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Neubau Wasserwerk Taubertal

19.02.202013:36 UhrIndustrie, Bau & Immobilien
Bild: Neubau Wasserwerk Taubertal
Wasserwerk Taubertal
Wasserwerk Taubertal

(openPR) Der Zweckverband zur Wasserversorgung Mittlere Tauber wurde 2014 von den Kommunen Tauberbischofsheim, Lauda-Königshofen, Werbach, Grünsfeld, Wittighausen, Großrinderfeld mit dem Ziel gegründet ein gemeinsames System zur Sicherstellung der Trinkwasserversorgung zu errichten.



Hierfür sollten alle genutzten Rohwassergewinnungen zentral an einem Wasserwerk zusammengeführt und gemeinsam nach Anforderungen der Trinkwasserverordnung und Stand der Technik aufbereitet werden. Das erzeugte Reinwasser wird anschließend über ein weites Verteilungsnetz in die Versorgungsbereiche der einzelnen Kommunen gefördert.

In der Nähe der Ortschaft Dittigheim wurde deshalb das neue Wasserwerk Taubertal realisiert, welches langfristig als zentraler und wichtigster Knotenpunkt zur Trinkwasserversorgung dient.

Umfassende Voruntersuchungen
Die Wasserversorgung der beteiligten Kommunen stützte sich nur auf eigene, nicht miteinander verbundene Gewinnungen.
Nach der Novellierung der Trinkwasserverordnung 2001 konnten die erhöhten Anforderungen an das Trinkwasser nicht mehr zuverlässig eingehalten werden, weswegen Maßnahmen zur Wasseraufbereitung dringlich geboten waren.
Zudem war eine Versorgungssicherheit durch fehlende Zweitabsicherungen teilweise nicht gegeben.

Ab 2008 wurden daher erste Untersuchungen durchgeführt und mögliche Versorgungskonzeptionen zur Verbesserung der Trinkwasserversorgung erstellt.
Neben Insellösungen für jede Kommune wurde auch eine Vielzahl an überregionalen Lösungen entwickelt. Hiervon wurde schließlich ein Konzept mit zentralem Wasserwerk für alle Kommunen ausgewählt, welches im Folgenden auch konkret geplant und umgesetzt wurde.

Versorgungs- und Aufbereitungskonzept
Insgesamt werden 25 Einzelgewinnungen zur Rohwasserbereitstellung genutzt. Die Auswahl der Gewinnungen erfolgte anhand von Ergiebigkeit, Wasserchemie, der Zielsetzung Rohwasser aus unterschiedlichen Aquiferen zu nutzen und der Möglichkeiten zur technisch und wirtschaftlich günstigen Einbindung in das System.
Insgesamt steht künftig eine Rohwasserbereitstellung von bis zu 223 l/s einem Bedarf von ca. 167 l/s gegenüber, womit ein Ausfall von Gewinnungen stets ausgeglichen werden kann.

Entlang der Tauber werden die Rohwässer in einer Hauptrohwasserleitung zusammengeführt und zentral in die Rohwasservorlagebehälter des Wasserwerkes eingespeist.
Das Rohwasser der Brunnen Grünsfeldhausen wird im Wasserwerk separat über eine Turbine geleitet, da hier eine nutzbare Druckhöhe von ca. 12 bar vorliegt. Die gewonnene Energie (ca. 27 kW) wird direkt zum Betrieb der Aufbereitungsanlage genutzt, um die energetische Bilanz zu optimieren.
Über eine Rohwassermatrix wird der Einsatz der Brunnen gesteuert, so dass stets eine möglichst konstante Rohwasserzusammensetzung erzielt werden kann.

Das gesammelte und gemischte Rohwasser wird mit Hilfe von zwei wechselweise laufenden, großen Omega-Pumpen über eine 4-straßige Ultrafiltration mit einer Gesamtfilterfläche von 6.720 m² gefördert. Hier erfolgt die Entfernung von Trübstoffen und möglichen mikrobiellen Belastungen.
Das filtrierte Wasser wird in zwei Zwischenbehältern mit je 75 m³ Volumen aufgefangen, welche auch als Vorlage zur Spülung der Ultrafiltration dienen.

Die Weiterförderung erfolgt anschließend zweistraßig, zum einen über drei Aktivkohlefilterkessel (Durchmesser je 3,0 m) zur Spurenstoffentfernung und zum anderen über eine 4-straßige Umkehrosmoseanlage zur Reduzierung der Wasserhärte auf ca. 13°dH, was dem Härtegrad „mittel“ entspricht.

Nach den Aufbereitungsstufen wird das Wasser wieder verschnitten und über zwei Flachbettbelüfter geleitet, in welchen eine physikalische Entsäuerung zur Einstellung des Kalk-Kohlensäure-Gleichgewichts erfolgt.

Vor der Sammlung des Reinwassers in den beiden mineralisch beschichteten Stahlbeton-Wasserkammern mit je 250 m³ wird als Sicherheitsdesinfektion Chlorgas in geringer Konzentration zugesetzt.

Zur Verteilung des Reinwassers sind vier Pumpenstaffeln aufgestellt, die jeweils in die zentralen Versorgungsbehälter der Kommunen einspeisen, welche teilweise im Zuge der Gesamtkonzeption neu errichtet werden.
Mehrere Druckstoßkessel wurden anhand von speziellen Druckstoßberechnungen dimensioniert und zum Schutz der Förderleitungen eingebaut.
Neben den Reinwasserpumpen wird Trinkwasser über eine Fallleitung DN 400 direkt in das nördliche Versorgungssystem abgegeben.

