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„Wir Serienmörder sind eure Söhne, wir sind eure Ehemänner, wir sind jedermann“

12.02.2007 • 15:49 Uhr • Freizeit, Buntes, Vermischtes

(openPR) Diese Woche ist es soweit: die Verfilmung des vierten Hannibal-Lector-Romans kommt in die deutschen Kinos. Erhalten wir nun endlich die Antwort auf die Frage, warum er zum Serienmörder und Menschenfresser wurde? Auch im wahren Leben ereilt uns das Faszinosum „Serienmörder“ immer wieder, wie es der spektakuläre Prozess in Kanada um den mutmaßlichen Täter Robert Pickton erneut zeigt. Bis zu 49 Morde soll er gestanden haben. Ihm wird vorgeworfen, seine Opfer mit einer Häckselmaschine zerkleinert zu haben, teilweise soll er sie auch enthäutet haben. Der Grausamkeiten nicht genug: Sogar an seine Schweine habe er die Leichen verfüttert. - Wie konnte es dazu kommen, warum begeht ein Mensch solche bizarre und abartige Verbrechen?

Die Mörder sind mitten unter uns

Die Täter kommen mitten aus unserer Gesellschaft – sie sind mitten unter uns. Aber welche Einflüsse und Erlebnisse haben sie zu Mördern, gar zu Serienmördern, werden lassen? Diese Frage bleibt bis zur Gerichtsverhandlung oftmals ungeklärt, selbst diese bringt nicht immer Licht ins Dunkel. Die Zeit bis zur Aufklärung der Verbrechen zieht sich in der Regel. So wurde jüngst in einer Studie zu Serien-Sexualmördern in Deutschland festgestellt, dass es durchschnittlich über drei Jahre dauert, bis die Täter dingfest gemacht werden. Zieht man die ungeklärten Fälle hinzu, verdoppelt sich der Zeitraum sogar. Dies lässt viel Spielraum für Spekulationen. Kaum verwunderlich, dass Serienmorde oftmals eine Aura von Faszination und Mysterium umgibt.

Die Gesellschaft findet für Serienmörder schnell griffige Umschreibungen: „Die Bestie von Lagenberg (Jürgen Bartsch), „Das Monster von Münsterberg“ (Karl Denke) oder „Der Vampir von Düsseldorf“ (Peter Kürten), um nur einige Beispiele anzuführen. So grausam ihre Taten, so unauffällig in der Regel ihr Verhalten in der Öffentlichkeit. Beispielhaft sei noch einmal Robert Pickton angeführt: er war bekannt als hart arbeitender, humorvoller und gutmütiger Mensch, der nie einen Tropfen Alkohol anrührte. Wo also liegen die Motive für ihre Taten?

Zu keinen Gefühlen fähig

Wie vielfältig die Erklärungsversuche- und ansätze sein können, zeichnet Peter Fink in seinem Buch „Immer wieder töten - Serienmörder und das Erstellen von Täterprofilen“ nach, ohne der Sensationsgier zu verfallen. Die Typisierung von Serienmörder wurde insbesondere in den USA Ende des letzten Jahrhunderts vorangetrieben. Es kristallisierten sich zahlreiche Erklärungsansätze- und versuche heraus, um das Phänomen greifbar zu machen. Eines sticht heraus, was allen Serienmördern gemein scheint: die Unfähigkeit, Gefühle zu haben. Erst durch ihre Tat erwachen sie quasi zum Leben und ihre Opfer müssen dafür aufs Grausamste sterben. Damit ist die Rückfälligkeit so gut wie vorprogrammiert. Folgende Merkmale gelten in der Regel darüber hinaus für alle Serienmörder:

- Sie töten sinnlos und willkürlich.
- Sie sind nicht schizophren.
- Sie leben nicht in Wahnwelten.
- Sie geraten nicht außer Kontrolle.
- Sie sind äußerst sadistisch und extrem brutal.
- Sie töten immer und immer wieder – in der Hoffnung, endlich ihre Phantasien zu befriedigen, ohne sie jedoch je zu erreichen.

Wichtig bleibt festzustellen, dass keiner der Täter ohne Motivation handelt. Diese Ursachen zu ergründen, in die Gedankenwelt der Täter einzudringen ist Aufgabe und Herausforderung für die Ermittlungsbehörden.

Profiler erfolgreich auf der Jagd nach Mustern

In diesem Zusammenhang kommt die Fahndungsmethode des „Profiling“ ins Spiel. Laut Krimpedia, der freien Enzyklopädie zur Kriminologie am Institut für Kriminologische Sozialforschung in Hamburg, geht es „beim Profiling … um das Umreißen einer Person, nämlich im Sinne einer möglichst genauen (verhaltenstypischen) Beschreibung einer bislang unbekannten Person. Ziel ist es also, sich mit Hilfe eines Täterprofils ein (Persönlichkeits-)Bild des unbekannten Täters machen zu können.“ Nicht zuletzt Dank diverser Kinofilme und TV-Krimiserien hat der „Profiler“ auch bei uns inzwischen ein Gesicht bekommen. In Deutschland gewinnt diese Ermittlungsmethode im Alltag der Kriminalisten mehr und mehr an Bedeutung. Hier sprechen Insider dann gerne von der „operativen Fallanalyse“. Ausgehend vom konkreten Einzelfall werten die Ermittler die vorhande Fakten, Beweise und äußeren Umstände aus. Dabei greifen sie u.a. auf Erkenntnisse aus der Psychologie, der Soziologie und der Medizin zurück und verbinden sie mit einander; mit all ihren Chancen und Grenzen. Unterstützung leisten dabei inzwischen modernste EDV-Hilfsmittel. So gelingt es den Ermittlern im besten Fall, bestimmte Muster abzuleiten und so nach und nach den Täterkreis einzugrenzen und den wahren Täter dingfest zu machen.

„Wir Serienmörder sind eure Söhne, wir sind eure Ehemänner, wir sind jedermann“ skizziert der US-Amerikaner Theodore Robert Bundy sich und seine Mittäter äußerst knapp und zutreffend. Bundy selbst hat nach verschiedenen Schätzungen zwischen 35-60 äußerst bestialische Morde verübt – während die Medien von ihm das Bild eines netten Menschen von nebenan zeichneten: intelligent, gut aussehend und redegewandt. 1989 endete er auf dem elektrischen Stuhl. Wir hätten ihm im Alltag beim Bäcker, in der Bank oder beim Bier nach Feierabend begegnen können – durchschauen werden wir den Serienmörder jedoch nicht. Auch nicht mit den modernsten Methoden der Verbrechensbekämpfung. Doch vielleicht erfahren wir ja im neuen Hannibal-Lector-Film etwas Neues.

Eine Leseprobe sowie nähere Angaben zum Buch von Peter Fink findet sich unter folgendem Link: http://www.vdpolizei.de/index.cfm?&modus=s_x_0_s_100556

Titel: Immer wieder töten
Serienmörder und das Erstellen von Täterprofilen
Autor(en): Peter Fink
Verlag: Verlag deutsche Polizeiliteratur
Preis: 20,40 EU
ISBN 978-3-8011-0447-4
Auflage 2/2001
370 Seiten, DIN A5, Broschur, versandkostenfrei

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