(openPR) Wie die Haare von geliebten Menschen zu einzigartigen Kunstwerken werden, welche handwerklichen Techniken und soziokulturellen Hintergründe bei der Entstehung und Fertigung von Haarschmuck mit hineinspielen, stellt das Autorenteam mit Alfred Peters, Dr. Ute Olliges-Wieczorek und Dr. Imke Barbara Peters in dem Buch „Schmuck aus Bildern und Haaren“ dar. Dabei darf natürlich auch ein Streifzug durch die Geschichte des Haarschmucks nicht fehlen. Die Faszination für diese wertvollen Schmuckstücke und Bilder aus menschlichem Haar überträgt sich schon beim ersten Durchblättern nicht nur auf Haarexperten, Textilgestalter oder Sammler, sondern erfasst nahezu jeden, zumal in dem 154 Seiten starken Nachschlagewerk die wohl beeindruckendsten Exponate des 18. und 19. Jahrhunderts nicht nur in Wort und Bild dargestellt werden, sondern auch deren Verarbeitungstechniken anschaulich aufarbeitet werden.
Im In- und Ausland hat Alfred Peters bereits in zahllosen Ausstellungen und Vorträgen eine längst vergessene Kunst vorgestellt. Der Autor des Buches „Schmuck aus Bildern und Haaren“ steht in dem nachfolgenden Interview Rede und Antwort und erläutert die Faszination für den Haarschmuck:
Wie kommt man auf eine so ungwöhniche Idee, wie dem Sammeln von Haarschmuck?
Peters: „Seit Generationen hat meine Familie mit Schmuck und Bildern aus Haaren zu tun gehabt, wodurch ich die Beziehung und die Liebe zum menschlichen Haar gewinnen konnte. Ich entdeckte darin einen kostbaren Werkstoff, ist doch das Haar die Krone eines jeden Menschen.“
Was ist das Besondere am Haarschmuck?
Peters: „Seit Alters her wurde das menschliche Haupthaar als so kostbar empfunden, dass man es zu wertvollen Schmuckstücken oder Wandbildern verarbeitet hat. Das menschliche Haar wird zum persönlichen Andenken, weil es von einem bestimmten Menschen stammt. Immer wieder erstaunt mich die Vielfalt und der Ideenreichtum, der sich in den Bildern und dem Haarschmuck wieder spiegelt. Fertigten doch Haarbildner, Perückenmacher und Näherinnen in Heimarbeit und Novizinnen in den Klöstern immer neue Motive. Es entwickelte sich zeitweise eine regelrechte Volkskunst.“
Mit welchen Techniken und Materialien wurde Haarschmuck hergestellt?
Peters „Auf den ersten Blick ist für den Laien kaum zu erkennen, dass es sich bei den Kunstwerken um den Werkstoff „Haar“ handelt. Für Frauen wurden Ohrringe, Armbänder, Fingerringe, Broschen und Halsketten in feinsten Mustern gewebt, geflochten oder geklöppelt und dann in Gold gefasst.“
Wie kann man beispielsweise ein Armband als Haarschmuck verwenden? Wie bekamen die Damen dieses problemlos wieder ab?
Peters: „Durch eine spezielle „Ziehharmonika-Technik“ sind die Armbänder auf größeren Durchmesser dehnbar. Oft wurden sie mit Haarrosetten im Blütenform verziert.“
Wie sahen beispielsweise Halsketten aus Haarschmuck aus?
Peters: „Die bis zu 180 cm langen Halsketten wurden häufig vierlagig um den Hals getragen. Daran hing eine zierliche Damenuhr oder ein goldenes Medaillon. Die Medaillons beinhalten oft Haare von geliebten Menschen als kunstvoll gelegte Haarlocke.“
War Haarschmuck auch in anderen Ländern stark verbreitet?
Peters: „In England trugen die Frauen während der viktorianischen Zeit häufig so genannte „Memory-Broschen“. Diese bestehen aus Metall teilweise aus Gold. Innen enthalten sie schwarz emaillierte Flächen, auf denen die Haare, hinter Glas geschützt, zur Erinnerung an eine verstorbene Person als so genannte „Prince-of-Wales-Locke“ gelegt ist.“
Welche Schmuckstücke aus Haarschmuck sind heute noch bekannt?
Peters: „Der meiste heute erhaltene Haarschmuck sind Haaruhrenketten in vielfältigen Ausführungen. Die Herren trugen üblicherweise ihre Taschenuhren an Ketten, die aus Haaren gefertigt wurden. Die Haare stammten von der Ehefrau oder der Geliebten. Dies belegt wiederum den Symbolwert. Die zeitliche Blüte des Haarschmucks ist vor allem das 19. Jahrhundert mit einem ausgeprägten Freundschaftskult, der Neigung zur Empfindsamkeit und der Erinnerung.“
Schmuck aus Bildern und Haaren
Alfred Peters, Dr. Ute Olliges-Wieczorek und Dr. Imke Barbara Peters
154 Seiten, 246 farbige Abbildungen, 80 Schwarzweißfotos und Zeichnungen
Hardcover
ISBN 3-928327-20-8
Preis 35,- Euro













