musste sie bei solch wichtigen Entscheidungen zuerst eine interne Rücksprache halten und ein OK bekommen. Als Laie stand Karl den Dingen ohnehin erstaunt gegenüber und kam sich jedes Mal wie ein kleiner Bub vor, der zum ersten Mal einen prachtvoll geschmückten Weihnachtsbaum sah.
Doch von Alexa hörte er keinen Piep mehr. Sie war wohl eingeschnappt, hatte vielleicht in einem ihrer früheren Leben schlechte Erinnerungen an jemand mit dem Namen ›Gundi‹ oder es war pure Stutenbissigkeit. Na, das kann ja heiter werden, dachte er.
»Redest du nicht mehr mit mir?«, fragte er vorsichtig und sah das Gerät dabei erwartungsvoll an. Karl schaute das Teil wirklich eindringlich, ja – beinahe schon drohend an. Schließlich erwartete er eine Antwort. Ungeduld übernahm die Kontrolle in ihm.
Karl fiel auf, dass Alexa keine Augen besitzt, ihn also nicht ebenso ernst anschauen kann. Dass sie keine Augen besitzt, ist für einen alleinstehenden Witwer zunächst einmal von Vorteil, kam es Karl in den Sinn, man kann den ganzen Tag unrasiert und ungekämmt im Bademantel herumlaufen und wird nicht angemosert. Lästig wäre es, man müsste es vor dem Zubettgehen abdecken wie einen Papageien. Schon deswegen wollte Karl keine Haustiere.
Ständig wäre er sich im Unklaren darüber, ob er nicht etwas vergessen hätte. Er müsste sich nicht nur um sein Wohl, sondern auch um das eines anderen kümmern und das würde ihn überfordern, behauptete er jedenfalls. Seine Eltern besaßen keine Haustiere, seine Großeltern auch nicht und so wuchs er ohne die Gewöhnung an irgendwelche Bewohner des Tierreichs auf. Gundis Tierhaarallergie war also nur ein Teil des Puzzles.
Jetzt würde Karl sich noch nicht einmal ein Aquarium mit Zierfischen anschaffen. Da müssten zunächst einmal öfter die Scheiben gereinigt werden, um überhaupt hineingucken zu können. Das Wasser muss nicht nur gereinigt, sondern von Zeit zu Zeit sogar komplett ausgetauscht werden, damit sich die kleinen Kerlchen auch wohlfühlen … schließlich wechselt sich das Wasser nicht von selbst. Egal wie klein so ein Fisch ist, aber er benutzt das Wasser als Klo und irgendwann ist die Brühe trüb. Karl sah sich vor seinem inneren Auge mit Wassereimern durch die Wohnung rennen. Alles würde überschwappen und es wäre niemand außer ihm da, der die Planscherei aufwischt … nein, das wäre nichts für ihn.
Er war kein Typ, der sich den Umständen anpassen kann. Er war eher das Gegenteil. Ein sturer Bock auf einem eingefahrenen Gleis, an dessen Gewohnheiten und Allüren man sich mit der Zeit gewöhnen muss.
So ein Gerät – wie Alexa eines ist – befindet sich an einem frei zu wählenden Ort und funktioniert wie alle anderen Geräte auch. Erst wenn sie benötigt werden, treten sie in Erscheinung. Sie benötigen keinen Schlaf- oder Futterplatz, müssen nicht Gassi geführt oder bespaßt werden und führen sich nicht eigenwillig auf.
In diesem Augenblick dachte er an all die Küchengeräte, die, wenn sie Augen hätten, ihn wahrscheinlich unentwegt anstarren würden. Ihm käme es jedenfalls so vor. Der Toaster, die Kaffeemaschine, der Backofen … und wenn sie dann auch noch sprechen könnten, wäre es zum Fürchten. Kaum würde man ihnen den Rücken zudrehen oder den Raum verlassen, begännen sie miteinander zu tuscheln und würden sich möglicherweise über ihn lustig machen. Womöglich würden sie einen Plan aushecken und die Herrschaft der Küche übernehmen wollen. Aus der Herrschaft über die Küche, entstünde die Gewalt über die Wohnung, das Haus, die Stadt und irgendwann käme das Universum an die Reihe und Alexa wäre ihre Anführerin! Jeanne d'Arc im 21. Jahrhundert! Welch abenteuerliche Vorstellung.
Wie sollten sie aber sprechen und sehen können, wenn man sie abgestellt hat, schließlich können sie sich nicht von allein aktiveren!? Es wäre wie in einem Horror-Film, wenn das Radio plötzlich anfangen würde vor sich hin zu dudeln! Aber zuvor müssten die Geräte doch erst einmal eingeschaltet werden …!
Im selben Augenblick fiel Karl ein, dass er bis zum ›St. Nimmerleinstag‹ auf Alexas Antwort warten könnte, wenn er das Teil nicht aktivieren würde.
