(openPR) Olfaktorische Reize werden immer stärker in den bislang audiovisuell geprägten Marketingmix integriert. Dies ruft Kritiker auf die Barrikaden, die eine stärkere Beeinträchtigung von Asthmatikern und Allergikern befürchten. Obwohl eine Beeinträchtigung durch Düfte unterhalb der Wahrnehmungsschwelle noch nicht durch Studien belegt ist, ist sie sicher nicht auszuschließen. Was sind die Konsequenzen?
Aus betriebswirtschaftlichen Gründen können Unternehmen sich einem neuen Trend nicht entziehen. Genauso wie viele Unternehmen vor 10 Jahren noch überzeugt waren, keine eigene Homepage zu benötigen, haben die meisten Unternehmen bereits den dritten Relaunch hinter sich gebracht. „Denn nicht ist so mächtig wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist“, wusste schon Victor Hugo.
„Aus Kundensicht kann ich aus meiner bisherigen Erfahrung nur Positives berichten“, so Herr Savoulidis von der LASARD, „die Kunden unserer Kunden geben durchweg ein positives Feedback. Die Menschen fühlen sich in Räumen, die von Zigarettenrauch und schlechten Gerüchen befreit und die angenehm beduftet sind, wohler. Egal, ob es sich um ein Eiscafe, ein Möbelhaus oder ein Reha-Zentrum handelt.“
In psychologischen Studien wurde nachgewiesen, dass angenehme Gerüche Stress abbauen, Entspannung fördern und das Wohlgefühl steigern können. Auch Ängste und Stress konnten während einer medizinischen Behandlung verringert werden. Hier ist sicher der Einzelfall entscheidend. Es gibt den Arzt, der sich immer mehr auch als Unternehmer verstehen muss, und auch durch eine angenehme Atmosphäre seine Patienten ansprechen muss. „Wir haben auch unter Ärzten zufriedene Kunden. Und die Ärzte kennen ja ihre Patienten und wissen, wo sie Düfte einsetzen können. Auch von deren Patienten kamen positive Rückmeldungen, denn manchmal möchte man in einem muffigen Wartezimmern gar nicht einatmen, weil man denkt, man fängt sich einen zusätzlichen Virus ein“, so Herr Savoulidis.
Aus gesundheitlicher Sicht ist eine Beeinträchtigung durch Duftmarketing im Vergleich zu den Belastungen, denen wir täglich ausgesetzt sind, sicher eher als gering einzustufen. Wir leben in einer Welt, wo Formaldehyd aus Spanplatten, Fertigparkett, Desinfektionsmitteln und pflegeleichten Textilien ausgast. Giftige Lösemittel und gesundheitsschädliche Weichmacher verstecken sich in Klebstoffen, Farben, Bodenbelägen, Putzmitteln, Kosmetika und Kunstleder. Schwermetalle und Fungizide belasten die Kleidung und dazu kommen noch die schon alltäglichen Lebensmittelskandale. „Unsere Düfte sind praktisch Parfüm, aber nicht für den Körper, sondern für die Räume. Sie werden auch nach den gleichen Kriterien produziert“, so Herr Savoulidis von der LASARD. Für sensible Menschen, die auch auf Parfüm allergisch reagieren, ist es vielleicht der Tropfen, der das Fass zum überlaufen bringen könnte.
Aus ethischer Sicht stellt sich die Frage, wessen Bedürfnisse haben Priorität? Die der nicht allergisch reagierenden Mehrheit oder die der Minderheit. Und mit wessen Maßstab wird gemessen? Was dem einen ein psychologisches Wohlgefühl vermittelt, löst vielleicht bei dem anderen einen somatischen Reiz aus! Kann man von einem Unternehmer verlangen, auf eine ungefährliche, wohlriechende Beduftung zu verzichten und sich gegen die Gesetze des Marktes zu stellen? Wenn man selbst vielleicht beim Möbelkauf nur auf den Preis und nicht auch auf die Schadstoffbelastung achtet und somit seiner eigenen Umwelt gefährliche Ausdünstungen aufbürdet. Und bevor wir andere richten, sollte sich vielleicht jeder fragen, ob er selbst auf seine eigene Beduftung mit Körperparfüm verzichtet aus Rücksicht auf potentielle Allergiker, die sich unter seinen Kollegen, Kunden oder sogar Freunden befinden.
Auch die Sonne wirft Licht und Schatten und vielleicht liegt die Lösung im richtigen Maß.













