(openPR) Koblenz. Der Begriff „Freiwilliges Soziales Jahr“ (FSJ) ist allgemein geläufig. Jugendliche und junge Erwachsene haben innerhalb eines solchen Bildungs- und Orientierungsjahres die Gelegenheit, sich intensiver mit einem mutmaßlichen Wunschberuf auseinanderzusetzen. Die geläufigsten FSJ-Einsatzbereiche sind im sozial-karitativen oder gemeinnützigen Bereich angesiedelt. Nach einer Überarbeitung des FSJ-Gesetzes vor einigen Jahren, können Interessenten das Jahr alternativ in den Bereichen Sport, Denkmalpflege, Politik und Kultur absolvieren. Das 1999 von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz initiierte Jugendbildungsprojekt „JugendBauhütten“ ist eines von verschiedenen Angeboten, das den organisatorischen Rahmen für ein FSJ im Bereich Handwerk und Denkmalpflege leisten kann. Fünf bis sechs über das Jahr verteilte Seminarwochen und die praktische Arbeit am täglichen Arbeitsplatz sollen den maximal 26-Jährigen neben denkmalpflegerischem Wissen Selbstorganisation, Verantwortung und zwischenmenschliches Verhalten vermitteln.
Lucia führte dieses JugendBauhütten-Projekt aus der Schweiz nach Deutschland zu Kunstkonservierung Koblenz, wo sie erste Erfahrungen in der Gemälderestaurierung, einem der vielen Berufsfelder der Denkmalpflege, sammelt. Ihr für das Restaurierungsstudium obligatorische Vorpraktikum absolviert sie in der Werkstatt einer Diplom-Restauratorin in Koblenz.
Hier ist auch ihre Landsmännin Elena beschäftigt, zum zweiten Mal. Nach Abschluss ihres Restaurierungsstudium arbeitet sie jetzt für einige Projekte wieder mit im Team.
Ein Studium der Restaurierung dauert an einer staatlichen Hochschule in der Regel fünf Jahre und beinhaltet viel Theorie, praktische Inhalte und das Arbeiten am Objekt. Die Vorpraktikanten sollten sich dabei auf ein Fachgebiet spezialisieren, in Elenas Fall ist es Gemälde und Skulptur.
In der Werkstatt der Koblenzer Restauratorin sind die jungen Frauen an diesem Tag mit der Restaurierung von Gemälden beschäftigt. Lucia will einem alten Ölgemälde, an dem sich etliche Risse und Fehlstellen zeigen, zu neuem Glanz verhelfen. Elena schaut konzentriert durch ein Mikroskop auf die Rückseite eines Gemäldes, um den Abschnitt der defekten Leinwand so zu vergrößern, dass sie Faden für Faden mit heißer Nadel und Sonden wieder zusammenfügen kann. Beide Arbeiten erfordern neben einem guten Auge viel Geduld und Fingerspitzengefühl. Alle drei Restauratorinnen schwärmen von ihrer Arbeit. Sie sei so konkret und bringe, da man die Ergebnisse unmittelbar sieht, befriedigende Erfolgserlebnisse. Außerdem wecke jedes zu restaurierende Objekt Neugierde und das Interesse, sich mit alter Kunst intensiv auseinanderzusetzen.
Die Werkstattinhaberin ist angetan von der Begeisterung und Motivation ihrer Mitarbeiterinnen. Sie freut sich, wenn sie ihnen von ihrem reichen Erfahrungsschatz (seit 1998 ist sie in der Restaurierung tätig) etwas weitergeben kann. Zudem profitiert sie von jungen, frischen Ideen, die die neue Generation in die Arbeit einbringt.
Sie selbst arbeitet im Augenblick an der Restaurierung einer gotischen Holzskulptur, eine betende Madonna. „Ein Highlight“, wie sie sagt. Mit Kreidekitt und Hautleim bearbeitet sie die zahlreichen abgeplatzten Bereiche der Skulptur. Viele Wochen Arbeit müssen eingebracht werden, damit die Madonna wieder zu voller Schönheit erblüht. Die Restauratorin erklärt, welch umfassende Kenntnisse von Materialien und Techniken der Beruf fordert, um jedem Kunstobjekt und seinem Schadensbild gerecht zu werden.
Als Restauratorin ist sie auf Skulpturen und Gemälde sowie auf den Bereich Vergoldung spezialisiert. Dazu zählen auch Einrahmungsarbeiten inklusive der Herstellung von Bilderrahmen. Die Werkzeuge, mit denen Ornamente und Schmuckelemente auf barocke Bilderrahmen aufgebracht werden, sprechen für feinste Handarbeit. Schnell wird klar, wie komplex das Leistungsspektrum der Restauratoren ist. Für jede Maßnahme müssen Konservierungs- und Restaurierungs-Konzepte entwickelt und ausgeführt werden. Dazu gehören Voruntersuchungen, Recherchearbeit und Dokumentationen.
Es ist wohl die Vielschichtigkeit des Berufes, die die Diplom-Restauratorin darin bestätigt, den für sie besten und interessantesten Beruf ergriffen zu haben. Ein Grundinteresse an Antiquitäten, Kunst und Kulturgütern, mit dem sie von Jugend an ausgestattet war, bahnte ihr den Weg dorthin.
Neben Privatleuten sind ihre Auftraggeber vorwiegend Kirchengemeinden, Museen und die Denkmalpflege.
Um die Attraktivität des nicht so sehr bekannten Berufes des Restaurator vor allem bei männlichen Jugendlichen hervorzuheben, beteiligt sich das Koblenzer Atelier an dem in diesem Jahr am 26. März stattfindenden Boy's Day, dem Jungen-Zukunftstag. Die Werkstatt will damit zwei Schülern die Möglichkeit bieten, Einblicke in den Berufsalltag des Restaurators und Vergolders zu erhalten. Einen Tag lang können sie den Restauratorinnen über die Schulter schauen und selbst eigene kleine Arbeiten modellieren und vergolden. Mit ihrer Initiative will die Restauratorin auch anderen Häusern und Werkstätten Mut machen, Zeit zu investieren, um einen wichtigen Beitrag zur Berufs- und Studienorientierung von Schülern zu leisten. Nähere Informationen zum Freiwilligen Sozialen Jahr sowie zum Boy's- und zum Girl's-Day sind im Internet zu finden.