Um den Durchsatz der Anlage an den Reinwasserbedarf, bzw. der Reinwasserförderung anzupassen, und damit die Schalthäufigkeiten zu minimieren, kann der Aufbereitungsbetrieb wahlweise mit halbem, dreiviertel und vollem Durchsatz gewählt werden. Dies wurde auch hinsichtlich der Aufbereitungstechnik abgeglichen, welche über Zu- und Abschaltung von Straßen bzw. FU-Betrieb auf die Anforderungen reagiert
Insgesamt wird über das Wasserwerk eine spezifische Reinwasserbereitstellung von bis zu 167 l/s ermöglicht, um den Jahresbedarf der Kommunen von ca. 2,3 Mio. m³/a zu decken.

Absicherung Wasserversorgung
Zur Sicherstellung der durchgehenden Funktionalität des Wasserwerkes wurden verschiedene Maßnahmen getroffen, welche den Betrieb aufrechterhalten.

Grundsätzlich wurden alle technischen Komponenten des Wasserwerkes, insbesondere Pumpen und Aggregate, in redundanter Ausführung vorgesehen, um bei Ausfall eine nahtlose Umschaltung zu ermöglichen.

Die komplette Anlage wird durch ein modernes Mess- und Steuersystem überwacht, welches umgehend Fehler im Betrieb detektiert, Meldungen an das Leitsystem sendet und bedarfsweise Maßnahmen einleitet, um den Betrieb zu stützen. Zentrale Elemente sind hierbei zwei Siemens S7 Steuereinheiten, welche redundant zueinander fungieren.

Sämtliche Elektro-, Mess-, Steuer- und Regeltechnik ist in zwei brandschutztechnisch voneinander getrennten Räumen untergebracht, so dass ein einzelner Raum jeweils den kompletten Betrieb des Wasserwerkes aufrechterhalten kann.
Das Gleiche gilt auch für die beiden Transformatoren mit einer Leistung von je 800 kVA, welche über eine Ringeinspeisung aus dem Mittelspannungsnetz die energetische Versorgung sicherstellen. Die Aufstellung erfolgte in einer separaten Trafostation, welche als Fertigteilbauwerk errichtet wurde.

Sollte dennoch die Stromzuführung am Wasserwerk ausfallen, so steht zusätzlich ein mobiles Notstromaggregat mit einer Leistung von 800 kVA zur Verfügung, welches die Grundversorgung für das Wasserwerk abdecken kann.

Sozialbereich
Als zentraler Punkt der Wasserversorgung erhielt das Wasserwerk neben den technischen Anlagen auch verschiedene Bereiche für das Betriebspersonal wie eine moderne Leitzentrale mit mehreren Arbeitsplätzen, Besprechungsraum, Umkleiden, Duschen und Sanitäranlagen.

Zentraler Standort
Für die Errichtung des Wasserwerks wurden verschiedene Standortvarianten vorgeschlagen und in mehreren Besprechungen gemeinsam mit der Projektgruppe „WW Taubertal“ diskutiert.
Die Entscheidung fiel darauf, den Neubau in Nähe des bestehenden Pumpwerkes Dittigheim bei der Bundesstraße B27 und nahe der Autobahn A81 zu errichten. Ausschlaggebend hierfür waren die zentrale Lage zwischen den drei größten Abnehmern sowie eine möglichst niedrige Höhenlage, um den Energieeinsatz für die Anlieferung aus den Gewinnungen minimal zu halten. Hierdurch wird auch für den Anteil von ca. 18 % an Eigenbedarf (Spülwasser Ultrafiltration und Konzentrat Enthärtungsstufe) durch den Aufbereitungsbetrieb der erforderliche Energieeinsatz minimiert.

Aufgrund der Lage des Wasserwerkes in der Zone II des Wasserschutzgebietes Dittigheim wurden spezielle Vorkehrungen zum Schutz des Grundwassers vorgesehen. Hierzu zählen der Einsatz von abdichtendem, lehmhaltigem Bodenmaterial, besondere Sorgfalt bei der Sicherstellung der Dichtigkeit der Leitungen und insbesondere eine leckageüberwachte, doppelwandige Ableitung der Aufbereitungsverluste bis hin zum Vorfluter „Tauber“.
Aufgrund des Standortes wurde das Landratsamt Main-Tauber-Kreis sehr frühzeitig eingebunden und über den gesamten Prozess von der Planung bis zur Fertigstellung beteiligt.

Natur und Landschaft
Um die Einpassung des Bauwerkes in die Örtlichkeit und auch die natürliche Umgebung zu optimieren, wurden mehrere Varianten zur äußeren Gestaltung geprüft.
Das Wasserwerk wurde letztlich als ein Gebäudeteil mit Pultdach und drei langgezogenen Gauben ausgeführt. Eine vollständige Dachbegrünung in Blickrichtung des Tals bindet das Objekt harmonisch in die Umgebung ein. Die Natursteinfassade wurde ebenfalls in Anlehnung an die Farbgebung der umliegenden Felsen, welche in Richtung Tauberbischofsheim aufragen, gewählt.
Ein landschaftspflegerischer Begleitplan für den Bau des Wasserwerkes stellte sicher, dass Eingriffe in die Natur minimiert und durch entsprechende Ausgleichmaßnahmen kompensiert werden. Somit bindet sich das Bauwerk in seiner Form und Materialwahl ausgezeichnet in die Landschaft ein.

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