(openPR) „Ein Bart macht noch keinen Philosophen“, warnte man in der Antike – und doch lässt sich über den Bart trefflich philosophieren, wie Paul Stephan in seinem Buch "Bedeutende Bärte. Eine Philosophie der Gesichtsbehaarung" zeigt. Der Bart ist ein Thema mit kulturellem Zündstoff, das direkt auf den Grundkonflikt moderner Gesellschaften verweist: Wollen wir in einer Welt der Glätte leben – oder lieben wir eher das Raue? Stephans Philosophiegeschichte des Bartes geht Hand in Hand mit einer Geschichte des Bartes der Philosophen, der wiederum selbst zum philosophischen Statement wird. Ließ es sich in der Antike offenbar besser mit Bart philosophieren, sind sich die moderne Philosophie wie die moderne Gesellschaft uneins, was sie vom Bart zu halten haben.
Paul Stephans Philosophie des Bartes gerät so zu einer Physiognomie der Moderne in ihrer ganzen Janusköpfigkeit: vom Bartpropheten Nietzsche zu Ockhams Rasiermesser, vom glattrasierten Puristen Adorno zum Obernerd Žižek, vom bartlosen Yuppie zum bärtigen Hipster, Paul Stephan nimmt sie in seinen Ausführungen kritisch unter die Lupe. Das Buch mündet in einem klaren Bekenntnis zum Bart.
Zitate aus "Bedeutende Bärte":
„Linke, Anarchisten und Konservative eint, dass sie einen aufopferungsvollen Kampf für ein konkretes Ideal führen. Der Bart ist das Symbol eines solchen Kampfes, das geheime Erkennungszeichen der diesen Kampf Kämpfenden.“
„Der Bart im ganz wörtlichen Sinne steht für Identität und Individualität, er lässt sich nur allzu leicht mit irrationalen, leiblichen Impulsen assoziieren. Etymologisch ist das Wort ,Bart‘ mit dem Adjektiv ,borstig‘ verwandt. Er ist etwas Widerspenstiges, Spitzes, Stacheliges, nur mühsam zu Kontrollierendes. Wenn Rousseau dafür eintritt, ihn tragen zu dürfen, dann nicht nur, weil er als moderner Intellektueller gegen rigide Bekleidungsregeln im Allgemeinen rebelliert. Es geht ihm sichtlich darum, das Tragen eines Bartes gegen den Vorwurf des Unreinlichen und Unsauberen zu verteidigen.“
„Der Bart ist eine Maske – eine Maske jedoch, die nicht im luftleeren Raum existiert, sondern einem Kontext der Interpretation unterliegt, in dem sie eine ganz andere Wirkung haben kann, als vom Träger intendiert. Das fröhliche Maskenspiel ist also notwendig einerseits durch den historischen Rahmen beschränkt, in dem es stattfindet und der niemals völlig unbestimmt ist; andererseits auch, im Fall des Bartes ist das sehr evident, durch die nackte Körperlichkeit des Trägers. Es kann nicht jeder jeden Bart tragen. Auch das demonstriert eindrücklich Nietzsches Bart: Die Bilder nach seinem geistigen Zusammenbruch zeigen ihn mit einem völlig konturlosen Schnauzer, der nicht mehr Ausdruck der Souveränität, sondern im Gegenteil der Unsouveränität seines Trägers geworden ist.“
„Unser Rundgang durch die Philosophiegeschichte des Bartes hat gezeigt, dass Hegel Unrecht hat: Hinter dem Bart steckt ein Problemknoten, der symptomatisch für moderne Gesellschaften ist.“
Paul Stephan
Bedeutende Bärte
Eine Philosophie der Gesichtsbehaarung
ISBN 978-3-938880-97-5
Parodos Verlag
Softcover, 14,8 x 21 cm, 240 Seiten
22,00 EUR [D] / 22,70 EUR [A] /
39,00 CHF UVP
Neuerscheinung März 2020













