openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Mit Präzisionswerkzeugen wider das Mutterkorn

01.02.200710:40 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung
Bild: Mit Präzisionswerkzeugen wider das Mutterkorn
A: Laboranalyse der Pflanzen; B: DNA-Markerfragmente (Pfeile) zeigen an, ob Rfp1 vorhanden ist; C: Fehlt Rfp1, wird kein Pollen gebildet; mögliche Folge: Mutterkornbefall (E); D: Ist Rfp1 vorhanden, k
A: Laboranalyse der Pflanzen; B: DNA-Markerfragmente (Pfeile) zeigen an, ob Rfp1 vorhanden ist; C: Fehlt Rfp1, wird kein Pollen gebildet; mögliche Folge: Mutterkornbefall (E); D: Ist Rfp1 vorhanden, k

(openPR) Wissenschaftlern an der Bundesanstalt für Züchtungsforschung an Kulturpflanzen in Groß Lüsewitz ist es gelungen, einen Abschnitt im Erbgut des Roggens zu identifizieren, der einer der bedeutendsten Ährenkrankheiten des Roggens, dem Mutterkornpilz entgegenwirkt.



Ähren des Roggens sind in besonderem Maße empfänglich für die Pilzsporen eines gefährlichen Ährenparasiten, des Mutterkornpilzes (Claviceps purpurea), vor allem, wenn das Angebot an Pollen gering ist. Einer Forschergruppe an der Bundesanstalt für Züchtungsforschung in Groß Lüsewitz ist es jetzt gelungen, einen Abschnitt im Erbgut des Roggens einzugrenzen, der die Blüte unempfänglich für die Pilzsporen macht. Dazu haben sie systematisch Teile des Erbgutes von Roggen mit dem vollständig entschlüsselten Genom der Reispflanze verglichen und kurze DNA-Abschnitte identifiziert, die im Roggen eng benachbart zu einem Gen liegen, welches in modernen Hochleistungssorten zu einer starken Pollenschüttung führt (Bericht über die 57. Tagung 2006 der Vereinigung der Pflanzenzüchter und Saatgutkaufleute Österreichs HBLFA Raumberg-Gumpenstein, 21.-23. November 2006).

Die Anbaufläche von Roggen wird in Deutschland im Jahr 2007 um rund 24 Prozent auf ca. 670.000 ha zunehmen. Roggen wird wegen seiner Anspruchslosigkeit im Anbau sowie seiner Vielseitigkeit in der Verwertung, beispielsweise als Futtergetreide in der Tierernährung, als nachwachsender Rohstoff für die Bioethanolgewinnung, als Biomassepflanze für die Energiegewinnung und natürlich als gesundes Brotgetreide, geschätzt. Doch sein guter Ruf leidet darunter, dass der Roggen die bevorzugte Wirtspflanze eines gefährlichen Ährenparasiten, des Mutterkornpilzes, ist.

Im Gegensatz zu Weizen und Gerste kann sich der Roggen nicht selbst befruchten, sondern ist auf Befruchtung durch den Pollen anderer Roggenpflanzen angewiesen. Der Fremdbefruchter Roggen spreizt deshalb während der Blütezeit seine Ährchen weit auseinander, um fremden Pollen auffangen zu können. Wegen dieser Eigenschaft ist er in besonderem Maße empfänglich für die Pilzsporen des Mutterkornpilzes, vor allem, wenn das Angebot an Pollen gering ist und Blütchen in der Roggenähre unbestäubt bleiben. Beim Mutterkorn handelt es sich um Überdauerungsformen (Sklerotien) des parasitären Schlauchpilzes Claviceps purpurea. Die Sklerotien enthalten Mykotoxine, die zur Gruppe der Alkaloide zählen und beim Verzehr für Menschen und Tiere gleichermaßen gesundheitsschädlich sein können. Insbesondere der Anbau neuer und leistungsstarker, aber auch für den Pilz empfänglicherer Hybridroggensorten führte zu ansteigendem Befall mit Claviceps purpurea. Trotz großer Anstrengungen der Landwirtschaft ist insbesondere in feuchten Jahren, wenn aufgrund ungünstiger Witterung zum Zeitpunkt der Roggenblüte wenig Pollen zur Verfügung steht, mit verstärkter Mutterkornkontamination des Erntegutes zu rechnen.

