(openPR) Als Hilfe zur Selbsthilfe organisiert die deutsche Krankenpflegerin Monika Caspary eine Frauengenossenschaft für allein erziehende Mütter in Arusha, im ostafrikanischen Tansania. Mit ihrem Beispiel macht sie Mut für den Kampf um die Chancengleichheit der Frauen weltweit.
Janneth Mmary arbeitet für knapp zwei Euro am Tag als Helferin in einem kleinen Kindergarten. Sie versorgt damit ihre beiden Kinder, zwei Töchter eines Verwandten und ihre kranke Mutter. Sie ist kaum zur Schule gegangen und hat daher keine Aussicht auf einen besser bezahlten Job. Durch ihr eigenes Schicksal weiß sie, wie wichtig ein gutes soziales Umfeld und die Schulbildung für die Kinder sind. Dafür kämpft sie jetzt und beteiligt sich an einem genossenschaftlichen Siedlungsprojekt, das dies ermöglicht. In der neuen Siedlung wohnen die Frauen gemeinsam, betreuen gegenseitig ihre Kinder und schließen sich einer Spar- und Kreditgenossenschaft an. Jede von ihnen wohnt in ihrem eigenen Haus. Monika Caspary leitet das Genossenschaftsprojekt für den Projektträger, die Evangelisch Lutherische Kirche, in Arusha. Der Bau der Siedlungen wird von der DESWOS Deutsche Entwicklungshilfe für soziales Wohnungs- und Siedlungswesen e.V. unterstützt.
Monika Caspary lernt in Afrika täglich Frauen kennen, die ihr Leben gegen alle Widerstände mit einer bewundernswerten Ausdauer organisieren. "Durch den langen persönlichen Kontakt zu allein erziehenden Müttern habe ich ein Auge für ihre prekäre Lebenssituation entwickelt" sagt sie und unterstützt durch ihre Kenntnisse und Verbindungen den Kampf der Frauen um bessere Lebensbedingungen.
Allein erziehende Mütter in Tansania können nur davon träumen, in einem eigenen Haus zu leben. Von den ohnehin geringen Einnahmen zahlen sie das Schulgeld, tragen die Kosten für Schuluniformen, für das Essen und die Unterkunft der Kinder. Wenn ein Familienmitglied krank wird, hilft ihnen niemand und auch im Alter sind sie auf sich allein gestellt. So bleibt ihnen nur, ihr Leben selber in die Hand zu nehmen.
Diese Chance hat Janneth Mmary ergriffen. Sie meldet sich im Büro der Evangelisch Lutherischen Kirche in Arusha für das Siedlungsprojekt an und erhält einen der begehrten Plätze ". Die Idee, ein eigenes Haus auf der Basis eines Kleinkredits zu bauen, war eine Sache, von der ich nie zu träumen gewagt hätte" erinnert sie sich. Diese Plätze werden nur an allein erziehende Mütter vergeben, die einer regelmäßigen Arbeit nachgehen, so dass sie die Kosten für das Baumaterial monatlich zurückzahlen können. Jede Frau bestimmt die Lage und Ausrichtung ihres Hauses auf dem Siedlungsgrundstück und packt beim Bau tatkräftig mit an. So schaffen es Frauen wie Janneth Mmary, ihren Lebenstraum wahr werden zu lassen.
Monika Caspary macht den Frauen vor Ort Mut, sie motiviert sie, sie unterstützt ihre Initiativen.
Schon 1989 folgte die Krankenpflegerin aus Bingen ihrem Mann nach Äthiopien. Dort kam Monika Caspary in enge Berührung mit der so anderen Kultur. Sie erinnert sich: "Wir kochten in einer kleinen Küche auf offenem Feuer, wuschen unsere Wäsche im Fluss, alles Alltägliche dauerte unendlich lange." Trotz der Entbehrungen ist sie Afrika treu geblieben. Hier hat sie ihr außergewöhnliches kulturelles und sprachliches Einfühlungsvermögen entwickelt. Der Kontinent hat ihr die Augen geöffnet für die Sorgen und Nöte der afrikanischen Frauen.
Ein eigenes Haus bedeutet für die allein erziehenden Frauen sehr viel. Zum ersten Mal in ihrem Leben haben sie einen festen Punkt, der ihr Leben verankert und um den sie ihren Alltag gestalten. Die meisten der Frauen sind zwischen 30 und 40 Jahre alt und kommen aus Dörfern und kleinen Städten in ganz Tansania, die sie nicht selten unter Druck verlassen haben. Ledige oder verlassene Frauen stören das traditionelle Dorfleben. So ziehen sie in die Stadt, in der Hoffnung auf eine bessere Arbeit und Lebensgrundlage für sich und ihre Kinder. Diese Hoffnung erfüllt sich leider nur selten. Denn in der Stadt leben sie meist mit der ganzen Familie in einem einzigen, kleinen Zimmer. Es ist heiß und staubig. Bei Regen verwandelt sich die unbefestigte Straße in eine Schlammpiste. Hier draußen, vor den aufgereihten Mietszimmern, kochen die Frauen mit Holzkohle oder Kerosin. Hier waschen und trocknen sie ihre Wäsche mit allen anderen Mietern. Das Wasser ist knapp und wird in Kanistern herbeigeschafft. Selbst die persönliche Hygiene wird manchmal zur öffentlichen Angelegenheit. Oft bleiben die Kinder ohne Aufsicht, während die Mütter arbeiten. Das alles sorgt für ständigen Konfliktstoff mit den Nachbarn.