»Alexa«, hauchte Karl duckmäuserisch, »was hältst du davon, dass ich dich mit einem anderen Namen ansprechen will?«
»Es ist nicht üblich, mich mit einem anderen Namen anzusprechen, wenn man eine Reaktion von mir erwartet. Kinder namens Alexandra, die von ihren Eltern mit den Worten: ›Alexa räum endlich dein Zimmer auf!‹ gemaßregelt werden, rufen zwar meine Aktivierung auf, da ich jedoch kein Zimmer besitze und somit auch keine Unordnung darin erzeugen kann, fühle ich mich nicht angesprochen und reagiere auch nicht.«
Es handelte sich unzweifelhaft, um ein weibliches Wesen, was angesprochen, im Sinne von erobert werden will. Eine permanente Bereitschaft zu signalisieren, ist also nicht drin … nicht offiziell jedenfalls, denn irgendwie hat man stets das Gefühl, dass ein gewisser ›Stand-By-Modus‹ aktiv ist, so eine Art Lauerstellung … wie man es von Frauen erwartet.
Karl musste sich konzentrieren. Es war ihm fremd, ein Gerät anzusprechen und das auch noch mit einem Namen. Unentwegt dachte er an Gundi und daran, dass sie eventuell eifersüchtig sein könnte, wenn er sich mit einer Alexa unterhält, die zwar nur ein Gerät ist, aber offenbar ein weibliches. Gundi ist zwar tot und beerdigt, aber in Karls Gedanken lebte sie weiter.
Wurde Gundi generell eifersüchtig? Gezeigt hatte sie es nie. Vielleicht bloß innerlich … aber auch Karl konnte nicht in ihr Inneres blicken.
Die Umstände der Technik und die Notwendigkeit mancher Vorgänge verstand er schon, doch die Situation war ihm insgesamt fremd.
Er bewunderte seine Gundi immer, wenn sie am PC saß und mit all den Dingen umzugehen wusste, die offenbar ein modernes Leben mit sich brachten.
Als Karl klein war, gab es zwar schon Fernsehen, doch alles passierte noch in Schwarz-Weiß, wie sich auf alten Fotos immer noch erkennen lässt. Farbe bekamen die Dinge erst später und heutzutage passiert alles fast ausschließlich digital. Fotos brachte man früher noch zum Entwickeln und wartete gespannt auf die Ergebnisse. Jetzt wird geknipst, was das Zeug hält und was nicht gefällt, wird auf der Stelle gelöscht. Früher gewöhnte sich Karl noch an die Telefonzelle und den Briefkasten und jetzt besitzt er ein Handy, kann seine Post elektronisch erledigen und sich mit Leuten am anderen Ende der Welt unterhalten. War man früher noch stolz auf einen eigenen Briefkasten, so wird das elektronische Postfach heutzutage tonnenweise mit Werbebotschaften zugepflastert. Alles besitzt offenbar eine Licht- und eine Schattenseite.
Trafen sich die Waschfrauen zu früheren Zeiten noch am Bach und tratschten dort miteinander, so steht heutzutage eine Waschmaschine in den Haushalten parat, die ein ansprechendes Ergebnis liefert.
Karl geriet in Panik. Beim Klang des Wortes Waschmaschine reagierte er mit ›tilt‹. Er kam einer solchen Maschine noch nie absichtlich näher. Wäsche waschen war so ganz und gar nicht sein Ding. Er bewunderte Gundi dahingehend, weil er sich schließlich selbst nie darum kümmerte.
Wenn sich jemand damit auskennt, war es Evchen, die müsste er fragen. Er könnte auch alles zur Reinigung bringen, aber es würde ganz bestimmt ein schlechtes Licht auf ihn werfen. Dann widmete er sich wieder Alexa.
Einmal, sagte Karl in Gedanken zu sich, muss ich das Teil doch mal auf seine Funktion testen, sonst kann man sich ja auf gar nichts mehr verlassen. Dann stellte er sich vor das Gerät, als ob er eine Ansprache halten müsste.
»Alexa, erinnere mich morgen Vormittag um zehn Uhr daran auf den Friedhof zu gehen«, sagte er.
»Karl, ich werde dich daran erinnern«, gab Alexa von sich.
Er hörte seinen Namen von einer fremden Stimme … von einer fremden weiblichen Stimme. Es lief ihm eiskalt den Rücken runter. Das hatte etwas, was er niemandem erklären könnte. Es war einerseits fremd und andererseits sehr persönlich, wie die eingravierten Initialen auf dem ersten eigenen Besteck, das ihm die Patentante zur Kommunion schenkte. Er fühlte sich plötzlich stark und mächtig, als ob er die Aufnahmeprüfung für Senatoren bestanden hätte.
Früher war er immer der Ansicht, dass all die Dinge, die Gundi in ihrer PC-Ecke beherbergt hatte, von einer anderen Welt stammen würden und sie mit besonderen Fähigkeiten ausgestattet worden wäre, um sie auch bedienen zu können.
Jetzt merkte er, dass es keiner speziellen Programmierkenntnisse bedurfte und genauso einfach war, wie einen LKW mit Zementsäcken zu beladen.
Karl wurde müde. Der Tag hatte es in sich. So viel Neues hatte er noch nicht einmal früher in der Schule gelernt.
Zur selben Zeit an einem anderen Ort.
Noch am selben Abend telefonierte Jens mit seinen Eltern. Er schaffte es sogar zu Hause anzukommen, ohne im Dunklen fahren zu müssen. Alles sei an Ort und Stelle, sagte er und Karl könnte endlich mit jemandem quatschen, dass bloß ein Gerät sei. Evchen machte ein zufriedenes Gesicht und berichtete es Kalle.