Das Pollenschüttungsvermögen moderner Roggensorten kann durch bestimmte Gene – sog. Restorergene -, die in exotischen, für den Anbau selbst nicht geeigneten Roggenherkünften gefunden wurden, entscheidend verbessert werden. Das direkte Erkennen solcher Gene in einer Pflanze ist jedoch nicht ohne weiteres möglich und erfordert zudem kostbare Zeit. Am Institut für landwirtschaftliche Kulturen der Bundesanstalt für Züchtungsforschung an Kulturpflanzen (BAZ) in Groß Lüsewitz hat man sich daher die Optimierung eines indirekten Diagnoseverfahrens zur Aufgabe gestellt, mit dessen Hilfe eines dieser wertvollen Gene, Rfp1, für die Schaffung gesünderer Roggensorten effizienter genutzt werden kann. Dazu mussten die Wissenschaftler den Ort des Roggengenoms, wo das Restorergen Rfp1 lokalisiert ist, so eng mit molekularen Genom-Markern abstecken, dass Rfp1 möglichst punktgenau, d.h. separat von weiteren, nachteilig wirkenden Genen der exotischen Roggenherkunft, erfasst werden kann.

"Unsere Aufgabe bestand darin, molekulare Diagnosemarker zu entwickeln, die uns im riesigen Genom des Roggens als eine Art Wegweiser dienen können. Solche Marker ermöglichen es uns, in kurzer Zeit unter vielen tausend Pflanzen jene gezielt und sicher aufzuspüren, die das erwünschte Merkmal – gute Pollenschüttung – von den Kreuzungseltern geerbt haben" erklärt Züchtungsforscher Dr. Bernd Hackauf. Um diese Aufgabe zu lösen, hat die Groß Lüsewitzer Arbeitsgruppe die Informationen aus dem vollständig entschlüsselten Reisgenom quasi als Schablone genutzt und nach DNA-Segmenten gefahndet, die im Roggen im Bereich des Rfp1-Gens lokalisiert sind. Die auf diese Weise neu entwickelten genetischen Diagnosemarker erlauben nun mit einer Fehlerquote von weniger als 0,005 % eine zuvor nicht dagewesene Präzision hinsichtlich der Aussage, ob das gewünschte Rfp1-Gen in einer Pflanze vorliegt oder nicht. Dazu Institutsleiter Dr. Peter Wehling: "Die entschlüsselten Reis-Genomdaten liefern mittlerweile wertvolle Einblicke in das Erbgut von evolutionär verwandten Pflanzen wie zum Beispiel den Getreidearten. Damit ist nun auch für wirtschaftlich kleinere Fruchtarten wie dem Roggen die Möglichkeit geschaffen, auf systematische Weise molekulare Werkzeuge für den Nachweis wertvoller Merkmalsgene aus pflanzengenetischen Ressourcen zu entwickeln."

Bundesanstalt für Züchtungsforschung an Kulturpflanzen
Institut für landwirtschaftliche Kulturen
18190 Groß Lüsewitz
Rudolf-Schick-Platz 3a
Tel. 038209/45200
Fax 038209/45222
E-Mail

Die Bundesanstalt ist Teil der Ressortforschung des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV). Sie berät das BMELV und erbringt wissenschaftliche Entscheidungshilfen für die Erfüllung politischer und administrativer Aufgaben im Bereich der Züchtungsforschung, Pflanzenzüchtung und angrenzender Gebiete.