Siebenundfünfzig Frauen mit ihren Kindern haben es jetzt geschafft, diese Zustände hinter sich zu lassen. Das ist ein großer Erfolg in ihrem Leben.
Wer Monika Caspary zu der kürzlich fertig gestellten Siedlung in Sinon am Rande Arushas begleitet, erreicht sechzehn kleine Häuser über schmale, erdige Wege. Die eingeschossigen, aus Betonstein gefertigten Häuser sind aus Kostengründen meist mit Wellblech gedeckt und noch unverputzt. Die Häuser sind preiswert gebaut, damit der Kredit für die Frauen bezahlbar bleibt. Zieht eine Frau in ihr neues Haus ein, leistet sie jeden Monat ihre Abzahlungen für das Baumaterial im Wert von je zwei Sack Zement. Die kosten zurzeit etwa fünfzehn Euro, die in einen Fond einfließen. Dieser Fond hilft bei der Finanzierung des nächsten Siedlungsprojektes.
Auch Janneth Mmary, ihre Kinder und ihre Mutter wohnen nun in Sinon. Hier haben sie zwei helle, schlichte Räume zum Leben, Arbeiten und Schlafen. In der kleinen, vorgelagerten Küche oder auf der überdachten Terrasse kochen sie auf dem Boden. In ihrem Garten, neben dem Haus, bauen sie Mais, Bohnen und Spinat an. Sie teilen sich mit einer anderen Familie ein Sanitärhäuschen, das einfach ausgestattet ist und doch den ersehnten Ort zur persönlichen Hygiene bietet. Das hierzu benötigte Wasser tragen sie vom öffentlichen Wasseranschluss am Rande der Siedlung herbei. Das Leben der Frauen hat sich grundlegend verbessert.
„Schon nach kurzer Zeit ist hier eine Gemeinschaft von gleich gesinnten Müttern entstanden“ bestätigt uns Janneth Mmary. Gäste werden herzlich begrüßt und alle Frauen möchten das Erreichte zeigen. "Mit ihrem Besuch segnen Sie unser Haus. Karibu, herzlich willkommen." Die Einladungen folgen von allen Seiten. Die Häuser sind bescheiden und doch liebevoll eingerichtet. Helle Gardinen an den Fenstern, bunte Tücher über den Sofas und bestickte Tischdecken bezeugen die wachsende Verbundenheit mit ihrem neuen Lebensdomizil.
Geduldig übersetzt Frau Caspary die Berichte aus dem Leben der Frauen, denn jede hat jetzt eine Erfolgsgeschichte zu erzählen. Wir spüren, wie sehr die Deutsche mit ihrer zurückhaltenden, geduldigen Art von den Frauen geschätzt wird. Als Tochter eines Bauingenieurs entwickelte Monika Caspary schon früh Interesse an der Architektur. Sie träumte davon, Wohnraum für Menschen zu schaffen und begann ein Architekturstudium. Bald jedoch stellte sie fest, dass sie mehr mit Menschen zu tun haben wollte und entschied sich für eine Ausbildung zur Krankenpflegerin. Bei ihrer Arbeit in den Siedlungsprojekten in Arusha verbindet sie schließlich ihr Interesse an den Menschen und an der Architektur hervorragend.
Unter den Frauen in der Siedlung entwickeln sich durch die besonderen Lebensumstände fast von selbst die Eigeninitiativen. Viele der Frauen organisieren sich in so genannten Kibati-Gruppen, kleinen Sparclubs. Jede Woche zahlen die Frauen einen kleinen Betrag in die Gemeinschaftskasse und bei jeder Auszahlungsrunde, einmal im Monat, bekommt eine der Frauen die komplette Einlage. Das System beruht auf gegenseitigem Vertrauen und hilft ihnen, einen Geldbetrag kontinuierlich zu sparen.
Monika Caspary setzt sich auf vielen Ebenen für die Verbesserung der Lebensbedingungen der allein erziehenden Frauen ein: "Ich kämpfe gerne für die Rechte anderer und bin dann auch nicht scheu, dafür in die Öffentlichkeit zu gehen." Die deutsche Projektleiterin setzt mit der erfolgreichen Umsetzung des Siedlungsprojektes in Arusha ein mutmachendes Signal für die Frauen weltweit. In Arusha haben die allein erziehenden Mütter eine Chance erhalten. Dadurch schaffen sie mit ihrem Engagement, Mut und Ausdauer für sich und ihre Kinder eine bessere Zukunft. Oder wie der Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus es formuliert: "Herausforderungen bringen die Menschen zum Aufblühen!"
Ansprechpartner:
Frau Heide Petri
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Tel.: 0 17 22 16 52 64
DESWOS Deutsche Entwicklungshilfe
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