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 118146
 3551

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Mit Präzisionswerkzeugen wider das Mutterkorn“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von Bundesanstalt für Züchtungsforschung an Kulturpflanzen

Bild: Neue Genressourcen für gesunde LupinenBild: Neue Genressourcen für gesunde Lupinen
Neue Genressourcen für gesunde Lupinen
Der Lupinenanbau in Deutschland wird bedroht von einer heimtückischen Pilzkrankheit, der Anthraknose. Jüngste Forschungsergebnisse der Bundesanstalt für Züchtungsforschung in Groß Lüsewitz weisen nun einen vielversprechenden Weg zur Nutzung natürlicher Widerstandsfähigkeit gegen die gefährliche Krankheit. Die Blaue Süßlupine (Lupinus angustifolius) ist in Deutschland eine noch sehr junge Kulturpflanze. Als heimische Eiweißpflanze könnte sie für die Landwirtschaft eine wertvolle Bereicherung der Fruchtfolgen, eine Option für die Anpassung an …
Bild: Schüler üben sich als ZüchtungsforscherBild: Schüler üben sich als Züchtungsforscher
Schüler üben sich als Züchtungsforscher
Früh übt sich, wer ein Forscher werden will. Nach diesem Motto veranstalten die Institute der Bundesanstalt für Züchtungsforschung an Kulturpflanzen in Groß Lüsewitz für Schülerklassen und einzelne interessierte Schülerinnen und Schüler Informations- und Labortage und bieten Studenten Möglichkeiten für Projektarbeiten in der Züchtungsforschung. Pflanzenzüchtung und die dazu notwendige Forschung sind für die meisten Menschen ein Buch mit sieben Siegeln. Dass der Bauer aussäen muss, wenn er etwas ernten will, mag noch allgemeines Wissensgut se…

Das könnte Sie auch interessieren:

Bild: Verborgenes Potential in technische OberflächenBild: Verborgenes Potential in technische Oberflächen
Verborgenes Potential in technische Oberflächen
… vollständig ausgeschöpft. Präzisionswerkzeuge sind, wie der Name schon sagt, sehr genau gearbeitet und somit sehr anspruchsvoll in der Bearbeitung. Eine Optimierung der Schneidkantengeometrie an Präzisionswerkzeugen hat sich in der Herstellung durchgesetzt. Jedoch ist der Aufwand groß und die Ausführung bisher zu unregelmäßig und ungenau. Ingo Künzel: „In …
Werkzeugbestellungen ohne Umwege direkt beim Lieferanten
Werkzeugbestellungen ohne Umwege direkt beim Lieferanten
Durlangen, 18.07.2011. Die einfachste und schnellste Möglichkeit zur Beschaffung von Präzisionswerkzeugen bietet die neue Bestellschnittstelle der Werkzeugverwaltungssoftware EVOtools. Als erster Werkzeuglieferant unterstützt die Hoffmann Group die automatisierte Verarbeitung von Werkzeugbestellungen. Die Anwender der softwaregestützten Werkzeugverwaltung …
Bild: Gelungener Auftritt auf der AMB 2010 - Traditionsmarke Safety in neuem GewandBild: Gelungener Auftritt auf der AMB 2010 - Traditionsmarke Safety in neuem Gewand
Gelungener Auftritt auf der AMB 2010 - Traditionsmarke Safety in neuem Gewand
Rodgau, 27. Oktober 2010 - Safety, etablierter Werkzeughersteller mit französischen Wurzeln, hat auf der AMB erfolgreich sein umfangreiches Sortiment an Präzisionswerkzeugen präsentiert. Eingebettet in den neuen Markenauftritt war der einladende, 100 Quadratmeter große Messestand vom ersten Tag an Anlaufstation zahlreicher Fachbesucher. Für viel Aufmerksamkeit …
Bild: Preiswürdiger Kampf gegen SchimmelpilzgifteBild: Preiswürdiger Kampf gegen Schimmelpilzgifte
Preiswürdiger Kampf gegen Schimmelpilzgifte
Schimmelpilzgifte – man denke nur an Mutterkorn – sind laut FAO eine Hauptbedrohung für Tier und Mensch. WissenschafterInnen des Austrian Centre of Industrial Biotechnology (acib) entwickelten zusammen mit sechs Industriepartnern eine hoch effiziente, auf Hefezellen basierende Produktionslinie. Damit lassen sich Enzyme in großem Maßstab herstellen, die …
Bei WALTER eingeflogen - 1. Internationale Luft- und Raumfahrttage in Tübingen
Bei WALTER eingeflogen - 1. Internationale Luft- und Raumfahrttage in Tübingen
… Aus aller Welt fanden sich am gestrigen Montag Experten aus Luft- und Raumfahrtsindustrie bei der WALTER AG ein. Der Tübinger Hersteller von Präzisionswerkzeugen hatte erstmals zu Internationalen Luft- und Raumfahrttagen in die schwäbische Universitätsstadt geladen. WALTER-Vorstandsvorsitzender Peter Witteczek begrüßte am Montag die rund 120 Teilnehmer …
Mercoline realisiert EDI-Outsourcing für KOMET GROUP
Mercoline realisiert EDI-Outsourcing für KOMET GROUP
Die KOMET GROUP, führender Hersteller von Präzisionswerkzeugen, tauscht seit Jahren Geschäftsdaten, wie z.B. Bestellungen, Auftragsbestätigungen, Lieferscheine oder Rechnungen, mit Kunden und Partnern elektronisch aus. Die vor Jahren getätigten Investitionen in Soft- und Hardware hatten sich schnell amortisiert, da mit der Einführung von EDI (Electronic …
Mycomold Labortest fahndet nach Mykotoxinen im Blut
Mycomold Labortest fahndet nach Mykotoxinen im Blut
… Lebensmitteln bedroht. Alle verschimmelten Nahrungsmittel können Mykotoxine enthalten. Primärkontamination: Getreide kann schon auf der Anbaufläche von Schimmelpilzen befallen sein. (z. B. Mutterkorn auf Roggen, Weizen, Gerste) Sekundärkontamination: Betroffen sind dabei hauptsächlich Mais und vor allem ölhaltige Samen und Nüsse, wie z. B. Pistazien, …
Bild: Neuer kaufmännischer Leiter bei der Remscheider EXACT GmbH & Co. KGBild: Neuer kaufmännischer Leiter bei der Remscheider EXACT GmbH & Co. KG
Neuer kaufmännischer Leiter bei der Remscheider EXACT GmbH & Co. KG
… Geitzenauer hat am 1. Juli 2018 die kaufmännische Leitung inklusive Einzelprokura bei der Remscheider EXACT GmbH & Co. KG, einem der führenden Hersteller von Präzisionswerkzeugen in Europa, übernommen. Der 48jährige verfügt über langjährige und umfangreiche Expertisen aus den Branchen Produktion, Service und Handel. So agierte er die letzten 12 …
Bild: „Fünf Zeichen für Innovation“ ist das Messemotto des Präzisionswerkzeug-Herstellers heimatec zur EMO 2017Bild: „Fünf Zeichen für Innovation“ ist das Messemotto des Präzisionswerkzeug-Herstellers heimatec zur EMO 2017
„Fünf Zeichen für Innovation“ ist das Messemotto des Präzisionswerkzeug-Herstellers heimatec zur EMO 2017
Auf der EMO 2017 Hannover, der internationalen Weltleitmesse der Metallbearbeitung, präsentiert heimatec, Hersteller von Präzisionswerkzeugen, fünf Produktneuheiten. Aus den richtungsweisenden Messe-Highlights sticht heimatec.CyberCon4, das digitale Werkzeug-Management-System, als das spektakulärste hervor. Heimatec präsentiert die Innovationen an fünf …
Bild: Wildpflanzen für Wellensittiche – Gutes aus der NaturBild: Wildpflanzen für Wellensittiche – Gutes aus der Natur
Wildpflanzen für Wellensittiche – Gutes aus der Natur
… (auch Knaulgras genannt), Rispengras, wilder Hafer, Wiesen-Lieschgras (auch Timotheegras genannt) und Hühnerhirse. Beim Sammeln von Wildgräsern ist besonders darauf zu achten, keine mit Mutterkorn infizierten Gräser zu pflücken. Mutterkorn ist ein stark giftiger Schlauchpilz, der zwar meist nur Getreideähren befällt, aber hin und wieder auch auf Wildgräsern …
Sie lesen gerade: Mit Präzisionswerkzeugen wider das Mutterkorn